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Andachten

Wort zum Wochenende

03.11.2025

Re-Formation - Gott neu denken

 

Re-Formation bedeutet aus dem Lateinischen übersetzt wörtlich „Wiederherstellung, Erneuerung“. Warum dann nicht auch mal die Frage stellen, wie ich Gott neu denken kann. Darüber denkt man gewöhnlich sehr wenig nach, denn man weiß ja ungefähr, was überliefert ist. Bei dem, was dann von den Alten erzählt wird, ist man sich sicher, daß man das nicht mehr braucht. Und die Jungen, die das mitmachen, sind altmodisch. Dabei reformieren Menschen in den Kirchen die Kirche als Gemeinschaft ununterbrochen. Sei es mit neuen Gottesdienstformen oder alte Traditionen, die wieder aufgenommen und neugestaltet werden. Sie re-formieren die Gemeinschaft tatsächlich wieder zu dem, was es ursprünglich mal war, eine Lebensgemeinschaft in der anderen sich getragen und akzeptiert fühlten.

Der Glaube geht dabei nicht verloren, sondern auch der wandelt sich, wobei die Basis des Glaubens sich nicht wandelt, sondern in Gott und Christus konstant ist. Glaube ist daher nicht das Gegenteil von Wissen. Glaube ist mehr, ist eine höhere Weisheit als alle Vernunft. Die lässt sich nicht immer in Worte fassen, aber ahnen. Auch wer vieles nicht glauben kann, was die Bibel erzählt oder was Menschen über ihren Glauben sagen, kann immer noch ahnen, daß es einen Gott gibt. Ahnungen tragen oft mehr Weisheit in sich als die klarste Vernunft. So schreibt der deutsche Schriftsteller Martin Walser im Jahre 2012 ein Büchlein mit dem Titel „Über Rechtfertigung“ folgendes: Es genügt nicht, Recht zu haben und sein Recht zu behaupten … Rechtfertigung muss von außen kommen. Rechtfertigung ist das Recht, das mir „gefertigt“, also gemacht wird. Aber von wem wird mir ‘das Recht‘ gemacht?

Martin Luther hat sich mit dieser Frage gequält und kam wie Paulus zu dem Schluß: Wir können uns nicht selbst gut und richtig machen. (Römer 3,24). Wir können Gott nur bitten, uns gut und richtig zu machen. Und wenn wir uns für gut und richtig halten und es vielleicht sogar sind, dürfen wir uns niemals etwas darauf einbilden.

Mit diesen Gedanken begann die Reformation der einen Kirche, die dann zur Spaltung der einen Kirche führte, die nicht beabsichtigt, sondern Folge vieler Zerwürfnisse zwischen der einen Kirche und den neuen Gedanken der Protestanten war. Nicht besonders rühmlich, denn es ist ja nur ein Gott, für beide großen Kirchen. Aber wer genau ist dieser Gott? Darauf gibt es die unterschiedlichsten Antworten. Martin Walser versucht in seinem Büchlein eine besondere Antwort, eine, die eine Leere anzeigt. Er schreibt: Ich bin nicht gläubig; aber Gott fehlt mir. … Er traut vielem nicht, was über Gott gedacht und geschrieben wurde. Er ahnt aber einen Mangel, eine Leere. Darum schreibt er: Ich bin nicht gläubig; aber Gott fehlt mir. Doch auch der fehlende Gott ist Gott. Verborgen, unsichtbar, vielleicht von Menschen und ihren viel zu vielen Worten verdüstert oder zerredet. Wenn mir Gott fehlt, bleibt die Möglichkeit, daß ich ihn für existent halte, sonst würde er mir nicht fahlen. Leere ist nichts Schlimmes. Re-Formation kann heute auch heißen, die vielen Begriffe und Gewohnheiten, die Menschen mit dem Wort „Gott“ verbinden, einmal neu zu betrachten und dann die Leere, das Fehlen Gottes, neu zu füllen. Vielleicht mit dem, was schon Luther so wichtig war: Gott ist der, der mich richtig mach, der mir ‚das Recht‘ macht. 


 
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