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Newsletter 67

37/2015

Lichtblick 'Die Drei Siebe'nach oben

Zum Jahresabschluss hat uns Superintendent Kristóf Bálint sein Wort zum Kalenderjahresende zur Verfügung gestellt, womit wir den Reigen der Newsletter in diesem Jahr abschließen wollen. Wir freuen uns über Sie als Leser, sind dankbar für Anregungen, Wünsche und Beiträge und hoffen, dass Sie uns auch im Jahr 2016 die Treue halten. Bitte weisen Sie auch Bekannte und Verwandte auf unseren Newsletter hin, dessen Leserkreis sich gern erweitern darf. Hier ist der Link zur entsprechenden Anmeldeseite.
Herzliche Grüße, Ihr Newsletter-Team (Sandra Anderlik und Alfons Burhenne)

Die drei Siebe

Die kirchlichen Festtage sind schon eine merkwürdige Sache. Sie haben eine Vorzeit, beginnen und haben eine Folgezeit. Weihnachten wird von der Adventszeit eingeläutet, die eine Fastenzeit ist und der Vorbereitung auf Weihnachten dient. Ab Heilig Abend 18 Uhr beginnt das Weihnachtsfest und dauert 40 Tage bis zum 2. Februar, zum Tag der Darstellung Jesu im Tempel. Dann erst endet sie. Bei Ostern, dem höchsten Fest der Christenheit ist es ebenso. Auch das dauert 40 (bis Himmelfahrt, ohne Sonntage) bzw. 50 Tage (bis Pfingsten) und hat eine Fastenzeit (Karzeit) vorgeschaltet.
Das Kirchenjahr hat bereits am 1. Advent begonnen, nun liegt das neue Kalenderjahr vor uns. Auch das ist nicht überall gleich, denn wir kennen den jüdischen (Beginn: 3761 v.Chr.), den chinesischen (Huánglì) und z.B. den nordkoreanischen Kalender (Beginn 1912, dem Geburtsjahr von Kim Il Sung). Auch der heutige gregorianische Kalender wurde erst im 16. Jahrhundert eingeführt und überarbeitete den Julianischen Kalender, der bis dahin galt. Heute hat er sich allgemein durchgesetzt und weltweit Verbreitung gefunden.
Mit ihm verbunden sind viele Hoffnungen. Ein neues Jahr liegt wie ein leeres Heft vor uns. Die ersten Zeilen werden sorgsam geschrieben, aber bald zieht wieder der Schlendrian ein, die Handschrift wird krumm oder flüchtig, nicht mehr gut zu lesen. Gute Vorsätze werden gefasst und bald wieder vergessen oder bewusst „über den Haufen geworfen“, weil ihre Umsetzung zu aufwändig, schwierig oder nervend ist. Es ist einfacher, im alten Trott weiter zu machen, denn den kennen wir, der ist uns vertraut, selbst wenn er uns nervt und wir wissen, dass er uns schadet.
Ich habe deshalb einen Vorschlag für uns:
Wie wäre es, wenn wir uns im neuen Jahr nur eine Sache vornähmen und die richtig? Zum Beispiel, keine voreiligen Schlüsse ziehen und nicht jedes Gerücht gleich weitersagen, sondern zuerst nachdenken, ob es durch die drei Siebe des Sokrates geht:
Eines Tages kam einer zu Sokrates und war voller Aufregung. "Meister Sokrates, hast du das gehört, was dein Freund getan hat? Das muss ich dir gleich erzählen."
"Moment mal", unterbrach ihn der Weise. "Hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?"
"Drei Siebe?" fragte der Andere voller Verwunderung.
"Ja, mein Lieber, drei Siebe. Lass sehen, ob das, was du mir zu sagen hast, durch die drei Siebe hindurchgeht.
Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?"
"Nein, ich hörte es irgendwo und . . ."
"So, so! Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst - wenn es schon nicht als wahr erwiesen ist -, so doch wenigstens gut?"
Zögernd sagte der andere: "Nein, das nicht, im Gegenteil . . ."
"Aha!" unterbrach Sokrates. "So lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden und lass uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich erregt?"
"Notwendig nun gerade nicht . . ."
"Also", lächelte der Weise, "wenn das, was du mir erzählen willst, weder erwiesenermaßen wahr, noch gut, noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!"

Wenn wir immer alles durch die drei Siebe geben und sich am Ende noch immer die Weitergabe empfiehlt, erst dann sollten wir etwas weitersagen. Das würde zwar manche Konversation verlängern und zuweilen auch erschweren, aber es diente uns allen ungemein, denn 2015 wurden solch aberwitzige, verletzende, ehrabschneidende Gerüchte über Menschen verbreitet, dass das durchaus Rufmord genannt werden kann.
Wenn wir 2016 darauf verzichteten und nachprüften, was uns da „aufgetischt“ wird, dann könnten wir damit schon einen großen Beitrag zum Frieden in unserer Gesellschaft leisten. Ganz nebenbei erfüllten wir auch eines der Gebote: „Du sollst nicht lügen“, denn wer unbedarft „Ungesiebtes“ nachplappert, der macht sich mitschuldig.
Ich wünsche uns deshalb ein nachdenkliches, sorgsam formulierendes Jahr 2016,
Ihr Superintendent Kristóf Bálint
 


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