zum Inhalt

Sie sind hier: Glaube und Leben > Predigten > Predigt zur Entsendung vo…

Predigten

« zur Übersicht

07.04.2019

Predigt zur Entsendung von Pfarrerin Nadine Greifenstein 07.04.2019 in Bad Frankenhausen

Predigt über Mt 20,28 – Vollkontakt mit offenem Visier

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da war, der da ist und der da kommt. Amen.

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Liebe Gemeinde, das ist der Spruch, mit dem wir heute in die neue Woche geschickt werden.

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Dieser Vers aus dem Matthäusevangelium klingt für mich nach einem Perspektivenwechsel. Er klingt nach: Nein, du hast das missverstanden. Das Gegenteil ist gemeint, das Gegenteil von dem, was du denkst verstanden zu haben. Das irritiert mich.

Ich höre diesen Spruch und ich sehe, wie auch an anderen Stellen im Evangelium, einen Jesus im Gegenüber zu seinen Jüngern, der sich am liebsten mir der flachen Hand auf die Stirn klatschen will und seine Jünger fragt: habt ihr überhaupt irgendetwas verstanden?

Ihr hört und erlebt mich jeden Tag. Und er sagt weiter: Wer unter euch groß sein will, der muss sich klein machen, und wer der Erste sein will, muss der Geringste sein. Ich bin nicht gekommen, dass ich mir dienen lasse, sondern dass ich diene und mein Leben gebe als Lösegeld für viele. – das hör ich Jesus sagen.

Und dann sehe ich die Jünger mit nichts als Fragezeichen in ihren Augen. Jünger, die in ihrem Kopf kramen nach Wissen und nach dem, was sie gelernt haben. Ich sehe sie bei dem Versuch das irgendwie einzuordnen, was Jesus ihnen da sagt.

Wenn ich daran denke und mir das vorstelle, dann frage ich mich: hab ich eigentlich irgendwas verstanden? Oder bin ich nicht auch eine von denjenigen, die eine Frage nach der anderen stellt, im Grunde aber immer nur in Teilen folgen kann und dabei oft genug die Perspektive, die Perspektive für das Ganze verliert.

Jesus ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um den Menschen, um uns zu dienen. Was ist daran so schwer zu verstehen: Einer für alle! Er ist gekommen, um unser Lösegeld zu bezahlen, um uns auszulösen, frei zu machen, um uns aus-zu-halten, um alles auf seine Friedfürst-Schultern zu nehmen, zu tragen, zu leiden.  Was bloß ist daran so schwer zu verstehen?

Schwer zu begreifen, schwer zu verstehen, dass mir, dass uns der Eine so nah kommt und in unsere Abgründe springt, durch unsere Hölle geht und herauskommt und dann sagt: jetzt ist Schluss damit, ihr seid frei!

Das ist schwer zu begreifen, weil das völlig selbstlos ist, was wir da erfahre. Das ist schwer, weil sich jemand so klein vor uns macht und wir ihm nicht aufhelfen muss, ihm gar nicht aufhelfen können. Ein völlig einseitiger Dienst von einem Diener. Einem, der gerade dadurch unfassbare Größe und unfassbare Herrschaft hat. Das ist schwer zu begreifen, nicht mit dem Verstand, nicht mit Wissen zu erfassen.

Alles was wir im Gegenzug tun könnten, würde verblassen, wäre nur ein kläglicher Versuch, könnte nie und nimmer ein Dienst auf gleichem Niveau sein. Das irritiert mich – immer noch. Das fordert einen radikalen Perspektivwechsel von mir. Das lässt mich die Hand auf die Stirn schlagen und mich fragen, ob ich überhaupt irgendetwas verstanden habe, jemals, irgendwann, in all dem, was ich je gelernt habe; in allem, was ich weiß.

Vielleicht liegt der Schlüssel darin, dass es nicht um gelerntes Wissen geht. Nicht um meinen Verstand, sondern um mein Herz.

Vielleicht geht es darum, sich auf Erfahrung einlasse, die etwas zeigt von diesem Dienst dieses Einen Dieners. Der Verstand und der Kopf, alle Bücher im Regal, alles Wissen, alle Erklärung sind da nicht gefragt. Damit kann man der Erfahrung des Lebens bekanntlich auch nicht ausweichen oder ihr beikommen.

Vielleicht geht es darum, wach zu bleiben, berührbar zu bleiben, aufmerksamer zu werden, für die Spuren dieses Dienstes, dieses Dieners im eigenen Leben.

Vollkontakt mit geschenkter Freiheit, wie ich sie mit selbst nie erringen könnte - das bedeutet dieser Vers für mich: Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele. Vollkontakt mit Freiheit, geschenkt durch einen anderen.

Offenes Visier in der Begegnung mit Gott - das bedeutet dieser Vers für mich: Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele. Wenn mir Gott begegnet, dann kann mein Visier getrost offen sein, da muss ich nicht kämpfen, da kann ich mich zeigen.

Wenn ich in Vollkontakt komme und wenn mein Visier offen ist, wenn mir die Frage aufkommt, ob ich überhaupt irgendetwas verstanden habe, dann ist das eine Irritation für mich, eine wohltuende Irritation.

Es erdet mich. Ich komme runter von Karriereideen, von unrealistischen Idealen, vom Anspruchsdenken. Ich komme zu mir und finde meinen Platz. Ich komme dazu dankbar zu sein und frei. Ich komme zu einem Dienst, der nie gleichwertig sein kann, aber hoffentlich immer eine Herzensangelegenheit bleiben wird.

Ich wünsche mir und ich wünsche Ihnen, dass wir solche Erfahrungen gemeinsam machen. Uns ab und an mit der flachen Hand auf die Stirn klatschen möchten und uns fragen: haben wir überhaupt irgendetwas verstanden? Ich wünsche mir, dass unsere Fragen nicht aufhören, dass wir uns wohltuend irritieren lassen, die Perspektive wechseln; dass wir darüber in Kontakt kommen, miteinander, mit Gott. wünsche Ihnen und mir das offene Visier und den Vollkontakt mit der Freiheit und mit dem Dienst Gottes an uns.

Amen.

« zur Übersicht

 
Impressum Datenschutz
Volltextsuche
Gemeindesuche
Veranstaltungen Juni 2019
So Mo Di Mi Do Fr Sa
            01 7
02 12 03 04 1 05 2 06 1 07 2 08 2
09 17 10 7 11 1 12 13 1 14 1 15 3
16 17 17 18 1 19 1 20 21 2 22 11
23 19 24 1 25 1 26 2 27 2 28 1 29 4
30 15            

Hinweis auf ...



Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Datenschutzerklärung
Ok, verstanden