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02.08.2025
Bald ist es wieder soweit und ich weiß nicht, wie es Ihnen geht
– aber ich erinnere mich nur noch schemenhaft an meinen ersten Schultag.
Der Farbfilm, den meine Eltern eigens für diesen Tag besorgt hatten und auf dem sie akribisch alle Momente festhalten wollten – bleibt bis heute verschollen.
Nur ein Geschenk einer Freundin – viele Jahre später – gibt eine Ahnung von dem Tag.
Es ist ein Gruppenbild auf dem jeder meiner Schulfreunde in eine andere Richtung schaut - kurz bevor der Fotograf abdrückt.
Das Wetter war großartig.
Blauer Himmel.
Es war ein wunderbarer Augusttag.
Und es war mein 7. Geburtstag.
Und dennoch war Gefühlslage an diesem Augustmorgen irgendwie verwirrend und nicht so leicht zu verstehen.
Natürlich war da die Vorfreude auf die Schule.
Endlich ein Schulkind.
Endlich lesen lernen und rechnen.
Endlich alles das machen, was die Größeren schon längst können.
Aufregend ist das und spannend, wenn etwas Neues beginnt.
Wenn sich eine Tür öffnet und ich erst nach und nach erkenne und kennenlerne, was dahinter ist.
Das bleibt übrigens auch so, wenn man schon viel älter ist als ihr.
Da war also Spannung und Vorfreude.
Und andrerseits war da auch ein ganzes Stück Unsicherheit und Angst.
Wie wird das wohl in der Schule?
Wenn etwas Neues beginnt, dann ist da immer auch Unsicherheit und ein bisschen Angst, weil ich eben nie genau weiß, wie das Neue werden wird.
Auch das bleibt übrigens so, wenn man schon viel älter ist..
Meine Erinnerungen an die ersten Schulwochen dagegen sind etwas präsenter:
Mit dieser seltsamen Mischung aus Vorfreude, Spannung, Aufregung und Angst ging ich mit meiner großen Schwester die ersten Wochen die lange Hauptstraße entlang zur Schule.
Meine Mutter stand winkend am großen Schaufenster unseres Ladens und warf uns einen Kuss nach.
Am Eingang zur Schule hastete meine Schwester zu den Großen.
Mich ließ sie auf der Treppe bei den Kleinen stehen.
Und plötzlich war ich Schulkind und auf mich allein gestellt – mit Vorfreude im Bauch und Spannung und Aufregung und ein bisschen Angst.
Aber das Beste: Ich war nicht allein.
Da waren noch andere Kinder die von ihren großen Geschwistern auf der Treppe stehen gelassen. Insgesamt vier, die auch ihren ersten Schultag hatten.
Und im Rückblick kann ich sagen:
Das Gefühl, dass da andere Menschen sind, die einem helfen und die selben Wege zu gehen haben, wie ich, das war das allerbeste Gefühl meines ersten Schultages.
Wir treffen in unserem Leben immer wieder einen, der uns hilft.
Der mit uns ein Stück Weg geht. Der uns nicht allein lässt, wenn wir Hilfe brauchen.
Gott geht mit. Hält zu dir – heute den ganzen Tag. Er hält seine Hände über dich – was auch kommen mag. Auch wenn du mal Ärger hast: Gott ist nicht weit.
Viktoria Bärwinkel
Pfarrerin in & um Sondershausen