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17.02.2019

Predigt zu Koh 7,15-18 am 17.02.2019 in Sondershausen und Großfurra (Karl Weber)

Predigt über Prediger 7, 15-18

Liebe Gemeinde!
Wie lebst du gut?
Wie lebst du richtig?
Wie lebst du glücklich?

Eine Frage – in drei Variationen – die mitten hineinführt in die großen Fragen des Lebens.

Da geht es um Sinn. Um Liebe. Um Erfüllung von Plänen und Träumen. Da geht es um Lebensbewältigung.

Wie lebst du glücklich?

Heerscharen von Ratgebern gibt es zu dieser Frage. Christliche und esoterische. Fernöstliche und literarische.
Gute und schlechte.

Und dann werden Regeln aufgestellt. Gebote und Verbote. Ratschläge, wie Frau und Mann und Kind und Kegel zu einem glücklichen, erfüllten, verantwortungsvollen Leben kommen können. Diese Regeln wollen auf das Leben vorbereiten, wollen helfen das Leben zu bewältigen.

Du lernst wie man isst und trinkt.
Lernst sitzen und laufen.
Lernst, dass ein runder Klotz eben nicht ins eckige Loch passt – außer beim Fußball. Und dass der Hund wuff und die Katze miau macht.

Du lernst weiter.

Wenn du nicht aufisst, gibt es morgen schlechtes Wetter.
Wenn du in der Nase bohrst, bleibt der Finger drin stecken.
Wer zu viel fernsieht, bekommt eckige Augen.
Und wer Cola trinkt, bekommt dreckige Füße.

Kindheitssätze, die jeder in irgendeiner Weise kennt.
Alle diese Sätze haben einen Sinn: das Leben zu bewältigen und es gut zu verleben. Gesund. Glücklich. Erfüllt.
Schon als Kind lernen wir, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen dem, was du tust und dem, wie es dir ergeht.
Tun und Ergehen hängen zusammen. Angeblich.

Mit zunehmenden Alter, werden die Regeln und Gebote komplexer und langfristiger:

Iss nicht die verkohlte Bratwurst vom Grill, das macht Krebs. Iss am Besten gar kein Fleisch.
Treibe Sport, rauche und trinke nicht, dann lebst du länger.
Fahre Fahrrad und nicht ständig Auto. Und schon gar keinen Diesel. Was du willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.

Regeln, Gebote, Ratschläge die ständig auf uns einpreschen. Beim Arzt, in der Talkshow abends im Fernsehen, beim Streit mit dem Partner. In der Apothekenzeitschrift. Und die Regeln und Ratschläge haben alle einen Sinn: das Leben zu bewältigen und es gut zu bewältigen. Gesund, glücklich, erfüllt. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Tun und Ergehen. Angeblich.

Und anders als die Sache mit der Cola oder den eckigen Augen, haben die Erwachsenen-Regeln einen gewissen Sinngehalt. In aller Regel ist hier schon was dran. Der Weisheit letzter Schluss sind sie aber dennoch nicht.

Denn das Leben zeigt uns jeden Tag Momente, Mitmenschen, Situationen, in denen diese Lebensregeln nicht zu gelten scheinen. In denen es eben kein Zusammenhang zu geben scheint, zwischen unserem Tun und unserem Ergehen.

Ratlosigkeit. Wie lebst du richtig? Wie lebst du glücklich? Wie lebst du gut?

Da kann man schon seufzen. Das Leben lässt sich eben nicht in Regeln und Gebote pressen. Sie kommen dem Leben letztlich alle nicht bei.

Da kann man schon seufzen. Und sitzt mit Helmut Schmidt Frühstückstisch, mit Kaffee und Mentholzigarette. Und trotzdem wurde er 96.

Da kann man schon seufzen. Und sitzt mit Harald Juhnke und Keith Richards an der Bar. Und es steht bei jungen Leuten am Grab, die nie rauchten und keine verkohlte Bratwurst aßen und trotzdem weit vor ihrer Zeit starben.

Da kann man schon seufzen. Manche haben wenig und denen wird noch mehr genommen. Und andere haben viel und kriegen noch mehr oben drauf.

Und ich habe keine Ahnung, warum das so ist.  Und stehe da mit meinen Lebenregeln und komme nicht weiter. Schmiede Pläne und fasse Entschlüsse – alle gut gemeint – aber das Schicksal, oder Gott, oder wer auch immer macht mir einen Strich durch die Rechnung.

Das Seufzen beginnt. Und ist genauso alt wie die Menschheit. Manchmal hilft nur das Seufzen, um das Leben zu bewältigen. Oft bleibt nur das Seufzen, wenn alle Lebensregeln und Philosophien in sich zusammenstürzen.

Unser Predigttext kennt alle diese Fragen und Gedanken. Auch er seufzt über die ungerechten Wiederfahrnisse des Lebens. So lesen wir im Buch des Predigers im 7. Kapitel:

Dies alles hab ich gesehen in den Tagen meines eitlen Lebens:  Da ist ein Gerechter, der geht zugrunde in seiner Gerechtigkeit, und da ist ein Gottloser, der lebt lange in seiner Bosheit. (Prediger 7,15f.)

Der Prediger beobachtet die Welt sehr genau. 
Wie die einen sich abmühen und wie all ihre Rechnungen nicht aufgehen. Und wie die Gedankenlosen und Bösen glücklich ihre Tage verleben.
Wahrscheinlich hat man ihm als kleines Kind auch solche Sätze beigebracht, wie:
„Wenn du brav bist, wird es dir gut gehen.“
Aber so war es in seinem Leben nicht gekommen. 


Wir alle kenne dieses Dilemma, oder können es doch wenigstens nach-fühlen. Der Moment in dem alle deine Pläne und Berechnungen und Bemühungen zunichte werden.

Und weil wir in der Kirche sitzen, stellt sich dann auch die Frage nach Gott.

Warum lässt er das zu?
Gott ist schuld, rufen manche.
Weil es ihn gar nicht gibt,
sonst gäbe es ja auch das Leiden nicht.
Und das Unrecht. Und den Kummer und die schlaflosen Nächte, gerade bei denen, die es so viel besser verdienten.
Ungerecht ist das. Ungerecht ist Gott.

Darum ist er nicht Gott. Er kann nach Hause gehen.

Wir alle kennen diese Momente, die gottverlassenen Situationen in unserem Leben. Oder können sie wenigstens nach-fühlen.

Die Antwort unseres Glaubens ist eine andere. Unser Glaube setzt dem Unrecht und dem Leid in dieser Welt, die Hoffnung entgegen. Ja, stellt uns Gott als den vor, dessen Pläne selbst zunichte gehen, der mitleidet und mitfühlt. Und gerade deshalb Kraft hat, wenn uns die Kräfte ausgehen.
Unser Glaube erzählt von einem Gott, gescheitert am Kreuz. Begraben hinter Golgatha. Sein Körper eine einzige Wunde.
Der Glaube setzt dem Leid Vertrauen entgegen. Nicht das Vertrauen, dass alles doch einen Sinn hat, sondern das Vertrauen auf einen, der für mich da ist.
Meine Zeit steht in deinen Händen, Gott.
Du bist meine Stärke, Gott, und deshalb wirst du meinen Fuß aus dem Netz ziehen, dass mir das Leben gestellt hat.
Herr, auf dich traue dich, auf die hoffe ich, lass mich nicht zuschanden gehen.

In dieses Vertrauen hinein taufen wir heute zwei Erwachsene. Die in ihrem Leben all das erlebt haben:
Gutes, wo es leicht ist, den Sinn des Lebens zu erkennen.
Und sicher auch Schlechtes, Schweres, wo man zweifelt. Wir taufen heute zwei Erwachsene, die den großen und kleinen Fragen ihres Lebens das Vertrauen in Gott entgegen stellen wollen.

Unser Glaube bewahrt uns nicht vor schweren Stunden. Aber er kann helfen, sie zu ertragen, zu durchleben und am Ende neu Kraft zu gewinnen. Unser Glaube ist keine Wunderpille gegen die Widerfahrnisse des Lebens. Aber er kann Kompass sein, wenn wir die Orientierung längst verloren haben.

Der Prediger im Alten Testament, weiß das auch.
Er seufzt über die Netze, die uns das Leben stellt.
Und gerade deshalb läuft er an Gottes Hand.

Er seufzt über die offenen Fragen.
Und über die Vermutung, dass da noch mehr kommen kann
im Lauf des Jahre
Er seufzt, weil er weiß:
Es dauert noch, bis Ostern wird.
Eier suchen, alle finden.
Geheimnisse lüften. 
Aber das dauert alles so lange.
Das zu verstehen.
Wir werden erst viel später verstehen.
und bis dahin schreibt der Prediger weiter:


Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise, damit du dich nicht zugrunde richtest. Sei nicht allzu gottlos und sei kein Tor, damit du nicht stirbst vor deiner Zeit. Es ist gut, wenn du dich an das eine hältst und auch jenes nicht aus der Hand lässt; denn wer Gott fürchtet, der entgeht dem allen.


Nur nicht so viel. Nur in Maßen von allem.
Der Prediger singt ein Loblied auf die Mitte.
Und stellt eine Lebensregel auf: Suche nach der Mitte.
Vielleicht fühlt sie sich manchmal an wie Mittelmäßigkeit.
Suche nach der Mitte und meide die Extreme. Was für eine Regel für unsere Tage.
Und: geh mit Gott an der Hand durchs Leben, mit Gott an der Hand auf die Suche nach dem guten Leben.
„Sing, bet und geh auf Gottes Wegen. Verricht das deine nur getreu und trau des Himmels reichen Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.“ (EG 369,7)

Wie lebst du gut? Richtig? Glücklich?
Ich weiß es auch nicht.
Aber ich ahne und hoffe und bete darum, dass Gott es weiß und mich und dich – uns alle – an seine starke Hand nimmt.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der halte unseren Verstand wach und unsere Hoffnung groß und unsere Liebe lebendig. Amen. 

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