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26.04.2025
Vom Weitermachen
„Manchmal“, sagte das Pferd. „Manchmal was?“, fragte der Junge. „Manchmal ist es schon tapfer und großartig, wenn man aufsteht und weitermacht.“ Da laufen sie: Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd im gleichnamigen Buch von Charlie Mackesy. Laufen als winzige Figuren vor einer riesigen Berglandschaft. Laufen durch einen dicht verschlungenen Wald. Da sagt das Pferd diesen klugen Satz vom Weitermachen.
Ich finde diese Szene und diesen Satz ziemlich passend für Ostern. Ostern hat mit buntgefärbten Eiern und jeder Menge Schokolade seine schönen Seiten. Und Ostern hat mit den Geschichten, die uns in der Bibel überliefert sind, gleichzeitig eine schwere Seite. Ich mag die Geschichte von drei Frauen, die sich zum Grab von Jesus, ihrem Freund und Anführer aufmachen. Am dritten Tag nach seinem Tod war das, ganz früh am Morgen als gerade erst die Sonne aufging. Manchmal ist es schon tapfer und großartig, wenn man aufsteht und weitermacht. Wenn man durchatmet und sich einen Weg sucht in der Dunkelheit.
Erst mitten auf dem Weg fällt den Frauen ein, dass vor dem Grab ein riesiger Stein liegt, an dem sie nicht vorbeikommen werden. Sie gehen trotzdem weiter. Manchmal ist es nämlich schon tapfer und großartig, wenn man aufsteht und weitermacht. Nur auf den nächsten Schritt schaut, nicht auf den Stein, der da hinten den Weg bestimmt sowieso versperrt. Der nächste Schritt ist schwer genug.
Den Frauen soll ein Engel erschienen sein. Der hat erzählt, dass Jesus lebt und wo sie ihn finden können. Die drei Frauen haben sich daraufhin nicht etwa gefreut – sie waren entsetzt und flohen zitternd vom Grab. Manchmal ist es schon tapfer und großartig, wenn man rausgeht und zu laufen beginnt, wenn man das Entsetzen nicht abschütteln kann. Ich stelle mir vor, die Frauen rufen: „Wir fliehen nicht vom Grab. Wir laufen ins Leben!“
Das Pferd aus dem Buch von Charlie Mackesy würde den Frauen zunicken, denke ich. Wenn das Leben sich wie ein Berg vor einem auftürmt oder einen wie ein dichter Wald zu verschlingen droht, dann ist es schon tapfer und großartig, wenn man aufsteht und weitermacht. Mehr braucht es erst mal gar nicht, damit das Leben weitergeht.
In diesem Sinne frohe Ostern und für alle, die das gerade brauchen: Ihr seid tapfer und großartig!
Pfarrerin Theresa Hauser, Regionalpfarramt Greußen-Großenehrich