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28.04.2019

Predigt zu Joh 20,24-29 am 28.04.2019 in Bad Frankenhausen (Nadine Greifenstein)

Der Mut zum Zweifel

Gnade sein mit euch und Friede von dem, der da war, der da ist und der da kommt! Amen.

Lieber Thomas,

ich habe deine Geschichte gehört. Die Menschen erzählen von dir. Sie erzählen deine Geschichte. Oft nennen sie dich dabei den Ungläubigen, den ungläubigen Thomas. Sie erzählen deine Geschichte, weil sie damit etwas anfangen können, weil sie sich wiederfinden, in dem, was du erlebt hast. Mir geht es auch so.

Ich glaube dir, dass du nicht einfach so glauben kannst. Ich verstehe, dass du mit eigenen Augen sehen willst und mit den eigenen Händen fühlen, mit dem eigenen Herzen spüren willst, bevor du glauben kannst. Bevor du wieder glauben kannst.

Ich verstehe, dass du den Worten der anderen nicht einfach so vertraust. Du willst dich selbst vergewissern, willst das Unbegreifliche begreifen, bevor du den Sieg des Lebens glauben kannst. Bevor du wieder glauben kannst.

Thomas, auch mir fällt es schwer zu glauben ohne zu schauen. Ich kann es schwer fassen, dass ein Gestorbener nicht im Tod geblieben ist, sondern durch ihn hindurch und heraus kaum zum Leben. Ich Worten kann ich das sagen, was auch die anderen sagen, aber es mit allen meinen Sinnen zu begreifen und im Herzen zu sehen, das fällt mir schwer, das fällt mir schwer es zu glauben.

Manchmal zweifle ich. Und du zweifelst auch. Und ich bewundere deinen Mut, deinen Zweifel nicht zu verstecken. Ich bewundere die Nähe, in die du dich zum Gestorbenen und Auferstandenen traust, damit du glauben kannst, damit du wieder glauben kannst.

Ungläubig. Thomas, bist du ungläubig? Gehört nicht das Zweifeln zum Glauben so wie die Nacht zum Tag gehört?

Liebe Gemeinde,

wie geht es Ihnen mit der Geschichte, die uns das Evangelium, die sich die Menschen von Thomas erzählen? Können Sie etwas damit anfangen?

Glaube und Zweifel gehen in Thomas´ Geschichte Hand in Hand, als er dem Auferstandenen begegnet.

Und eines, das beeindruckt mich an ihm sehr: Er unternimmt nicht den geringsten Versuch seine Glaubenszweifel zu maskieren. Er versucht nicht den Vertrauensvollen zu mimen. Als die Jünger ihm sagen: „Wir haben den Herrn gesehen!“ Da platzt es förmlich aus ihm heraus; er sagt, was manch anderer vielleicht denkt und wofür sich andere vielleicht schämen würden. Er sagt: „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite, dann kann ich's nicht glauben.“ Peng. In diesem Moment scheint ihm der Stempel des Zweiflers aufgedrückt. In meinen Augen: der Stempel des mutigen Zweiflers.

Sogar der Auferstandene selbst sagt zu ihm: „sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“

Der Auferstandene sagt das allerdings erst zu ihm, nachdem er ihn auch dazu aufgefordert hat, seine Nägelmale und seine Seite zu berühren.

Hier wird klar: Jesus, der Christus, der Auferstandene versteht, dass Thomas das Unbegreifliche begreifen muss, um glauben zu können. Thomas geht es genauso wie den Frauen, die am Ostermorgen den Stein weggerollt sehen müssen. Es geht ihm genauso wie Maria Magdalena, die im leeren, verlassenen Grab stehen muss, um auch nur im Ansatz begreifen zu können, was da geschehen ist, was wir Auferstehung nennen.

Thomas berührt, begreift den Auferstandenen an seinen Todesmalen und nennt ihn dann: „Mein Herr und mein Gott!“ Er drückt seinen wiedergewonnenen Glauben aus. Doch gleich darauf kommt der Dämpfer von Jesus Christus selbst: „Thomas, weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“

Ja, selig sind die und glücklich sind die, die ihre Zweifel nicht so plagen, dass sie alles in Frage stellen. Dass sie abfallen, von allem, was ihnen auch noch im Schlimmsten Halt geben konnte. Selig sind die und glücklich sind die, deren Glaube nicht ins Wanken gerät wie ein Schifflein im Sturm, auf dem sie drohen abzusaufen und nicht wissen, wo Land ist.

Wie geht es Ihnen mit Ihrem Glauben? Wann sind Sie ein Thomas und wann sind Sie ein seliger, ein glücklicher Mensch, fest im Glauben?

Immerhin –  und meine Bewunderung für Thomas an dieser Stelle ist ungebrochen – immerhin nimmt Thomas seine Zweifel war! Und er nimmt sie ernst. Er lässt sie zu. Er verbietet seinen Zweifeln nicht den Mund. Ist das nicht gerade die Weite seines Glaubens – im Zweifel wieder Stärke zu bekommen? Er fordert vom Auferstandenen geradezu: zeig dich doch in meiner Welt! Komm aus deiner Wirklichkeit zu mir! Lass dich sehen! Lass dich begreifen!

Ich finde Thomas an dieser Stelle ganz stark. Damit kann ich etwas anfangen. Mit dem Wunsch, dass Gott sich in meiner Welt zeigt und dass ich ihn sehen kann. Dafür will ich gerne die Augen offenhalten, will mich überraschen, manchmal vielleicht überwältigen lassen, manchmal mich vielleicht kleingläubig nennen lassen. Ich brauche solche Momente, in denen ich im Nachhinein manchmal denke: Moment mal, war das nicht …  eben … irgendwie …

Und dann denke ich und fühle ich wieder ganz bewusst: Ja, Gott ist da. Er ist in meinem Leben. In solchen Momenten kann ich mit der Geschichte von Thomas besonders viel anfangen. Vielleicht war ich schon manchmal ein Thomas. Vielleicht war das zu Zeiten jede und jeder von uns schon einmal. Aber zu Thomas gehört ja nicht nur der Zweifel, sondern eben auch der Glaube. Der Glaube, der gerade im Zweifel mutig ist und wieder zu neuer Stärke kommt.

Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus, dem Christus. Amen.

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