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10.06.2019

Predigt zu Act 2,1-21 am 09.06.2019 in Bad Frankenhausen (Nadine Greifenstein)

Apg 2,1-21 / Pfingsten: Energiesignaturen

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da war, der da ist und der da kommt. Amen.

Liebe Gemeinde,

sind Sie in der Lage Energiesignaturen aufzuspüren und zu lesen? Keine Ahnung? Vielleicht? Na, mal sehen.

Die Besatzung des Raumschiffes Enterprise kann das! In fast jeder Folge der Serie kommt es zu einer Situation, in der die Sensoren des Raumschiffes in der Unendlichkeit Energiesignaturen melden. Es sind Spuren, die ein anderes Schiff beim Kreuzen der unendlichen Weiten hinterlassen hat.

Manche der Spuren sind recht jung und kräftig, andere schon sehr alt und flüchtig. Zum Teil sind sie kaum noch wahrnehmbar aber eben doch noch da. Aus dem Aufspüren und Lesen der Signatur ergeben sich dann Nachforschungen. Es gibt Fragen und Antworten und meist eine spannende Geschichte, die den Weg des unbekannten Schiffes erzählt. Selbst dann, wenn das Schiff nur zarte Spuren hinterlassen hat, die nicht wirklich greifbar sind.

Die Besatzung ihrerseits ist angetrieben vom Entdeckerdrang. Aber auch Vorsicht und Verantwortung, auch alte Erfahrungen, zum Teil belastende Erfahrungen trägt die Besatzung mit in jeden neuen Abschnitt ihrer Mission: Energiesignaturen aufspüren, Unbekanntem begegnen.

In der Lesung aus der Apostelgeschichte für heute haben wir gehört: die Jüngerinnen und Jünger waren im Haus, waren hinter den Mauern eines Gebäudes, mitten in einer Stadt. Und um sie und das Haus herum wurde in der ganzen Stadt ein Fest gefeiert. Ein bedeutendes Fest: Ein Fest der Freiheit. Ein Fest der Befreiung des Volkes. Ein Fest der Begegnung mit Gott. Auf dem Weg des Volkes, das aus Ägypten in die Freiheit geht, begegnet Gott den Menschen am Sinai. Gott nimmt Kontakt auf mit den Menschen und gibt ihnen auf ihrem neuen Weg etwas mit: die Thora, die Weisungen, die fünf Bücher Mose.

Das alles feiern die Menschen in der Stadt, als die Jüngerinnen und Jünger hinter geschlossenen Türen beieinander sind. Dort waren sie versammelt: diejenigen, die Karfreitag und Ostern und Himmelfahrt erlebt hatten.

Menschen, die seitdem das alles passiert war, einen riesigen Rucksack verstörender Erlebnisse mit sich tragen.

Menschen, die vielleicht manchmal an ihrem eigenen Verstand zweifeln, bei allem, was sie mit Jesus erlebt haben.

Menschen, die sich vielleicht an vielen Tagen ins Schweigen zurückziehen, statt zu erzählen, was sie erlebt haben. Sie schweigen vielleicht, damit sie nicht wieder ausgelacht werden, als Spinner abgetan werden. Sie schweigen, damit ihnen der Mut nicht sinkt und ihnen wieder schmerzlich klar wird, das Jesus, ihr Lehrer, nicht mehr greifbar neben ihnen geht. Ungreifbar ist er ihnen nah und genau das ist für viele von ihnen eben noch immer nicht zu begreifen. Bis heute ist das für Menschen in mancher Lebenslage nicht zu begreifen, dass er bei uns ist alle Tage bis ans Ende der Welt - bis zu seinem Tag. Sie schwiegen an gegen den eigenen Schmerz, gegen die eigenen Zweifel, gegen die eigenen Verletzungen.

Dort im Haus erlebten die Jüngerinnen und Jünger, die Menschen nach Karfreitag, nach Ostern, nach Himmelfahrt wiederum Unvorstellbares. Sie werden Zeugen und Zeuginnen eines irren Ereignisses: Ein alles erfüllendes Rauschen wird beschreiben; ein Brausen im ganzen Gebäude; zügelnde Flammen, die erscheinen und über sie kommen; ein kräftiger Wind, der nicht nur das Haus, sondern auch die Menschen im Haus durchfährt. Es ist ein Kraftwind, ein Sturm an Energie, der nicht über sie hinweg, nicht an ihnen vorbei, sondern mitten in sie hineinfegt und deutliche Spuren hinterlässt: Geistspuren. Gottesspuren. Energiesignaturen.

Und mit den Jüngerinnen und Jüngern passiert erstaunliches: sie machen die Türen auf, kommen heraus aus den Mauern und lassen der Energie freien Lauf. Sie bekommen selbst einen Energieschub, kommen ins Erzählen. Es bricht aus ihnen heraus. Vieles, was sich angestaut hat, wofür ihnen die Worte fehlten, vieles, was für sie unsagbar war und für andere unverständlich, bricht aus ihnen heraus. Das, was wir die frohe Botschaft nennen, kommt ins Wort. Und es ist angetrieben von unheimlicher Energie, von Lebenskraft und Gottesgeist.

Wortlosigkeit und Mutlosigkeit haben ein Ende. Der Erlebnisrucksack der Jüngerinnen und Jünger drückt nicht mehr auf den Schultern und auf der Seele, sondern verwandelt sich in wertvolles Gepäck, aus dem die frohe Botschaft hervorquillt. Diese Menschen reden über das, was sie mit Jesus, mit Gott erlebt haben. Sie reden darüber, was ihnen das bedeutet und was es für die ganze Welt bedeutet. Und sie reden darüber in so vielfältigen Sprachen, das für jeden eine Sprache dabei ist, die an die Ohren und ins Herz dringt. Die Menschen verstehen einander.

Der Ausbruch der Jüngerinnen und Jünger aus der Sprachlosigkeit ist der Einbruch des verkündeten Evangeliums ins Leben anderer Menschen. Deshalb nennen viele Menschen Pfingsten auch den Geburtstag der Kirche, den Geburtstag der Gemeinde Jesu Christi, die vom Geist geleitet wird und die frohe Botschaft verkündet.

Das ist die eine Gemeinde Jesu Christi, in der bis heute Energiesignaturen, Gottesspuren vorhanden sind. Manche Spuren sind jung und kräftig, andere sehr alt und flüchtig, aber doch eben immer noch da.

Ich ermutige Sie: Machen Sie sich als Kirche, als Gemeinde Jesu Christi, machen Sie sich als Jüngerinnen und Jünger auf! Öffnen sie die Türen! Kommen Sie heraus aus den Mauern! Suchen und lesen Sie Energiesignaturen, Gottesspuren in der Welt! Und bei dieser Gelegenheit: hinterlasse Sie selbst solche Spuren! Lassen Sie sich beleben und antreiben von Geistkraft. Amen.

Und der Friede Gottes, des alles Verstehen übersteigt, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus, dem Christus. Amen.

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