Sie sind hier: Andachten > Wort zum Wochenende
19.04.2025
Dazwischen
Karsamstag ist ein stiller Tag. Er liegt zwischen dem Schmerz des Karfreitags und der Freude des Ostermorgens. Zwischen Tod und Leben. Zwischen dem Ende und dem Neuanfang. Ein Tag dazwischen – und genau das macht ihn besonders.
Sicher kennen auch Sie solche Zwischen-Zeiten. Momente, in denen etwas vorbei ist, aber das Neue noch nicht begonnen hat. Wenn ein vertrautes Kapitel abgeschlossen ist – doch das nächste noch auf sich warten lässt. Wenn man noch nicht weiß, wie es weitergeht. Wenn man warten muss: auf ein Ergebnis, auf eine Entscheidung, auf eine Veränderung – oder einfach auf ein gutes Gefühl.
Geduld fällt vielen schwer. Mir auch, ganz ehrlich. Warten ist unbequem. Man fühlt sich oft hilflos, ausgebremst. Man will doch wissen, woran man ist. Dass sich etwas tut. Dass es endlich weitergeht. Aber das Leben folgt selten einem klaren Zeitplan. Manches braucht eben seine Zeit. Und man kann diesen Prozess nicht beschleunigen – so sehr man es auch versucht.
Karsamstag erinnert mich daran. Er ist kein Tag zum Handeln, sondern zum Aushalten. Zum Innehalten. Zum Durchatmen. Zum Nicht-Wissen. Und genau das darf auch mal sein. Man darf unsicher sein. Man darf müde sein. Und trotzdem hoffen.
Viele nennen diesen Tag „Ostersamstag“. Aber eigentlich passt das nicht. Denn es ist noch nicht Ostern. Noch nicht. Wir befinden uns noch in der Karwoche – genauer gesagt: in der Karzeit. „Kar“ kommt vom althochdeutschen chara und bedeutet „Klage“, „Trauer“, „Ernst“. Diese Tage tragen also bewusst den Charakter des Schmerzes, des Aushaltens. Und genau dieses „noch nicht“ hat eine stille, eigene Kraft. Es ist ein Warten mit Hoffnung. Ein Schweigen voller Erwartung.
Ich mag diesen Tag, weil er nichts fordert. Er verlangt keine Aktion, keine Leistung, kein Durchstarten. Er sagt nicht: Mach was draus. Er sagt: Sei einfach da. Und hab Geduld. Nimm dir Zeit. Bleib im Moment.
Das ist manchmal genau das, was man braucht. Zu wissen: Ich muss es gerade nicht lösen. Ich darf abwarten und darauf vertrauen, dass sich etwas bewegt – auch wenn ich es noch nicht sehe. Vielleicht ist es genau das, was wir lernen können: Dass Leben nicht nur in den lauten, schnellen Momenten geschieht, sondern auch in der Stille. Im Warten. Im Dazwischen.
Es wird nicht für immer so bleiben. Aber heute darf es still sein. Und das reicht. Für heute reicht das völlig.
Einen gesegneten Karsamstag und einen hoffnungsvollen Weg auf Ostern zu wünscht Ihnen
Melanie Hamann
Gemeindepädagogin (in Ausbildung) im Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen für die Regionen Helbe-Notter und Greußen-Großenehrich