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Andachten

Wort zum Wochenende

10.11.2025

Als Martin stehen blieb…

In dieser Woche konnte man in allen Orten wieder die Laternenumzüge durch die Straßen ziehen. Kinder, Eltern und Großeltern tragen ihr Licht durch die Dunkelheit, begleitet von Liedern und dem Duft von warmem Gebäck. Es ist ein vertrautes Bild, jedes Jahr. Und doch merke ich, wie wichtig es ist, sich bewusst zu machen, was eigentlich die Geschichte dahinter erzählt.

Die Geschichte von St. Martin kennen viele seit Kindertagen: ein römischer Soldat, der in einer kalten Winternacht einem frierenden Bettler begegnet. Martin zögert nicht lange. Er steigt ab, teilt seinen Mantel in zwei Hälften und gibt eine davon dem Mann. Dieses Bild ist so schlicht, so klar und so stark, dass es bis heute nachklingt. Nicht, weil Martin ein Held sein wollte – sondern weil er im richtigen Moment gesehen hat.

Es beeindruckt mich, wie Martin in diesem Moment sowohl für sich sorgte als auch für den anderen. Er hat nicht alles gegeben, aber er hat geteilt. Er hat nicht gewartet, bis jemand anderes etwas tut. Er hat nicht überlegt, ob ihm diese Hilfe später irgendwie „nützlich“ sein könnte. Das Teilen kam aus einem Herzen heraus, das sich berühren ließ. Martin sah den anderen Menschen nicht als Fremden, sondern als jemanden, dessen Not er ernst nahm. In diesem Moment gab es kein „oben“ und „unten“, keinen Soldaten und Bettler. In diesem Augenblick begegneten sich einfach zwei Menschen, die ein Stück Wärme teilten.

Denn Wärme fehlt nicht nur denen, die zu wenig haben. Wärme fehlt manchmal auch mitten im Alltag: dort, wo jemand sich alleine fühlt, obwohl Menschen um ihn herum sind. Dort, wo jemand erschöpft ist, ohne dass es jemand bemerkt. Dort, wo einer still wartet, gesehen zu werden.

Teilen muss nicht groß sein. Es muss nicht geplant sein. Es muss nichts kosten. Manchmal ist es ein aufmerksamer Blick, ein Zuhören ohne Eile, die Einladung zu einem Tee, ein kurzer Besuch oder ein Anruf, der mehr bedeutet, als wir ahnen.

Es lohnt sich, immer mal wieder darauf zu achten: Wo gibt es jemanden, dem ein kleines Stück Wärme guttun würde? Und könnte ich jemand sein, der sie schenkt?

So wird aus einem alten Mantelbild plötzlich etwas sehr Gegenwärtiges.

Ich wünsche Ihnen eine gute, warme Novemberzeit, voller kleiner Gesten, die zählen.

Melanie Hamann
Gemeindepädagogin in Ausbildung
Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen


 
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