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02.01.2019

Predigt zur Jahreslosung 2019 (Reinhard Süpke)

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ Psalm 34,15

Liebe Gemeinde, die Jahreslosung stellt uns im kommenden Jahr vor eine schwierige Aufgabe: „Suche Frieden und jage ihm nach!“

Was für widersprüchlicher Satz! Wie sollen wir das umsetzen?!

Jagen ist doch nichts Friedliches! Jäger werden als Unmenschen angeklagt. Diese wehren sich natürlich.

Noch schlimmer ist es, in den Nachrichten davon zu hören, dass Menschen gejagt werden. Nicht nur in unserem Land, sondern auch in Ländern, wo Kriege herrschen.

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ – wie soll das gehen?

Ich habe mich erinnert, was mir vor einigen Jahren passiert ist: Ich war mit dem Fahrrad nach Seehausen gefahren zu einer Besprechung. Heimwärts wählte ich einen Waldweg. Es war schon etwas spät und im Wald wurde es leicht duster. Die Klingel am meinem Rad war etwas eigen. Sie klingelte nämlich ständig ohne Aufforderung. Da hörte ich links von mir aus dem Wald ein unwilliges Gemurmel von mindestens zwei Männern. Die saßen auf zwei Hochsitzen. Für die war meine Klingel nicht lustig. Ich habe wahrscheinlich ein oder zwei Wildbraten verhindert an diesem Abend.

Im Rückblick wurde mir klar: Zum Jagen gehört warten! Still abwarten auf die richtige Gelegenheit – bei den Jägern um ein Tier zu erlegen.

Wenn es um den Frieden geht, kommt es auch darauf an, die richtige Gelegenheit abzuwarten. In der Stille zu bedenken, was wir reden oder tun sollen, um Frieden zu ermöglichen.

In der Bibel wird das zweimal so auf den Punkt gebracht:

In den Sprichwörtern Salomos lesen wir:

Klugheit macht den Mann langsam zum Zorn, und es ist ihm eine Ehre, dass er Verfehlung übersehen kann. (Spr 19,11)

Und der Apostel Jakobus vertieft es so:

Ihr sollt wissen: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Denn des Menschen Zorn tut nicht, was vor Gott recht ist.  (Jak 1,19f)

Wir können bedachtsamer an eine schwierige Situation herangehen, wenn der Zorn verraucht ist. Dann werden wir nicht von unseren Gefühlen getrieben. Wir bedenken kränkende Worte oder verletzende Taten von verschiedenen Seiten.

Dann zerschlagen wir nicht noch mehr Porzellan. Beziehungen haben die Chance, nicht für immer zerbrechen. Weil wir Worte zurückhalten, die wir später bitter bereuen. Beziehungen können sogar auf eine bessere Grundlage gestellt werden.

Als es bei Eltern noch Usus war, Kinder zu verhauen, um sie zu erziehen, gab es einen Rat für die erzürnten Väter:

„Geh erst in den Wald und schnitze die Rute, bevor Du sie benutzt!“

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ – wie soll das gehen? Zuerst durch Stille, durch Bedachtsamkeit.

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ – wie soll das gehen? Frieden entfaltet sich auch durch Beharrlichkeit und Hartnäckigkeit.

Jäger verfolgen die Spuren ihres Wildes.

Welchen Spuren müssen wir nachspüren? Was müssen wir beharrlich verfolgen, wenn wir Frieden entfalten wollen?

Es sind die Suren des „Fürst des Friedens“. So wurde JESUS lange vor seiner Geburt genannt: ER ist der „Fürst des Friedens!“ (Jesaja 9,5)

Seine Spuren hat er u.a. in den Menschen hinterlassen, die die Evangelien aufgeschrieben haben – und in allen anderen, denen wir das Neue Testament verdanken.

In der Jungen Gemeinde meines Heimatdorfes hing ein Satz über der Tür. Immer wenn wir nach Hause gingen, war dieser Satz „das letzte Wort“ des Abends: Es stammt von Pfarrer Niemöller:

„Bei allem, was Du tust, solltest Du dich fragen: Was würde JESUS dazu sagen?“

„Was würde Jesus dazu sagen?“ Das war die Lebensfrage, die Martin Niemöller begleitet hat. In allen Begegnungen, bei allen Entscheidungen hatte er stets diese Frage im Hinterkopf: „Was würde Jesus dazu sagen?“ Wie würde er sich entscheiden? Was würde er tun? Niemöller ließ sich davon korrigieren und leiten.

Niemöller war U-Boot-Kommandant im Ersten Weltkrieg, war zunächst Nazi-Anhänger, schließlich Gegner und KZ-Häftling, in der jungen Bundesrepublik streitbarer Friedensaktivist.

Wie kam es dazu? Niemöller war als vierjähriger durch eine Kinderbibel, von einem Bild von Jesus geprägt. Dadurch hatte sich diese Frage festgesetzt – und der „Fürst des Friedens!“ begann an ihm zu arbeiten, ihn zu verändern.

Wenn schon eine Kinderbibel die Kraft hat, uns zum Frieden zu führen – wie viel mehr das ganze Neue Testament?

JESU Spuren finden wir übrigens bis heute in den Menschen, die an JESUS, den Sohn GOTTEs glauben. Durch das Gespräch und die Gemeinschaft mit ihnen kommen wir auch heute JESUS auf die Spur.

Die Jagd hinter dem Frieden besteht u.a. darin, sich mit den Worten und Lehren JESU zu befassen. IHN reinreden lassen in unser Leben. Und dann Seine Worte in uns wirken zu lassen. Und sich mit anderen Christen darüber austauschen: Wie hat JESUS das gemeint? Wie kann ich das heute leben?

Übrigens: Eins Seiner bekanntesten Worte zum Thema Frieden lautet:

„Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Matthäus 5,9 )

Da kommt mir immer meine Oma in den Sinn. Wenn es zu Hause Meinungsverschiedenheiten zwischen meinem Vater und mir gab, war die Stimmung immer mal kurz vor der Explosion. Da schaltete sich Oma ein und sagte: „Ruhe!.... ist die erste Bürgerpflicht!“

Da gab es keine Diskussionen mehr – und ich habe innerlich noch eine Weile weiter gegrummelt. „Warum darf ich hier nicht über Gerechtigkeit, Atombomben, Wahrheit usw. reden?“

Es war Ruhe zu Hause – aber nichts war geklärt, es schwelte weiter…

So wirkte auch das berühmte Wort von der ersten Bürgerpflicht in unserem Land: Als Napoleon 1806 die Preußen bei Jena Auserstedt besiegte und auf Berlin losmarschierte, wurde zur Ruhe gemahnt mit einem Plakat. „Der König hat eine Bataille verloren. Jetzt ist Ruhe die erste Bürgerpflicht. Ich fordere die Einwohner Berlins dazu auf. Der König und seine Brüder leben! Berlin, den 17. October 1806. Graf v. d. Schulenburg.“

Später wurden mit diesem geflügelten Wort politische Aktivitäten unterdrückt. Es konnte nicht mehr öffentlich um Wahrheit gerungen werden.

Nun sagt JESUS aber nicht: „Bleibt mal alle schön friedlich!“

Sondern: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Matthäus 5,9 )

Damit ist wieder aktives Suchen und Jagen nach dem Frieden gemeint.

Paulus bringt es auf den Punkt:

Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. (Röm 12,18)

Es gibt nun mal Leute, die weichen der Versöhnung und dem Frieden aus. DA liegt es auch nicht an uns. Aber: Haben wir wirklich schon alles getan, „… soviel an uns liegt?“

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ – wie soll das gehen? Nicht zuletzt, indem wir unnötigen Ballast loswerden.

Ein Jäger hat mir einen seiner Rucksäcke geborgt. Ach, was da alles reingehört… u.a. Verbandszeug, ein Messer, Strick, Taschenlampe, Plastetüten, Blutröhrchen und nicht zuletzt Proviant.

Das ist offensichtlich das notwendigste, was ein Jäger braucht.

Für uns gehört die Gemeinschaft mit anderen Christen dazu, die Bibel und das Gebet und Vertrauen in JESUS Christus, dessen Spuren wir nachjagen.

Wir schleppen manchmal aber unnötige Lasten mit uns mit.

Wir finden den Frieden nicht, weil unser Rucksack zu schwer ist.

Der Rucksack ist unser Herz.

Das ist oft voll von Ängsten Sorgen um die Zukunft. Was wird die große Politik mit sich bringen? Was bringt der nächste Arztbesuch mit sich?

Unser Herz ist oft voll von Erinnerungen, die uns quälen, weil wir wissen, dass wir etwas getan oder unterlassen haben, was unser Gewissen beschwert. Was hat sich da allein im letzten Jahr schon alles angesammelt?

Wie kann ich auf dem Weg hinter JESUS her Erleichterung, Frieden finden?

Nicht zuletzt sind wir oft nachtragend: „Das werde ich ihm nie vergessen! Das kann ich nicht verwinden!“ Aber mal ehrlich: Wer trägt denn, wenn ich nachtragend bin? Ich – und ich werde darunter leiden und verbittern – wenn ich das nicht loswerde.

Die gute Nachricht ist:

JESUS, unser „Fürst des Friedens“ ist jetzt schon mit jedem unterwegs, der seinen Spuren folgt.

ER lädt ein:

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. (Matthäus 11, 28 – 3)0

Das heißt:

Jesus lädt uns ein:

Vertrau mir Deine Sorgen an! Vertrau mir in allen Deinen Ängsten!

Gib mir Deine Schuld, ich habe sie am Kreuz weggetragen, ich nehme Dir diese Last weg.

Und schlepp Dich nicht mit der Schuld der anderen ab. Vergib ihnen und Du wirst freier durchs Leben gehen.

Mit diesem Fürsten des Friedens können wir das Jahr 2018 im Frieden hinter uns lassen – und 2019 den Frieden, den ER gibt, immer wieder erleben – und entfalten. Amen   

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