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Predigten

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23.06.2019

Predigt zu Ps. 98 am 23.06.2019 in Bad Frankenhausen (Christhard Wagner)

Predigt, Orgelweihe der Strobel-Orgel, Bad Frankenhausen am 23.06.2019

Jauchzet dem Herrn, alle Welt! Singet, rühmet und lobet. (Psalm 98)

Liebe Gemeinde,

nun predige ich nach 2012 und 2016 zum dritten Mal in ihrer wunderschönen Kirche – und das Sprichwort bestätigt sich: aller guten Dinge sind drei!

Das Problem beim dritten Mal: ich darf mich nicht wiederholen. Deshalb habe ich nachgeschaut, was ich schon gesagt habe.

So bat ich z.B. am am Ende meiner Predigt 2016:  Ich erwarte eine Einladung! Das hat schon mal gut geklappt. Der damalige Predigttext bezog sich auf das Psalmwort: „Alle eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“ Dieses Bibelwort haben sie mit ihrem Mut zur Orgel bestätigt. Es war schon tollkühn, vor 16 Jahren dieses Vorhaben zu starten. Besser gesagt: es war Gottvertrauen.

Ich habe kürzlich den schönen Satz gehört: „Erzähle nicht Gott, wie groß deine Sorgen sind, sondern deinen Sorgen, wie groß Gott ist.“ Man könnte auch sagen: Erzähle nicht Gott, wie klein deine Zuversicht ist, sondern deiner kleinen Zuversicht, wie groß Gott ist.

2016 lobte ich ihre Zuversicht, als ich sagte: Sie haben lange vor einer bekannten Pfarrerstochter gesagt: „wir schaffen das“. Entscheidend war jedoch der Zusatz: „wir schaffen das – mit Gottes Hilfe!“

Es geht nicht ohne Gottes Hilfe – aber auch nicht ohne unser Zutun. Wer meint, sagen zu können: Hier, lieber Gott, ist das Problem: Mach mal! Der wird feststellen: so läuft das nicht. Nein. Wir sollen allein deshalb unsere Sorge auf ihn werfen, damit wir unsere Hände frei haben, selbst mit anzupacken. Wenn wir Gott im Boot haben, lähmen uns nicht die Sorgen, ob wir es schaffen. Sondern jeder sagt: wir schaffen das. Mit Gottes Hilfe. Und sie haben es geschafft – mit Gottes Hilfe. Dazu große Gratulation von hier oben und von allerhöchster Stelle. Damit meine ich vorerst nicht die Landesbischöfin. Sondern die allerhöchste Stelle.

Zum Lobe Gottes ist das Beste gerade gut genug. Vorhin haben wir mit Worten des 98. Psalms gebetet: Jauchzet dem Herrn, alle Welt! Singet, rühmet und lobet!  Die Orgel ist dafür das beste, schönste, klangvollste Instrument. Hat Gott unser Lob nötig? Eigentlich nicht. Aber er freut sich. So wie Eltern sich über Kinder freuen, die auf ihre ganz eigene Art zeigen: wir wissen eure Liebe zu schätzen.

Auch von zweithöchster Stelle darf ich herzlich grüßen, gratulieren und Segenswünsche  übermitteln. Unsere Landesbischöfin wäre gerne heute hier gewesen. Aber wie das so ist mit großen Projekten. Sie brauchen manchmal ihre Zeit.  Nun freut sie sich aus der Ferne und hat mir diese Grüße aufgetragen.

Wir haben bei der Orgelwidmung vorhin Worte des Kolosserbriefs gehört: „Mit Psalmen, Lobsingen und geistlichen Liedern singt dankbar in euren Herzen.“

Die Orgel hilft uns ja Gott sei Dank beim Singen und Loben. Sie wissen, wie es ist ohne Orgel. Heute fällt das Loben leicht. Ein herrlicher Tag, ein wundervoller Anlass, eine volle Kirche, ein kräftiger Gesang.  Und wie wird dies nächste Woche sein? Auch wenn dann der Lobgesang wieder etwas dünner ist: Gott ist kein Musikkritiker, sondern ein liebender Vater, der den guten Willen und nicht die Perfektion ansieht – außer bei den Organisten! Und da gibt es ja bei Ihnen keine Fragen. Gott liebt auch falsche Töne, wenn sie nur aus vollem Herzen kommen. Also keine Hemmungen! Lobt Gott!

Wer übrigens das Danken als lästige Pflicht ansieht, täuscht sich. Wir haben selbst etwas davon. Denn wer nicht weiß, wofür er danken kann und vergessen hat, wem er danken kann, dreht sich um sich selbst. Wer dagegen weiß, bei wem er sich bedanken kann, der weiß auch, bei wem man bitten kann. Es tut uns gut, wenn wir das Gute und den Segen sehen, den wir täglich erfahren. Ich kann rosarote Brille nicht leiden und will Probleme nicht kleinreden. Aber es bleibt dabei: es verändert sich meine Weltanschauung, wenn ich öfter danach frage, wofür ich danken kann.

Mich begleitet mein Leben lang die Glaubensgewissheit eines Freundes aus Studientagen. Klaus war Spastiker. Er sagte mir, wie bitter es oft für ihn ist, so oft ausgeschlossen zu sein, selbstverständliche Dinge nicht zu können. Doch er hatte einen Trick: jeden Morgen zählte er in Gedanken auf, was er alles tun kann. Da kamen so viele Möglichkeiten zusammen, dass er die paar Dinge, die er nicht konnte, zu verschmerzen waren.

Er sagte dazu: ein bisschen Spaß mus sein…“.

Wir sind keine Jammer-Ossis, sondern Jubel-Christen. Wir tun uns selbst etwas Gutes, wenn wir Gott loben und danken. Die Orgel macht es uns vor. Sie jubiliert kraftvoll und fröhlich – und kann uns genauso auf zarte Weise berühren.

Vor 7 Jahren war ich das erste mal hier. Damals – sie erinnern sich selbstverständlich Alle-habe ich die Orgel als Predigerin vorgestellt. Manchmal ist es ja so, dass die Orgel die bessere Predigerin ist.

Was predigt die Orgel? Zuerst: die Orgel mit ihrem Prospekt ist schön anzusehen. So wie Gott in seiner Schöpfung herrlich anzusehen ist. Man muss natürlich hinschauen und darf sich dann von Herzen freuen. Doch das Wichtigste bei einer Orgel ist verborgen. Ein Großteil des Werkes ist nicht sichtbar. Die Orgel braucht Pfeifen. Viele Pfeifen. Ohne uns große und kleine Pfeifen gibt es keine Musik.

Und dann kommt das Entscheidende: Eine Orgel braucht Wind: In meiner ersten Pfarrstelle habe ich folgendes erlebt: Meine Predigt, so fand jedenfalls ich, war aufrüttelnd, lebendig, erfrischend. Doch beim Predigtlied – was war das? Die Orgel wurde immer leiser. Zum Schluss hörte man nur noch das Klappern der Tasten. Der Balgtreter war eingeschlafen.

Ohne Wind kein Ton. Da können wir die tollste Orgel und die beste Organistin haben und die schönsten Bach-Noten: ohne Wind kein Ton. Im hebräischen wird der Geist Gottes mit „Ruach Jahwe“ – mit Wind Gottes beschrieben. Wir haben vor kurzem Pfingsten gefeiert. Ohne Gottes Geist kein Ton. So ist das -wie bei der Orgel- auch bei uns. Das Prospekt kann noch so glänzen. Die Organistin noch so gut sein. Die Noten als Masterplan vorliegen. Die Pfeifen glänzen: Ohne Gottes Geist – Klappernde Tasten – peinliche Stille.  

Heute spüren wir den Geist Gottes – das Fest stimmt uns froh – sie haben es geschafft - ein großartiges Ziel ist mit Gottes Hilfe erreicht.  Aber wir kennen ja auch die andere Seite. So richtig fröhlich und mit vollem Werk spielt die Kirche in unseren Landen eben gerade nicht. Die Gemeindemitglieder werden weniger. Die Kirchen bleiben leer. Es fehlt der Schwung. Die Überzeugung. Die Begeisterung.

Der Geist Gottes weht, wo er will. Die Kirche und Christenheit wächst weltweit. Nur hier, wo vor 500 Jahren der Geist Gottes besonders kräftig und schön geblasen hat, klappern die Tasten. Das ist für uns nicht schön. Aber es muss uns auch nicht resignieren lassen. Mag sein, dass z.Z. göttliche Windstille im deutschen Blasebalg herrscht. Doch das kann sich auch wieder ganz fix ändern.

Und noch eines: wir können den Geist Gottes nicht selbst erzeugen. Wir können allein darum bitten und uns an dann besonders freuen, wenn er für uns spürbar ist. Vielleicht so wie heute. Es genügt dafür manchmal nur ein kleiner Windhauch.

Darum dürfen wir Gott bitten: um seinen Geist, der die Segel unserer Kirche, unserer Gemeinde und unsere eigenen Segel bläht. Denn es sage keiner, dass in seinem Glaubensleben nicht auch öfter Windstille herrscht. Wenn der Mut klein, der Eifer schwach, der Trost nicht spürbar ist. Wir können nicht selber in unsere Segel blasen. Aber wir können sie in der Hoffnung setzen, dass der Geisteswind Gottes uns in Bewegung bringt.

Liebe Gemeinde, drei Gedanken waren mir am heuten Tag wichtig:

  1. Wir schaffen das. Mit Gottes Hilfe. Wer sich auf Gottes Hilfe verlässt, kann Erstaunliches erreichen.
  2. Jauchzet dem Herrn alle Welt! Singt rühmet und lobet! Gott, unser Vater erfreut sich an unserem Gotteslob. Gut, dass uns die Orgel dabei hilft!
  3. Der Geist Gottes weht, wo er will. Er gibt unserer Kirche, unserer Gemeinde, jedem von uns die Luft, die wir zum Leben brauchen.

Darum wollen wir ihn bitten. Amen

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