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Andachten

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30.11.2019

Wort zum Wochenende

Meditation an der Supermarktkasse

Ich stehe an der Supermarktkasse. „Last Christmas“ spielt aus dem Lautsprecher - wie letztes Jahr. Ich lass mich berieseln. Rhythmisch tönt das „piep“ der Kasse dazu. Ganz schön laut für die anbrechende stille und besinnliche Zeit, wundere ich mich. Wenn es einen „Lautlos-Knopf“ gäbe, überlege ich. Kein „Piep“ oder „Pling“, das die Gedanken stört, keine Weihnachtsmusik in Dauerschleife. Ich würde mein Herz pochen hören und einfach spüren wie ich atme, ohne etwas dafür zu tun. Einfach so: ein und aus. Durch die großen Supermarktfenster beobachte ich den Himmel. Ohne Geräusche sind die Augen schärfer: Er ist nicht einfach grau, sondern hat ungezählte Schattierungen, wirkt plüschig - wie eine Wolldecke, in die sich die Welt gehüllt hat. Plötzlich mischen sich ein paar Wünsche ein: Schlafen, sagt einer. Sich in eine Decke kuscheln, ergänzt ein anderer. In Ruhe Plätzchen backen, möchte ein dritter. Weihnachtskarten schreiben, wünscht sich ein vierter. Sie alle flüstern nur. Kein Wunder, dass sie im normalen Getöse untergehen. Ich höre ihnen gerne zu, kann ihnen einiges abgewinnen. Wahrscheinlich flüstert Gott genauso, überlege ich. Kein Wunder, dass er so schwer zu hören ist. Meine Gedanken freuen sich über die ungewohnte Freiheit. Sie toben sich aus in der Stille. Plötzlich haben sie Platz und Zeit und freie Bahn. Sie gehen ungeahnte Wege. Ich lenke sie nicht, ich halte sie nicht zurück, ich stelle ihnen keine Aufgaben. Ich folge ihnen ein Stück. Erstaunlich, was da in ihnen schlummert und nur auf ein wenig Stille und Freiheit gewartet hat. Meditieren im Advent an der Supermarktkasse, Gottes flüstern im Alltag entdecken - ich könnte darüber mal was im Wort zum Wochenende schreiben, träume ich vor mich hin… „Das macht dann 10,34 Euro“, reißt mich eine Stimme aus den Gedanken. Verdutzt sehe ich mich um. Die Welt ist wieder auf „Laut“ gedreht: Weihnachtsmusik, piepsen und plingen, quengelnde Kinder. Der Kunde hinter mir drängelt schon. Beim Bezahlen denke ich noch: So ein „Lautlos-Knopf“ wär eine feine Sache, zumindest einmal am Tag. Da klingelt es in meiner Tasche: „Hallo, hier Burghardt, Adventsfeier? Ja, das geht. Ich bring was mit, bin eh grad im Supermarkt.“
Ihnen allen wünsche ich für die kommende Adventszeit so einen „Lautlos-Knopf“, wenigstens einmal am Tag. 

Pfrn. Lena Burghardt
Regionalgemeinde Artern-Heldrungen, Seelsorgebereich Artern

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