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31.10.2018

Predigt am 31.10.2018 in Menteroda (Sebastian Kropp)

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen

I.

Hinter ihr fällt die Gittertür ins Schloss. Wie lange hatte sie von diesem Moment geträumt. Hatte sich die Möglichkeiten ausgemalt. Das Gefühl, wenn der Schlag durch die kahlen Gänge hallt, und sie auf dieser Seite der Tür stehen würde. Sehnsüchtig, in tausend Variationen, hatte sie sich diesen Moment erträumt. Freiheit,
Ist das einzige, was zählt. Und ihre Träume haben sie oft genug am Leben gehalten. Wenn nur endlich-Dann-Träume. Träume von tausend Möglichkeiten, von kalter Herbstluft und dem Wind in ihren Haaren. Frei sein. Heute hier, morgen dort. Selbst entscheiden zu können, in den kleinen Dingen des Lebens. An die großen brauchte sie bisher nicht zu denken.

Freiheit. Ein mächtiger Gedanke. So mächtig, dass er bisweilen nur flüsternd zu träumen ist. Hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen muss. Ein Gedanke, der unter die Haut geht. Der sich festsetzt und zu einer unbändigen Sehnsucht heranwächst. Und einmal gewachsen, ist er in der Lage Nationen und Reiche zu stürzen. Freiheit.

„Zur Freiheit hat euch Christus befreit.“, schreibt Paulus der Gemeinde in Galatien. Man muss diesen Satz rufen. Laut. Mit Nachdruck. „Zur Freiheit hat dich Christus befreit“. Man muss ihn jubeln. Freiheit.

II.

Noch vier Türen. Türen, die sie nicht nur hier drinnen festgehalten haben. Die auch die Welt da draußen hielten. Ein Schutzraum, in dem das Leben seine gewohnten Bahnen geht. Den immer gleichen Abläufen folgt. Innerhalb derer nichts verändert werden darf, aber auch nichts verändert werden muss. Innerhalb derer dir gesagt wird, was du tun sollst. Was das Richtige ist. Klare, einfache, einleuchtende Anweisungen. Solange du sie nur befolgst, ist es egal, was du dabei denkst. Warum solltest du das aufgeben?

Freiheit. Ein Gedanke, der den freien Vogel vogelfrei sein lässt. Unsicher, verletzlich, ausgeliefert. Ein beängstigender Gedanke. So beängstigend, dass er bisweilen nur schweißgebadet zu träumen ist. Ein Gedanke, der Träume in Nebel gießt und Wege in die Wüste führt. Eine Gefahr an die nächste reiht. Jeden Schritt entscheidest du. An jedem Abzweig bist du verantwortlich. Ist er der richtige für dich? Was, wenn er es nicht ist? Ist es nicht sicherer gewesen im Käfig? Waren wir nicht zumindest versorgt in der Sklaverei? Zumindest war es berechenbar.

„Zur Freiheit hat euch Christus befreit.“, schreibt der Apostel. Man muss diesen Satz rufen. Laut. Flehentlich bitten. Verzweifelt. „Nehmt sie doch bitte auch an.“ Lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen.

III

Der Weg über den Hof ist ihr schier unendlich. Das Päckchen mit ihren Habseligkeiten wiegt schwer unter ihrem Arm. Nur noch ein paar Schritte, dann schließt sich das letzte Tor in ihrem Rücken. Acht sind es. Acht Tore, für die sie keinen Schlüssel besitzen durfte. Acht Türen, die sie vom Leben trennten. Die ihr deutlich zu erkennen geben sollten: Du bist nicht in der Lage, dein Leben führen, ohne andere zu verletzen. Du bist nicht in der Lage, selbst zu entscheiden. Du solltest nicht frei sein. Gleich ist sie es. Nur ein Schritt trennt sie.

Wer bist du, dass du dir zutrauen kannst, ein freies Leben zu führen. Woher nimmst du die Gewissheit, dass es nicht wieder geschieht. Dass deine Entscheidungen, nicht wieder Menschen verletzen. Woher die Gewissheit, dass du in dieser Welt bestehen kannst?

„Zur Freiheit hat euch Christus befreit.“, schreibt Paulus. Man muss diesen Satz sanft aussprechen. Ermutigend. Voller Wärme. Mit aller Liebe, zu der du fähig ist. Du kannst es, weil Gottes Liebe in dir wohnt.

IV

Jetzt steht sie da. Zögerlich. Mutig. Sehnsüchtig. Verzagt. Bereit umzukehren, zurück in den Käfig. Zurück in die Geborgenheit der vorgegebenen Abläufe. Bereit den nächsten Schritt zu gehen, hinaus in ihre Träume. In das Wagnis. Auf der Schwelle.

Still spricht sie ein Gebet: Was ich bin, lege ich in deine Hände, Gott, denn ich gehöre zu dir, gehör zu dir.

Und sie tritt hinaus. In die Freiheit…

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