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12.01.2020

Predigt zu Mt 3, 13-17 am 12.01.2020 in Oldisleben (Reinhard Süpke)

Matthäus im 3. Kapitel

13 Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe. 14 Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? 15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt zu! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er's ihm zu.

16 Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. 17 Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. / Ehre sei Dir HERR!

Liebe Gemeinde,

seit meiner Kindheit geht mir ein Lied durch den Kopf:

„Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, / sing nicht ihre Lieder.
Geh doch in die Oberstadt, / machs wie deine Brüder!“

Zunächst hört sich das Lied lustig an. Die besorgten Eltern wollen nur das Beste für ihren Sohn. Darum soll er nicht mit den „Schmuddelkindern“ spielen.

Aber der Junge schlich sich immer wieder heimlich raus. Er traf sich mit den „Schmuddelkindern“ im Kaninchenstall. Weil er aber beim Abendbrot den Geruch des Kaninchenstalls verbreitete, kam es immer wieder raus.

Der Junge wird dann in der Oberstadt in eine ordentliche Schule gesteckt, wird sozusagen „dressiert“.

Seine „Schmuddelkinder“ – Freunde lachen ihn dafür aus. Jetzt weiß er sich nirgends zu Hause und beschließt sich zu rächen: „Aus Rache ist er reich geworden. In der Oberstadt hat er sich ein Haus gebaut.“

Als alter Mann scheitert er ganz furchtbar.

Keine Angst, mir geht es nicht um Erziehungsfragen. Sondern mir ist deutlich geworden:

JESUS kommt zu all den „Schmuddelkindern“ dieser Welt. Auch zu denen, die sich für was Besseres halten. JESUS kommt zu uns allen und schämt sich nicht für uns. Obwohl ER allen Grund dazu hätte.

JESUS spielt nicht nur mit den „Schmuddelkindern“ dieser Welt. Er sitzt mit ihnen zusammen am Tisch. Er isst mit ihnen, lacht und feiert mit ihnen. Er hält es unter ihnen aus, wenn sie Lieder singen oder Witze machen auf Kosten anderer. ER setzt sich nicht nur mit den „Schmuddelkindern“ an einen Tisch. ER sitzt sogar zwischen den Stühlen, wenn ein „Schmuddelkind“ das andere mobbt und fertigmacht.

ER sitzt zwischen den Stühlen, wenn Polzisten auf Chaoten stoßen. ER kam zu beiden Seiten.

ER sitzt zwischen den Stühlen, wenn dann die eine Seite der anderen wie auch immer die Schuld in die Schuhe schiebt… und wiederum Leute sich aufregen, wie es so weit kommen konnte…

JESUS ist der Einzige, der kein „Schmuddelkind“ ist. Sein Vater blickt noch tiefer in unsere Herzen und sieht: „Schmuddelkinder“ – das ist noch viel zu harmlos, um den Zustand der Menschheit zu beschreiben.

Aber GOTT sagt nicht zu seinem Sohn: „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, / sing nicht ihre Lieder.
Geh doch in die Oberstadt, / machs wie deine Brüder!“

Sondern ER sagt zu IHM: „Geh zu ihnen!“

Und so geht JESUS an den Jordan. Dort kommen jede Menge Menschen zusammen, die wissen, dass sie „Schmuddelkinder“ in GOTTES Augen sind. Ein rauer Prediger namens Johannes sagt ihnen das in aller Deutlichkeit, was sie von GOTT trennt. Warum diese „Schmuddelkinder“ den Schmutz von ihrer Seele waschen lassen müssen. Und obwohl dieser Prediger so unbequem ist, kommen sehr, sehr viele Leute zu diesem Johannes und lassen sich im Jordan taufen. Sie bekennen, was ihre Seele beschmutzt hat. Sie bekenne, was sie ihrem Nächsten gegenüber falsch gemacht haben. Sie bekennen, was sie alles an Geboten übertreten haben.

Und Johannes tauft sie alle, die dafür bereit waren. Alle, die merkten: „Das habe ich nötig! Ich möchte rein werden vor GOTT. Ich will nicht mehr eins der „Schmuddelkinder“ sein. Ich will eins seiner geliebten Kinder sein!“

Was wird Johannes alles gehört haben als Bekenntnis? Manchmal verschlägt es einem die Sprache, wenn man erfährt, was unter der Decke der Anständigkeit alles geschieht. Da denkt man: „Das ist doch eine tolle Familie, gläubig, anständig! Die wissen, wie´s geht!“

Und auf einmal sieht man die Abgründe in den wohlanständigen Seelen. Aber auch die Abgründe in den Seelen derer, die von „Freiheit“ redeten. Aber sie haben die Freiheit so gelebt, dass sie daran kaputtgegangen sind.

Da stockt einem der Atem!

Johannes dem Täufer stockt auch der Atem. Aber aus anderem Grund. Auf einmal steht JESUS vor ihm. ER will sich auch taufen lassen. Johannes war ein Prophet. Er wusste durch GOTTES Geist, wer JESUS ist. Er wusste auch, dass JESUS keine Taufe, kein Sündenbekenntnis braucht!

„Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?“

Ausgerechnet der gerechte Johannes, der viele auf den Weg der Gerechtigkeit ruft, sagt: „Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde…“

Johannes wusste, dass er in GOTTES Augen auch auf der Seite der „Schmuddelkinder“. Dass er auch nicht vollkommen ist. Aber JESUS ist es! „Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?“

Warum lässt JESUS sich auch taufen? ER hatte es nun wirklich nicht nötig…

„Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt zu! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er's ihm zu.“

JESUS wird nicht nur ein Mensch wie wir mit Haut und Haaren, mit allen Gefühlen, mit allen Freuden und Mühen des Lebens. ER wird auch eins der „Schmuddelkinder“.

So, wie ER im Jordan untertaucht, so taucht er in der Masse der eins der „Schmuddelkinder“ unter. ER lässt es zu, dass er verwechselt wird mit ihnen. ER lässt es zu, dass er verspottet wird als eins der „Schmuddelkinder“ – als „Fresser und Weinsäufer, Freund der Halsabschneider und Sünder…“ Sogar als vom Teufel besessen hat man ihn verschrien.

ER wurde nie zu einem der „Schmuddelkinder“. Weil ER nie etwas tat, was IHN von GOTT, seinem Vater trennte. Aber sein Vater hat zu IHM gesagt: „Geh zu den „Schmuddelkindern“. Sing ihnen das Lied meiner Liebe und Gerechtigkeit vor.

Das Lied der Liebe: GOTT hat noch immer ein Herz für seine „Schmuddelkinder“. ER sehnt sich nach uns! Obwohl wir IHN verlassen hatten.

Das Lied der Gerechtigkeit: GOTT kann nur Gerechte annehmen. Weil aber keiner aus eigenen Kräften gerecht wird, gibt es nur diesen Ausweg:

JESUS taucht in der Menge der „Schmuddelkinder“ ein. ER nimmt ihre Sünden auf sich. Er bringt sie schließlich ans Kreuz. Dort stirbt ER wie ein Verbrecher. Der Schmutz aller „Schmuddelkinder“ der Welt liegt auf IHM. Und dieser Schmutz wird mit JESUS begraben – und bleibt im Grab, als JESUS aufersteht.

Statt eins der „Schmuddelkinder“ sind wir nun GOTTES geliebte Kinder.

Wenn wir das Liede der Gerechtigkeit und der Liebe Gottes richtig auf uns wirken lassen, dann entdecken wir: Es ist ein und dasselbe Lied.

Wenn wir es ernst nehmen, dann entdecken sehen wir die andern „Schmuddelkinder“ als Menschen, die genauso geliebt sind, wie wir. Und JESUS sitzt mitten zwischen uns. Und ER schämt sich nicht für uns. ER ist ganz tief mit uns „Schmuddelkindern“ verbunden. In der Taufe wird das besiegelt.

Was passiert nach der Taufe von JESUS?

16 Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. 17 Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

Wie gesagt: In der Taufe ist unsere Beziehung zu GOTT, unserem Vater besiegelt. Was ER über JESUS aussprach, gilt für jeden von uns: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

Wer sich als noch so großes „Schmuddelkind“ nahe zu JESUS stellt, der ist eine geliebte Tochter GOTTES, ein geliebter Sohn. Über uns geht der Himmel auf. In unsere Herzen zeiht der Geist GOTTES ein.

Jetzt kommt es für uns darauf an, die Nähe JESU festzuhalten. An IHM dran bleiben.

Allerdings wissen wir alle, dass wir diese Nähe nicht immer so leben.

Manchmal geht es uns so wie in einem Lied, das ich als Konfirmand mal gelernt habe:

„O HERR, wir rufen alle zu dir, sieh unsre Not und hilf uns.

O HERR, wir rufen alle zu Dir: Sieh die Not und rette uns!

Ich bin voll Unrast fern von Dir, o, mein GOTT!

Und Deine Stimme schweigt in mir.  O, mein GOTT.

Es fällt mir schwer, vor Dir zu stehn, o, mein GOTT.

Doch lass mich nicht verloren gehen, ob mein GOTT“

(Melodie: „Nobody knows the trouble I´ve seen…“)

Was dann, wenn wir nicht mehr Kraft haben zu beten, zu GOTT zu rufen, seiner Liebe zu vertrauen?

Ich habe eine interessante Geschichte gelesen. Ein Mann namens Tyson Steele hat in Alaska 20 Tage unter Minusgraden überlebt. Seine Blockhütte war abgebrannt. Das Telefon war kaputt. Er hatte noch ein paar Sachen zum Anziehen, auch Mäntel. Aber zur nächsten Hütte war es weit, es gab keine Straße dahin. Er hatte eine rettende Idee: In großen Buchstaben schrieb er in den Schnee: „SOS“. Ein Freund war besorgt und rief die an. Die haben dann vom Hubschrauber das SOS gesehen. So konnte Tyson Steele gerettet werden.

Wenn wir nicht mehr beten oder glauben können, dann können wir in die Kälte unserer Seele „SOS“ schreiben – und dieses „SOS“ GOTT hinhalten. Z.B. auch mit den Worten der Jahreslosung. Die ist auch ein Hilfeschrei der Seele:

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ Amen

 

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