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03.04.2019

Predigt zur Einführung von Pfarrer Martin Weber 31.03.2019 in Allstedt

Joh 12,20-24

Move 1 Das Weizenkorn

Es fällt. Es fällt und dreht sich um sich selbst, wie eine Pfeil und schlägt in der weichen Erde auf. Mit leichten Druck wird es hinein gepresst. Wasser rauscht heran und feuchtet Erde und dieses kleine Ding. Und dann passiert erstmal nichts mehr. Über Stunden. Nach einem Tag kann man kleine weiße Fäden erkennen, die aus dem Corpus hervor kriechen. Verletzlich, klein und kaum ist zu erahnen, was daraus werden könnte. Weitere 24 Stunden später sind sie um 5 cm gewachsen. Noch ist das nichts besonders aufregendes oder gar zu erkennen, was daraus werden könnte. Noch nichts ist zu sehen von den großen und mächtigen Ähren. Man sieht nur das kleine, irgendwie traurige Korn. Es dauert lang, man kann nicht zuschauen, um wahrzunehmen, dass sich etwas verändert. Die Gesamtschau, über große Zeit mit einem langen Atem zu beobachten, zeigt die Verwandlung, zeigt das etwas anders wird, das das Korn nicht bleibt, wie es ist.

Wenn das Korn sich verwandelt, hört es auf Korn zu sein.

Es wird etwas anderes. Ich kann es vielleicht erahnen, hoffen was sein wird, aber am Anfang in diesen 48 Stunden ist kaum etwas davon zu erkennen.

Und wenn nicht?

Wenn es so bleibt, wie es ist? Wenn es nicht begossen und in die Erde fällt?

Es wird seine Form behalten. Man wird es weiterhin erkennen, als dieses stromlinienförmige Kleinod. Es wird handlich, bekannt und unveränderlich bleiben.

Und es wird schön aussehen.

So lange bis es anfängt zu erhärten. Sein Keimfähigkeit schwindet. Es kann zu Staub zerdrückt werden.

Es stagniert, Stillstand.

Es wird schön aussehen, aber es bleibt allein. Nichts wird aus ihm hervorbrechen

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Move 2 Rückblick

Liebe Schwester und Brüder,

Ich freue mich darüber, dass wir heute an diesem Tag zusammen sind. Drei Jahre lang haben wir miteinander hier gelebt und die Gemeinde entwickelt, so wie es in unseren Vermögen steht. Manche von ihnen habe ich in dieser Zeit sehr oft gesehen und gesprochen, andere einige wenige Male. Wir haben gemeinsam versucht Samen zu pflanzen, haben Dinge belassen wie sie sind und gestärkt, andere angepackt und verändert oder sind noch dabei, wie man hier an diesem Gebäude stellvertretend sieht. Nichts davon ist einfach, oder mal so nebenbei geschehen und entschieden worden. Es hat Kraft gekostet, auch Schmerzen der Trennung und des Abschieds verursacht. Und wir haben manches kleine Wunder erlebt oder erleben es gerade jetzt.

Die Kirchengemeinden sehen sich mit einem massiven Veränderungsprozess konfrontiert, um in den Orten und als Gemeinschaft hier in der Region aktionsfähig zu bleiben oder es zu werden, bei den Dingen die Brach lagen. Und natürlich ist es bequem und auch wohlig und warm alles zu belassen wie es ist.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Move 3 Das Korn das in die Erde

Die Menschen die Jesus gefolgt sind wollten Veränderung ihres Lebens, spirituell, grundlegend, sozial. Und gleichzeitig wollten sie, das alles so bleibt, wie es ist. Wollten ihn bei sich behalten, immer weiter bei ihm bleiben, ihn nicht hergeben. Konservieren was ist. Und doch lässt der Herr sich nicht aufhalten. Es geht vorwärts, unweigerlich auf Golgatha und das Kreuz zu. Um etwas zu säen, was Sie selbst überdauern wird, eine Sache die größer sein muss als Kapernaum oder das Judäische Land. Gottes Sache. Sein JA zur Menschheit.

Jesus gibt ihnen und mir hier im Johannes- Evangelium schon einen Ausblick der weit über Golgatha und Kreuz hinaus geht. Der von Transformation erzählt. Von Verwandlung. Davon, dass daraus Mehr entsteht. Frucht zum Leben, Gemeinschaft die wächst. Gottes Reich unter uns.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Move 4 Ausblick

Wir sind als Gemeinde, als Kirche, an einem herausfordernden Punkt angekommen. Und ich empfinde große Demut darüber, dass ich diesen Weg mit ihnen als ihr Pfarrer gehen darf.

Und froh darüber das keiner aus der Gemeinde von seinem 14 tägigen Widerspruchsrecht gebraucht gemacht hat. Ich habe erlebt, mit welcher Hingabe und Mut Menschen hier in den Orten des Pfarrbereiches die Gemeinde weiterentwickeln, mit Worten, Gedanken und Taten. Mit ihrer ganz eigenen Expertise, in ganz unterschiedlichen Dingen. Arbeit um und an den Gebäuden, Chor, Pädagogische Arbeit, Besuchsdienst, Kreative und gottesdienstliches Engagement. Sie alle verkündigen, auf ihre ganz eigene Weise. Und das im Angesicht von den Dingen, die uns in der Region und als Kirchengemeinde erwarten.

Ich kann ihnen nicht versprechen, dass es besser wird. Ich kann ihnen nicht versprechen, wieviel oder wie groß die Früchte sein werden, die unsere Bemühungen hervor bringen werden.

Denn es liegt nicht in meiner oder in ihrer Hand. An Gottes Segen ist alles gelegen.

Aber ich kann ihnen versprechen, dass ich solange ich hier mit ihnen lebe, nicht aufhören werde, den Samen zu werfen, zu wässern, zu beobachten, zu handeln, zu hoffen, daran zu glauben, dass wir wie das Samenkorn aufgehen und Frucht bringen können, auch dann, wenn es unsere Form verändern wird und uns alles kosten wird.

Denn ich glaube daran, dass wir nicht als versteinertes Relikt zerbröseln, sondern aufgehen zu etwas neuem.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Move 4 Traum

Ich träume von dem Samen, der sich so langsam verändert. Aber ich träume davon wie er gepflegt und aufmerksam beobachtet wird. Wie sich die kleinen weisen Fruchtfäden grünen. Wie sie wachsen. Dick und stark werden. Wie sie das satte Gelb annehmen und sich ihre Ähren entwicklen.

Wie sie aufbrechen und unsere Hände darüber fahren.

Wie die Körner in die Hand rollen. Sie sind perfekt. Ich sehe, wie sie gesammelt werden und wieder aus gesät werden. Sie werfen, ich werfe, Menschen die ich noch nie gesehen habe werfen. Doch nicht allein.

Eine ewige Kraft, seine Hand. Die wirft mit.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

AMEN

 

 

 

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