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11.11.2018

Predigt am 11.11.2018 in Oldisleben (Reinhard Süpke)

Grabstein Hände

Liebe Freunde,

Was hat ein Grabstein, das spanische Wappen und die Speisekartoffel mit unserer Hoffnung zu tun? Fangen wir mit einem Grabstein an:

Es gibt Grabsteine und Grabsteine. Die einen machen einen depressiv. Reinhard Mey einmal in einem Konzert von einer sehr deprimierenden Aufschrift:

„Hier ruhn meine Gebeine – ich wünscht, es wären Deine!“ Das ist doch mal eine klare Ansage!

Hier haben wir einen Grabstein, der ist merkwürdig im besten Sinne des Wortes: Das sollten wir uns mal merken. Es sind eigentlich zwei Grabsteine. Die machen unser Thema auf fröhliche Art und Weise deutlich: „Hinterm Horizont geht’s weiter!“

Hier die Geschichte!

 „Am 10. Januar 1809 wurde der protestantische Jacob Waernerus Constantine in Amsterdam geboren. Jacob wurde am 29. Januar 1809 in der reformierten Kirche in Amsterdam getauft

Josephina von Aefferden wurde am 28. Juni 1820 in Roermond geboren. Sie wurde in der Katholischen Kirche getauft.

Jacob und Josephina heirateten, bekamen Kinder und führten ein sehr glückliches Leben miteinander.

Als Jacob am 29 August 1880 in Roermond stirbt,“ …wird er auf dem reformierten Teil des Friedhofs beigesetzt. Gleich an der Mauer zum katholischen Teil des Friedhofes…  „Acht Jahre später, am 29. November 1888, stirbt Jacobs Witwe. Sie wird nicht im Familiengrab“… ihrer Herkunftsfamilie bestattet. „… sondern gegenüber dem Grab ihres geliebten Mannes begraben. Man sieht: es sollte wohl nicht „bis dass der Tod uns scheidet“ heißen…“

Dahinter steckt nicht nur die große Liebe der beiden, die über Konfessionsgrenzen hinweg reichte. Dahinter steht die Gewissheit, die aus dem christlichen Glauben kommt: „Hinterm Horizont geht’s weiter!“ Damals war der christliche Glaube und die Hoffnung auf das Leben hinter dem Horizont noch weit verbreitet in den Ländern Mitteleuropas. Viele Menschen wussten von der Hoffnung, die uns dieser Glaube schenkt. Sie waren von einer tiefen Gewissheit getragen unter der großen Überschrift: „Der Tod hat nicht das letzte Wort!“ Sondern: „Hinterm Horizont geht’s weiter…“

„Gewissheit“ kommt von „Wissen“. Auch wir dürfen wissen, nicht nur ahnen oder vermuten: Der Tod hat nicht das letzte Wort!

Der Apostel Johannes schreibt in seinem ersten Brief:

Und das ist das Zeugnis, dass uns Gott das ewige Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt, euch, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes. (1. Joh. 5, 12 – 14)

Viele Generationen von Menschen haben aus dieser Gewissheit Trost und Kraft empfangen, wenn es um Trauer ging oder um das eigene Ende. Aber was ist daraus geworden?

Im östlichen Teil Deutschlands ist diese starke Hoffnung verdrängt worden. Wenn sie doch von Christen bekannt wurde, dann hat sie viele Menschen erst einmal verstört oder provoziert.

Die Rockgruppe Karussell hatte ein Lied in die DDR Hitparaden gebracht, das wochenlang auf den ersten Plätzen war: „Das einzige Leben“. Es erzählt von einer alten Frau, die ihren Glauben lebt und getröstet stirbt. Zwei kurze Textpassagen:

„Mit ihrem Glauben war sie glücklich alle Zeit

So glücklich stehen wir selten da…

Und ging's zu End', schlief sie lächelnd ein

Da sah man sich betroffen an

Weil man aus einem Leben nur allein

Doch nicht so fröhlich scheiden kann…“

Bei vielen Zeitgenossen ist aus der Gewissheit ein ungewisses, vages: „Wir werden uns mal alle wiedersehen…“ geworden – das aber nicht wirklich trägt.

Es gibt eine Menge Lieder zu dem Thema. Darunter gibt es seichte Lieder, die rollen mir die Zehennägel hoch. Manche von der seichten Sorte erobern die Bestattungsfeiern…

Ein berühmtes Beispiel ist das Lied von David Hasseloff: „Wir zwei allein.“ Musikalisch eine schöne Ballade. Ein Kind trauert um die Mutter und der Vater des Kindes und jetzt Witwer versucht zusammen mit der Tochter klarzukommen.

Aber dann kommt die Zeile:

„Wir zwei allein heut nacht

Hey was glaubst du, was sie grad macht?

Wie man da wohl wohnt, hinterm gelben Mond?“

Wenn ich daran denke, wie es hinter dem Mond aussieht...

Poesie hin und Dichtkunst her: Hinterm Mond ist kein Leben möglich, wenn das der Himmel ist, will ich nicht dahin!

Außerdem: wer hinter dem Mond wohnt, ist nicht gerade am sprichwörtlichen besten Ort…

(Das Lied hat etwas Gutes: Papa verspricht, seine Tochter nicht allein zu lassen…)

Von manchen Künstlern hätte ich es nicht gedacht, dass sie so etwas schreiben. Alle Lindenberg – Fans wissen sofort: Wir haben unser Predigtthema bei ihm geborgt:

„Hinterm Horizont geht’s weiter

ein neuer Tag

hinterm Horizont immer weiter

zusammen sind wir stark!

Das mit uns ging so tief rein

das kann nie zu Ende sein

sowas Grosses geht nicht einfach so vorbei!“

Bei dieser letzten Zeile von Lindenbergs Lied ist mir zum ersten Mal seit Jahren etwas deutlich geworden. Ich hab’s immer gesehen – aber jetzt kann ich es zusammen sehen:

Wenn etwas wunderbar ist im Leben, dann wollen wir die Uhren anhalten, dann wollen wir die Ewigkeit.

Von Friedrich Nietzsche stammt der Satz: „Doch alle Lust will Ewigkeit –, – will tiefe, tiefe Ewigkeit!«

Zu deutsch. Es darf und kann nicht einfach so vorbei sein. In solchen Situationen ist der Tod eine Katastrophe!

Aber wenn wir leiden, schwer krank sind, voller Schmerzen ans Bett gefesselt, dann sehnen wir das Ende herbei! Dann sehen wir den Tod als Erlösung. Allerdings nur in dem Sinne, dass wir ins Nichts fallen…

Am stärksten finde ich das Lied von Eric Clapton: „Tears in heaven…“ Er hat es geschrieben, nachdem sein Sohn mit fünf Jahren gestorben war.

 „Ich bin sicher – hinter der Tür wird Frieden sein!

Denn ich weiß, es wird keine Tränen mehr geben im Himmel!“

Aber woher können wir das wissen? Dazu fragen wir mal nicht die Maus sondern die Spanier…

Das spanische Wappen. Für uns interessant sind die beiden Säulen links und rechts. Das sind die Säulen von Gibraltar, auch „Säulen des Herkules“ genannt. Diese Felsen stehen an Meerenge von Gibraltar. Da mündet das Mittelmeer in den Atlantischen Ozean. Der griechische Sagenheld Herkules soll diese Felsen erbaut haben. Dann hat er draufgeschrieben: „Nicht darüber hinaus“ – auf Latein: „Non plus ultra!“ Denn hinter diesen Säulen begann der atlantische Ozean. Der wurde auch, das dunkle, finstere Meer genannt.

Mit anderen Worten: hinter diesem Horizont geht’s nicht weiter!

„Non plus ultra“ – „Nicht darüber hinaus“ stand bis 1492 auf dem spanischen Wappen. Aber dann hatte Christoph Kolumbus Amerika entdeckt. Nun wurde die Inschrift geändert in „Plus ultra“ – „Darüber hinaus“ – denn: „Hinterm Horizont doch geht’s weiter!“

Wie ich vermute, sind noch nicht so viele von uns über den Atlantik nach Amerika geflogen oder geschippert – oder? Allerdings: wir könnten, wenn wir wollten…

Aber ich vermute, noch weniger von uns sind über das dunkle Meer des Todes gefahren und haben hinter dem Horizont des Lebens etwas gesehen, das sich zu sehen lohnt? …

Meine Oma hat immer von ihrem Onkel Max erzählt. Der war wohl ein wenig spöttisch drauf. Er soll gesagt haben: „Wenn ich dann mal sterbe und es geht weiter, dann schicke ich euch von drüben eine Ansichtskarte!“  Meine Oma ist über 90 geworden, aber die Karte ist bis an ihr Lebensende nicht angekommen. (Tja, die Post hat so ihre Probleme…)

Egal, wie viele Ansichtskarten vom Himmel kommen, es würden sich doch genug Zweifler und Skeptiker finden, die das für Fake News halten. „Da hat sich Onkel Max einen Scherz erlaubt! So was gibt’s nicht!“

GOTT sei es gedankt, dass wir solche Ansichtskarten nicht brauchen.

Denn wir dürfen dem vertrauen, der als Mensch schon hinter diesem Horizont war und zu uns zurückgekehrt ist.

Und zwar nicht mit Fake News, sondern mit „good news“ – mit der guten Nachricht, der guten Neuigkeit: „Hinterm Horizont des Todes geht’s weiter!

Aber erst mal war das ein Schreck für die ersten, die diese gute Nachricht erfahren durften.

Evangelium heißt ja: „Gute Nachricht, die Botschaft die uns froh macht!“

Aber in der „guten Nachricht“ nach Markus erfahren wir, dass die ersten, die von der Auferstehung Jesu hörten, zutiefst erschrocken waren. Wir müssen wissen, dass es für die Jünger Jesu – für die Frauen und Männer in seiner Nähe – unvorstellbar war, dass jemand von den Toten aufersteht. Sie hatten zwar aus nächster Nähe die großen Zeichen und Wunder Jesu erlebt. Zeichen, mehr als deutlich angezeigt haben: „Hier ist mehr als ein Mensch! In diesem Menschen begegnet uns GOTT!“

Sogar seine Worte haben tief gewirkt. So tief, das einer der Jünger diesen Satz über Jesus sagt:

„Du hast Worte des ewigen Lebens!“ (Jo 6.68)

Aber egal, was ER über seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung gesagt hat – es erreichte nicht ihr Herz.

Als ER verhaftet wurde, verließen IHN die meisten seiner Jünger. Nur einer der Männer und ein paar Frauen sahen IHN am Kreuz leiden und sterben. Sie hörten seinen Hilfeschrei der Verlassenheit auf dem Weg in das dunkle Meer des Todes… wohin sie alle einmal kommen sollten. Der Tod war für sie alle das „non plus ultra“ – bis zu dem einen Morgen.

Am Morgen des dritten Tages gehen drei Frauen zu dem Grab, in dem JESUS bestattet wurde.

Und sie können nur eins denken: Tot ist tot! Denn ihre einzige Frage ist: „Wir kommen wir an den toten Meister und Lehrer heran?“

Jetzt hören wir mal bei Markus rein:

„Früh am Sonntagmorgen, gerade als die Sonne aufging, kamen die Frauen damit zum Grab. 3 Schon unterwegs hatten sie sich besorgt gefragt: »Wer wird uns nur den schweren Stein vor der Grabkammer beiseite wälzen?« 4 Umso erstaunter waren sie, als sie merkten, dass der riesige Stein nicht mehr vor dem Grab lag. 5 Sie betraten die Grabkammer, und da sahen sie auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der ein weißes Gewand trug. Die Frauen erschraken sehr. 6 Aber der Mann sagte zu ihnen: »Habt keine Angst! Ihr sucht Jesus aus Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist nicht mehr hier. Er ist auferstanden! Seht her, das ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte. 7 Und nun geht zu seinen Jüngern und zu Petrus und sagt ihnen, dass Jesus euch nach Galiläa vorausgehen wird. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch angekündigt hat.«

8 Da flohen die Frauen aus dem Grab und liefen davon. Angst und Schrecken hatte sie erfasst. Sie redeten mit niemandem darüber, so entsetzt waren sie.

Warum jubeln sie nicht? Warum tanzen sie nicht vor Freude? Weil hier etwas geschehen ist, das ist größer als ihr Verstand, größer als ihre Traditionen – größer als ihr Herz.

Jesus ist nicht einfach wiederbelebt worden. Denn dann wäre er später wieder gestorben.

Sondern ER hat aus dem „Non plus ultra“ des Todes das „Plus ultra“ gemacht.

Aus „Bis hierher und nicht weiter…“ ein Mut machendes „Darüber hinaus!“

ER hat den Tod besiegt – aber nicht nur für sich alleine – sondern für alle, die IHM hier in diesem Leben ihr Vertrauen schenken. Die für IHN ihr Herz öffnen und IHN bitten: „Komm in mein Leben!“

Die Bibel sagt uns, dass der Tod mit seinem Gefolge erst über uns hereingebrochen ist, als wir GOTT den Rücken zugekehrt haben. Als wir den Einflüsterungen der Sünde mehr glaubten als IHM.

Keiner von uns entkommt aus eigener Kraft diesem Verhängnis. Aber die Bibel sagt uns auch, dass JESUS am Kreuz starb, damit wir Vergebung erfahren.

ER ist auferstanden, damit wir wissen dürfen: GOTTES Liebe zu uns ist nicht totzukriegen. Für uns heißt es nun: „Hinterm Horizont geht’s weiter…“

Zu guter Letzt:

Als ab 1492 klar war: „Hinterm Horizont geht’s weiter! Da gibt eine neue Welt!“, wurde fleißig dorthin gesegelt… (ich weiß, da ist nicht nur Gutes passiert – aber:)

Was können wir alles aus Kartoffeln machen?

Klöße, Pommes, Kartoffelpüree, Chips, Bratkartoffeln, Kartoffelsuppe…

Das ist heutzutage alles selbstverständlich – aber: Der Vorfahre des legendären Nationalgerichtes „Thüringer Kloß“ stammt aus Amerika, aus der „Neuen Welt“ hinter dem Horizont: Die gemeine Kartoffel.

Wir stärken uns mit diesen Gerichten, wenn wir Hunger haben.

Wenn uns die Hoffnung auf das ewige Leben trägt, dann finden wir für unsere Seele in diesem Leben immer wieder Kraft um weiter zu machen. Es sind die Kräfte aus der „Neuen Welt Gottes“.

Wenn die Angst vor dem Tod besiegt ist durch den Glauben an Jesus Christus, dann können wir gelassener durch dieses Leben gehen. Wir leben dann heute schon aus den Gaben der neuen Welt Gottes. Z.B. aus der unerschütterlichen Hoffnung: „Hinterm Horizont geht’s weiter!“

Denn ich muss nicht alles in dieser kurzen Lebensspanne erreichen.

Ich kann Kraft in Krankheit und Leid gewinnen. Weil Leid, Not und  Krankheit in Gottes neuer Welt nicht mehr sein werden.

Ich habe eine Ewigkeit vor mir. „Hinterm Horizont geht’s weiter.“

Vielleicht sprichst Du beim nächsten Kartoffelgericht – ob nun Kloß  oder Pommes mal folgendes Tischgebet:

„Danke, Vater, für die guten Gaben auf dem Tische. Auch für die Kartoffeln, die uns daran erinnern, dass es in deiner neuen Welt weitergeht. Danke, dass wir einmal in Deiner neuen Welt mit Dir am Tisch sitzen werden!“. Amen.

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