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01.10.2026
Das Gute nicht vergessen
Erinnert ihr euch noch an das Gute, das ihr diese Woche erlebt habt? Überlegt mal, was euch so einfällt. Gute Momente, Erlebnisse, Dinge aus der letzten Woche. Egal wie groß oder klein. Vielleicht gab es mal ein richtig schönes Frühstück, jemand hat euch ein witziges Foto geschickt oder eine ermutigende Nachricht. Vielleicht hattet ihr ein gutes Gespräch mit einem Freund oder jemand Unbekanntes euch auf der Straße zugelächelt. Vielleicht habt ihr das Gute in der Ernte aus dem Garten entdeckt oder im stillen Abendhimmel. Ich wette, da war mindestens ein was Gutes, wahrscheinlich sogar mehr.
Wir Menschen neigen dazu, dieses Gute als selbstverständlich hinzunehmen. Vielleicht freuen wir uns kurz an der Nachricht oder der Blume, aber dann werden die guten Momente schnell ad acta gelegt und geraten in Vergessenheit. Unsere Aufmerksamkeit brauchen wir schließlich für die Gefahren, die hinter der nächsten Ecke lauern könnten. Das ist ein Erbe unserer Urvorfahren, die vor Milliarden Jahren lebten. Für die war es tatsächlich überlebenswichtig, sich nicht zu sehr an der Schönheit des Sonnenuntergangs zu freuen, sondern immer aufmerksam zu bleiben, ob sich da nicht doch ein Säbelzahntiger anschleicht.
Schlechte Nachrichten und Emotionen beeinflussen uns stärker und länger als gute. Das ist Teil unserer menschlichen Natur. Jammern und Klagen und Wut und Trauer haben auch völlig ihre Berechtigung. Aber es muss nicht so sein, dass sie das Gute in unserem Leben so sehr an den Rand drängen, dass wir ständig Angst haben oder am Meckern sind. Unsere Aufmerksamkeit für das Gute lässt sich stärken. Und zwar durch bewusstes Hinschauen und Erinnern.
Das mussten die Menschen wohl auch vor tausenden Jahren erst üben und lernen. Denn schon in der Bibel finden sich solche Erinnerungen: „Vergesst das Gute nicht!“ Gegen das Vergessen hilft es, dem Guten ganz besonders Aufmerksamkeit zu widmen. Zum Beispiel jeden Abend drei gute Momente des vergangenen Tages aufzuzählen. Oder einen guten Moment gedanklich zu vergrößern. Also sich ganz genau zu erinnern: Was habe ich in diesem Moment gesehen oder gehört? Wo war ich? Wie habe ich mich gefühlt? Inspirierend ist es auch, andere nach ihren guten Momenten zu fragen.
Auf jeden Fall: Vergesst das Gute nicht und habt eine gesegnete Erntedankzeit!
Theresa Hauser
Pfarrerin im Bereich Greußen-Großenehrich