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14.06.2019

Predigt zu Mt 16,13-19 am 10.06.2019 in Jechaburg und Thalebra (Karl Weber)

„Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“
So hieß ein Bucherfolg des Philosophen
Richard David Precht vor einigen Jahren.
Vielleich haben Sie es gelesen.
„Wer bin ich?“, liebe Gemeinde,
ich stelle mir diese große Frage manchmal.

„Wer bin ich?“
Tja, wenn ich das so genau wüsste.

Eines ist klar: Ich weiß für mich wer ich bin –

hoffe ich zumindest –

habe ein Bild von mir, sehe mich –

im Spiegel, in meinen Worten,
in dem was ich tue und nicht tue.

Ich sehe mich auch in anderen wie in einem
Spiegel.

Aber wenn ich es zusammenlege, merke ich: Das eine Bild von mir gibt es nicht. Die einen sagen so, die andern sagen so.

Ich bin nicht einfach ich.

Für mich bin ich ich, so wie ich sehe.

Meine Familie hat schon ein anderes Bild von mir.

Meine Freunde auch –

und Sie aus den Gemeinden haben Ihren eigenen
Eindruck, ihr eigenes Bild von mir.

Alles viele verschiedene Bilder.

Keines wird dem anderen gleich sein.

Manche sind sogar sehr verschieden.

Keines hat die ganze Wahrheit.

Jedes hat ein Stück.

Und wenn es gut geht,

dann geben die vielen verschiedenen Bilder

vielleicht am Ende eine gemeinsame Wahrheit.

Zusammengenommen. In der Summe.

 

Liebe Gemeinde, Sie kennen sicher diese Kaleidoskope.

Da sind lauter Schnipsel drin,

Perlen und Sternchen, Glitzer und Glassteinchen,

was auch immer, je nach Modell.

Die liegen da ganz durcheinander.

Ein Spiegel und eine Linse ergeben,
wenn man hineinschaut ein wunderschönes Bild.

Ein wunderschönes Bild, das sich verändert

je nachdem, wie ich das Kaleidoskop drehe und bewege.


Kaleidoskop – man hat das irgendwann erfunden,

und dann hat man ein Wort dazu gesucht – einen Namen.

Das hat sich jemand kluges aus dem Griechischen zusammengesucht.

Kaleidoskop:

Da steckt das Wort »kalos« drin. Das heißt: »Schön«.

Und das Wort »eidos«. Das heißt »Aussehen«.

Und zuletzt: »Skopeo«. Das bedeutet:

»Schauen und betrachten«.

Kaleidoskop – das heißt also:

Das Schön-Ausseh-Ding.


Liebe Gemeinde,
„Wer bin ich?“

Das fragt Jesus auch.

Er fragt seine Jüngerinnen und Jünger:

„Wer sagen die Leute, dass ich sei?“

Nun, die einen sagen so, die anderen so:

Einer sagt: Ein Prophet,

andere: Elia, Johannes der Täufer –

was die Leute halt so reden.

Jeder und jede sehen ein Stück von Jesus.

Nichts davon ist falsch.

Und nichts davon in ganz wahr.

Wahrheitsbruchstücke.

Das war bei Jesus nicht anders, als bei uns.

Jeder hat ein Bild von ihm.
Und jedes Bild ist war. Und gleichzeitig
doch nur ein Stück.

Alle wissen etwas,

aber niemand weiß das Ganze.

 

Wer bin ich?

Jetzt fragt Jesus seine Jünger direkt.

Direkt ins Angesicht.

Und Ihr?

„Wer sagt denn ihr, dass ich sei?

Da antwortete Simon Petrus und sprach:

Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“

Weiß es Jesus von sich selbst?

Will er die anderen testen?

Sucht er selbst nach der Wahrheit?

Sucht er vielleicht sein Spiegelbild in den anderen –

so, wie ich mein Spiegelbild in anderen Menschen suche –

und dann schaue ich:

Wo kann aus vielen Wahrheiten eine werden?


Da gibt Gott dem Petrus ein Kaleidoskop in die Hand.

Sein Kaleidoskop.

Petrus schaut hinein.

Er sieht die vielen Wahrheitsschnipsel –

was die Leute so sagen:

Johannes der Täufer, Jeremia, ein Prophet,

und heute würden die Leute sagen:

Ein Lehrer der Menschlichkeit,
ein Guru, mein Heiland,
irgend so ein Typ, schon lange tot…

da ein Mosaiksteinchen, dort ein Glitzerstück,

hier der Stern von Bethlehem, dort das Kreuz.

Vielleicht sieht Petrus am Ende sogar

den Stein vor dem offenen Grab.

Und dann weiß er es.

Dann sieht er das Ganze.

»Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!«

Einen Moment das Ganze sehen.

Ein wunderschönes Bild.
Gottes Sohn ganz.


Und Petrus ist selig für diesen Moment

Diesen Moment bekommt er von Gott
geschenkt:

„Selig bist du, Simon, Jonas Sohn;

denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart,

sondern mein Vater im Himmel.

Und ich sage dir auch: Du bist Petrus,

und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen,

und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“

Was für ein Moment.

Einmal das Ganze sehen.

Einmal die Wahrheit haben.

Das kommt nicht aus uns selbst.

Wir haben immer nur diese Wahrheitsschnipsel.

Und die verteidigen wir, koste es was es wolle.

Da reicht ein Blick in unsere Welt.
im Kleinen und im Großen:
Ein neuer Kampf ums Rechthaben,
um Ideologie und die Frage nach der Welt…


…dabei haben wir alle nur ein Steinchen,

ein Sternchen, ein Stück Glitzer.

Und ein Kreuz und ein leeres Grab

mit einem weggerollten Stein.

Selbst wir Christen.

Wie oft tun wir so als sei unsere Wahrheit
die einzige? Wie oft verabsolutieren wir
in Debatten über das Leben und das Glauben.
Tun so, als hätten wir alle Wahrheit.

Dabei hat die Wahrheit Gott allein.

 

Dem Petrus hat er die Wahrheit gezeigt.

Für einen winzigen Moment.

Hat ihn durch sein Kaleidoskop schauen lassen.

Und da hat er dieses wunderschöne Bild gesehen.

Gottes Bild vom Ganzen.

Von Jesus. Von uns. Von der Kirche.

„Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn.“

Das sagt Petrus auch zu uns.

Weil Gott es ihm gezeigt hat.

Darauf kommt es an.

Nehmt Eure vielen kleinen einzelnen Wahrheiten

und legt sie zusammen.

Und misstraut denen, die behaupten sie hätten Wahrheit.


Gott baut seine Gemeinde genau darauf:
In unserem Übereinander- und Zusammenlegen
unserer kleinen Wahrheitsschnipsel über Gott,
über die Kirche, über unser Leben.

Das ist Pfingsten:
Wenn wir dann durch Gottes Kaleidoskop schauen.
Und unsere kleinen Wahrheitsschnipsel ist seinem
Ganzen aufgehen. Wir sehen immer nur die Schnipsel,
das Zerteilte und Getrennte. Und wollen doch das Ganze sehen.

Und haben.

Mit Gott geht das.

„Wer bin ich?“

Ich bin einer, der an Jesus Christus glaubt,

„des lebendigen Gottes Sohn.“

Und Sie auch.

Und auch die anderen, die sich zu ihm bekennen.
Also, lieber Gott, lass es Pfingsten werden

Und schenke uns den richtigen Blick.

Den Blick weg von den Teilen und Schnipseln.

Den Blick auf das wunderschöne Ganze.

Gib uns Dein Kaleidoskop in die Hand und vor Augen.

Darauf wirst Du Deine Gemeinde bauen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, der halte unseren Verstand wach und unsere Hoffnung groß und unsere Liebe lebendig. Amen.

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