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24.12.2018

Predigt zur Christvesper 2018 (Pfarrer Martin Weber)

Predigttext Joh 7,28-29 (Perikope V)

0 Predigttext

Da rief Jesus im Tempel und lehrte: Ja, ihr kennt mich und wisst, woher ich bin. Aber nicht von mir selbst aus bin ich gekommen, sondern von dem, der wahrhaftig ist, der mich gesandt hat, den ihr nicht kennt.

Ich aber kenne ihn; denn ich bin von ihm, und er hat mich gesandt.

1 Kennen

Da stehen Sie nun vor dem Kind. Die Loblieder sind gesungen, der Engel hatte seinen Auftritt, sprach vom Friedefürsten, vom Heiland, von dem Frieden auf Erden, den wir immer noch nicht sehen. Die Weisen haben ihre Geschenke niedergelegt. Gold, Weihrauch, Myrrhe. Die Hirten hab gestaunt und sich gefreut, das ich irgendjemand um sie geschert. Die Viecher im Stall haben gemeckert, gemehhht, gemuuuuht, iaaahhh gerufen oder was auch immer für Laute sie herausgebracht haben. Maria und Joseph haben fürsorglich und glücklich auf ihren Sohn geschaut. Angestrengend und erschöpft, aber noch nicht am Ende ihrer Reise, sondern erst am Anfang.

Nun stehen Sie vor der Krippe, die Geschichte zig mal gehört in immer neuen Varianten. Klassisch, modern, abstrakt.

Gut, schlecht, orginell, mittelmäßig.

Alles schon mal gehört.

Christus spricht

Ja, ihr kennt mich und wisst, woher ich bin. Aber nicht von mir selbst aus bin ich gekommen, sondern von dem, der wahrhaftig ist, der mich gesandt hat, den ihr nicht kennt.

2 Bekannt sein

Jemanden zu kennen kann vieles bedeuten. Sie kennen manches nur vom Sehen her, oberflächlich oder flüchtig. Die Menschen, die sie nur manchmal beim Einkaufen sehen, die Themen die nur am Rand ihrer Wahrnehmung herum huschen. Manches oder manche kennen Sie gut, weil Sie Erfahrung mit Menschen oder Themen gemacht haben, wo es eine lange gemeinsame Geschichte gibt. Wo Sie am anderen Menschen viele Facetten kennen oder eine Seite ganz besonders. Bei ihrem Partner, Kind, Schwester oder Bruder, Arbeitskollegen, Freund oder Nachbar.

Sie sind mit vielem unterschiedlich gut oder flüchtig bekannt.

Heute kommen Sie wieder in Kontakt mit dem Kind in der Krippe. Wahrscheinlich nicht zum ersten mal. Einige von ihnen aber vielleicht nur dieses eine Mal. An diesem Tag im Jahr. Zur Christvesper.

Jeder von Ihnen kennt ihn anders. Als Folklore, die besonders in dieser Jahreszeit stark ist. Als den von dem behauptet wird, er wäre der Sohn Gottes. Als ihr persönlicher Halt im Leben, als Hoffnung auf den Sie sich verlassen können. Als Märchen, das man den Kindern erzählt, weil es so schön ist, oder als lästiges Beiwerk, dass eben irgendwie notgedrungen zum Weihnachtsritus dazu gehört und was der Kirche ihre Daseinsberechtigung gibt.

Und jeder von Ihnen hat Gründe, wie er Jesus erfahren hat, im negativen oder positiven.

3 Das Kind und sein Griff

Menschen zu kennen und Erfahrungen mit ihnen zu machen ist ein Segen und ein Fluch zugleich. Denn Sie wissen, wie es Sie selbst formt. Das Sie selbst nicht mehr unvoreingenommen aufeinander zu gehen können.

Hier kommt das Kind in der Krippe wirklich zu uns.

Wer von ihnen schon einmal ein Neugeborenes Kind besucht hat, der weiß wie es im Urvertrauen nach jeder Hand greift und Sie umschließt. Es kennt schon Stimme von Mutter und Vater, aber auch andere Menschen werden auf die gleiche Weise begrüßt. Ein Reflex, die Suche nach Nähe und Wärme. Nicht umsonst empfinden viele Menschen, auch ich, ein Neugeborenes als etwas besonderes, die Verheißung neuen Lebens. Irgendwann wird dieses Urvertrauen getrübt, manchmal aus guter Vorsicht, manchmal aus diffuser Angst.

Das Kind in der Krippe hat dieses Vertrauen nicht verloren. Auch nicht als Erwachsener Mann. Huren, Zöllner, dubiose Menschen, Arme, schwierige Menschen. Er ist ihnen mit diesem Urvertrauen begegnet. Auch mit harten Worten. Aber mit der Gewissheit, dass er einen besonderen Auftrag hat.

Christus spricht

Aber nicht von mir selbst aus bin ich gekommen, sondern von dem, der wahrhaftig ist, der mich gesandt hat, den ihr nicht kennt.

Ich aber kenne ihn; denn ich bin von ihm, und er hat mich gesandt.

Er hat den Griff nach den Menschen nicht verlernt.

Gott hat das Vertrauen, die Hingabe zu Ihnen nicht verloren. Ob Sie glauben, ob Sie zweifeln, ob Sie ihr Vertrauen schon lange verloren haben. Für das Kind von Bethlehem, Für Jesus von Nazareth ändert das nichts an ihrem Wert.

Den er kennt Sie. Er kennt Sie und mich mit allem was zu uns gehört. So wie Gott sich schutzlos als Neugeborenes ausliefert, so begegnet er Ihnen. Schutzlos mit diesem Urvertrauen, Ohne Rüstung, ohne Bedingung. Weil er Ihren Wert kennt, Ihren Wert zu schätzen weiß. Weil er den Frieden für Sie will.

Den Frieden, den keine Waffe, keine Mauer, keine Absicherung irgendeiner Art uns schenken kann. Den Frieden des Vertrauens in Ihren Wert. Nicht in Geld, nicht in Arbeitskraft oder Leistungsvermögen, sondern Ihren Wert als von Gott gewollte, geliebte Menschen. Der Friede Gottes, der durch Sie weiter strahlen kann.

Das sage ich auch im Bewusstein, das unser Erleben von diesem Frieden weit entfernt ist. Das haben wir in der letzten Woche wieder bitter erfahren.

Aber wer „Gott ist groß“ ruft und in eine Menschenmenge schießt, der spricht nicht von Gott, sondern von seinen eigenen zerstörten Träumen. Wer Menschen hasst wegen dem was sie sind und ihnen in Wort und Tat Gewalt antut, der ist nicht weise und ganz gewiss kein Freiheitskämpfer. Der ist einfach nur gefangen in seiner eigenen Furcht.

Den Unbekannten, den keiner restlos kennt, Gott, den habe ich gefunden in dem Kind in Bethlehem, dem Mann am Kreuz, in dem was er tat, in dem wofür er gestorben ist.

Er kann tausendmal in Betlehem geboren sein.

Wenn er nicht in Ihnen und mir zur Welt kommt,  immer wieder, dann ist all das hier wirklich nur Folklore, nur lästiges Beiwerk bevor es zu den Geschenken geht.

AMEN

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