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16.12.2018

Predigt Reinhard Süpke auf Radio Artern.de am 15./16.12.2018

Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben. Römer 15,4

 

Liebe Gemeinde (Hörerinnen und Hörer von „Radio Artern“)

„Kennen Sie den?“ – so fragen wir, wenn wir etwas über einen anderen Menschen wissen wollten.

„Kennen Sie den?“ – so fängt mancher Witz an.

Kennen Sie den „Treppenwitz der Weltgeschichte“? Damit sind geschichtliche Begebenheiten gemeint, die nachträglich absurd oder ironisch wirken.

Ich hätte da einen für Sie! Rudolf Augstein war der Herausgeber des Nachrichtenmagazins „DER SPIEGEL“. Ungewollt hat er für so einen Treppenwitz gesorgt.

1972 gab er ein Buch heraus mit dem Titel: „Jesus Menschsohn.“ Es sollte ein bahnbrechendes Werk werden, das die „Grundfesten des Christentums erschüttern sollte“. Heraus kam ein „Mix aus … aus Halb- und Unwahrheiten“, der selbst hartgesottenen Atheisten auf den Magen schlug.

Trotz fundierter, Kritiken, trotz anderer Erkenntnisse zu diesem Thema ließ sich Augstein nicht eines Besseren belehren. Er gab sein Buch 1999 noch einmal heraus.

Drei Jahre später, am 19. November 2002 starb Augstein.

Jetzt kommt der Treppenwitz der Weltgeschichte in drei Stufen:

Augstein war 1968 aus der katholischen Kirche ausgetreten. Aber er wurde nach einem Trauergottesdienst in einer Kirche zu Grabe getragen.

Eine Woche später wurde Augstein mit einem Staatsakt geehrt, der in der Hamburger Hauptkirche St. Michael stattfand.

Doch das ist noch nicht alles:

Keine drei Jahre später starb Papst Johannes Paul II. Augstein hat diesen Papst „bis aufs Blut bekämpft.“ Und ausgerechnet „DER SPIEGEL“ nennt Johannes Paul II den „Jahrtausendpapst“!

Allerdings versuchen immer noch Zeitschriften wie „DER SPIEGEL“, der „STERN“ und auch „FOCUS“ zur Weihnachtszeit uns irgendwas zu erzählen, warum wir die Bibel nicht brauchen. Oder dass sie höchstens als Märchenbuch taugt.  

Es ist immer wieder viel geschrieben worden, in der Absicht, uns die Bibel als Wort Gottes madig zu machen. Dahinter steckte oft Unwissen, nicht selten gepaart mit dem tiefen Hintergrund:

„Ich will nicht, dass es einen GOTT gibt. Denn ich will nicht nach seinen Regeln leben!“

Welche Absicht steht hinter der Entstehung der Bibel? Paulus schreibt an die Christen in Rom:

Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben. Römer 15,4

Die Adressaten, an die Paulus schreibt, wohnen im Zentrum des mächtigen Römischen Imperiums. Die haben genug Meinungen und Religionen in ihrer Stadt. Da brauchen sie nicht unbedingt einen neuen Glauben, der noch dazu aus der jüdischen Provinz kommt!

In Rom gab es sicher genug Büchereien mit interessanten Schriften großer Gelehrter und Philosophen. Wozu brauchen diese gebildeten Menschen noch ein paar Schriftrollen aus diesem kleinen Landstrich! Noch dazu Schriften von irgendwelchen Propheten, von denen mancher nur ein Schäfer oder Gärtner war?

Aber Paulus kennt diese Schriften seit seiner Kindheit und er kennt ihre große Kraft:

Sie entspringen einer guten Absicht: Sie sollen uns Kraft geben.

Kraft zum Durchhalten. Und Hoffnung für dieses Leben und darüber hinaus. Viele unterschiedliche Menschen haben an der Bibel mitgeschrieben.

Sie kannten sich persönlich oft gar nicht. Denn sie haben zu ganz unterschiedlichen Zeiten gelebt. Trotzdem haben sie eine gemeinsame Quelle. Einen lebendigen Mittelpunkt: GOTT selber.  

ER steht hinter der Entstehung der biblischen Schriften. Sowohl die des „Alten Testamentes“ als auch des „Neuen Testamentes.“ GOTT hat eine gute Absicht verfolgt, als die Bibel entstand.

Der Apostel und Missionar Paulus fasst diese gute Absicht so zusammen:

„Alles, was die Schrift sagt und was doch schon vor langer Zeit niedergeschrieben wurde, sagt sie unseretwegen. Wir sind es, die daraus lernen sollen; wir sollen durch ihre Aussagen ermutigt werden, damit wir unbeirrbar durchhalten, bis sich unsere Hoffnung erfüllt.“ Römer 15,4 NGÜ

Paulus meint die Schriften, die wir heute im Alten Testament finden.

Wir Christen kennen und schätzen aber auch das „Neue Testament.“ Dort finden wir auch Worte, die uns helfen. Wir lernen daraus, werden ermutigt, finden Kraft, durchzuhalten, bis sich unsere Hoffnung erfüllt.“ Römer 15,4 NGÜ

Eine der bekanntesten Geschichten ist die Weihnachtsgeschichte nach Lukas. Am Ende lesen wir einen starken Satz:

„Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ Lk. 2,19

Maria hörte zuerst vom Engel Gabriel, dass sie Jesus zur Welt bringen sollte. Was für ein Moment, wenn so ein mächtiger Bote, von GOTT gesandt, vor einem steht.

Maria versteht vielleicht nicht alles. Aber sie bekräftigt mit ihrem JA ihr Vertrauen in die Worte der göttlichen Botschaft: „Siehe, ich bin des HERRN Magd, mir geschehe, wie Du gesagt hast!“

Nachdem Gabriel seine Botschaft ausgerichtet hatte, verließ sie der Engel.

War das jetzt alles real?

Maria bekommt dann noch einmal eine Bestätigung. Sie besucht ihre Verwandte Elisabeth. Auch sie erwartet ein besonderes Kind. Ohne Gottes Eingreifen wäre sie auch nicht Mutter geworden. Als Maria und Elisabeth sich begegnen, erkennt Maria: GOTT hat wirklich gehandelt.

Dann kommt noch einmal eine Zeit voller Alltag und politisch – bürokratischen Wirren. Sie muss mit ihrem Mann Joseph nach Bethlehem reisen wegen der Volkszählung. Für uns ist das die Weihnachtsgeschichte. Für Maria und Joseph ist es unnötiger Stress in dieser Situation.

Jesus wird auch noch in Bethlehem geboren – und nicht zu Hause in Nazareth.

Aber als Jesus dann geboren war, kommen die Hirten und erzählen von einem Engel – was sage ich: Auf einmal waren da viele Engel, die bestätigten, dass JESUS der Retter der Welt ist…

Doch dann geht dann wieder der Alltag für Maria und Joseph und das Kind los. Aber: „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ Lk. 2,19

All die Worte des Engels Gabriel, die Begegnung mit Elisabeth, die Hirten, die zu ihnen kamen und was sie von der Botschaft Engel erzählten. „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ Lk. 2,19

Sie kannte sie nicht nur auswendig. Sie trug sie zusammen und bewahrte sie inwendig wie einen kostbaren Schatz. Sie bewegte sie immer wieder, fragte nach dem Sinn.

Dadurch wurden in ihr diese Worte von GOTT zur Quelle. Auch dann, als sie als Mutter allein war – und keine Engel zu sehen waren. Als die Augenblicke des Lebens grau oder sogar erschreckend waren. Sie musste ihren Weg weitergehen.

Angefangen, als Joseph erschrickt über ihre Schwangerschaft.

Die Geburt in der Fremde, ohne die Hilfe der Familie!

Schließlich sind sie auf der Flucht vor Herodes dem Großen!

Jesus wächst erst einmal im Ausland auf, in Ägypten!

Später wird Jesus von der eigenen Verwandtschaft für verrückt erklärt!

Vergessen wir nicht, dass sie sogar unter seinem Kreuz steht! Sie sieht ihren Sohn sterben!

Benedikt XVI. schreibt: „Wie oft mag Maria in diesen Situationen inwendig eingekehrt sein in die Stunde, in der Gottes Engel zu ihr gesprochen hatte, neu hineingehört haben in den Gruß: „Freue dich, Gnadenvolle!“, in das tröstende Wort: „Fürchte dich nicht!“

Welche Worte machen uns Hoffnung, wenn das Leben schwer wird? Haben wir dann so einen Schatz in unseren Herzen, der uns Mut macht. Der uns Kraft gibt, weiter zu gehen?

Weiter zu lieben, auch die schwierigen Zeitgenossen, enttäuschende Verwandte und Gemeindeglieder?

Worte, die uns helfen, die Hoffnung nicht zu verlieren, wenn uns Nachrichten aus Nah und Fern erschrecken? Wenn die große Weltpolitik uns Sorgen macht oder der Zustand unserer Erde?

So einen Schatz von Worten finden wir bis heute in der Bibel. Sie wird nicht ohne Grund „Die Heilige Schrift“ genannt.

Sie müssen ja nicht gleich die ganze Bibel von vorne nach hinten lesen. Ein guter Start sind die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine. Eines aus dem Alten Testament und eines aus dem Neuen Testament. Viele Menschen finden durch diese Losungen Ermutigung und Hoffnung an schwierigen Tagen.

Oder – falls Sie konfirmiert sind: Kennen Sie Ihren Taufspruch oder Konfirmationsspruch noch?

Wenn Sie kirchlich geheiratet haben: Kennen Sie Ihren Trauspruch noch?

Für viele Christen sind diese Bibelwort zur Konfirmation, zur Taufe oder zur Trauung immer eine Stärkung auf dem Weg durch das Leben.

Suchen und sammeln Sie sich so einen Schatz von kurzen, hilfreichen Worten aus der Bibel. Bewahren Sie diesen Schatz in ihrem Herzen.

Wenn Ihnen dann die Zeiten in denen wir leben, zu schaffen machen, dann ziehen Sie sich zurück.

Suchen Sie Stille. Manchmal muss man sie erkämpfen.  Und dann machen Sie es wie Maria: Bewegen Sie diese Worte in ihrem Herzen. Fragen Sie sich, was sie Ihnen sagen könnten – in Ihrer Lage, in Ihrer Situation.

Übrigens: Nicht nur Maria hatte so einen Schatz in ihrem Herzen. Auch ihr Sohn, Jesus, dessen Geburtstag wir demnächst feiern. ER war GOTTES Sohn! Trotzdem hatte selbst ER einen Schatz von solchen Worten aus der Bibel.

Die haben ihn in seinem Leben davor bewahrt, GOTT, seinem Vater den Rücken zuzukehren. Sie haben ihn im Sterben getragen. Sie haben IHM den Sinn seines Leidens und die Bedeutung seines Todes erklärt. Durch diese Worte wusste ER, dass der Tod über IHM nicht das letzte Wort spricht – und auch nicht über die, die IHM vertrauen und IHN kennen.

Die, die IHN nicht kannten, haben IHN am Kreuz zur Witzfigur gemacht.

Der GOTT, an dem JESUS festhielt, hat IHN zum HERRN über das Leben gemacht und zum Sieger über den Tod.

Bleibt nur eine Frage zum Schluss: JESUS Christus – kennen Sie den?

Amen

Peter Seewald, Jesus Christus, die Biografie. PATTLOCH 2009, S 17

Keitumer Dorfkirche, Seewald, ebenda

Seewald, ebenda, S 18

Joseph Ratzinger Benedikt XVI. Jesus von Nazareth / Prolog / die Kindheitsgeschichten.

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