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02.11.2019

Wort zum Wochenende

Feste feiern oder feste feiern?

Na, haben Sie vorgestern feste gefeiert? Es war ja Feiertag bzw. Festtag. War es Halloween oder Reformationstag? Beide Feste sind kirchlich bzw. haben einen christlichen Ursprung.

Halloween, der Spuk der kleinen Kinder, die als Gespenster oft viel ängstlicher sind als die zu foppenden Erwachsenen, kam aus Irland nach Amerika (nicht Vieles ist wirklich „Made in USA“). In diesem Brauch mischen sich katholische und keltische Bräuche und gehen eine Liaison ein. Der Name leitet sich von „the Eve of All Hallows“ ab, dem Abend vor Allerheiligen (1.11.), bei dem Katholiken an die Heiligen denken. Ihm folgt der Tag Allerseelen (2.11.), an dem aller Toten und Verstorbenen gedacht wird. Beide Feste verschmolzen mit Traditionen des keltischen Samhain, dem Jahresbeginn des keltischen Kalenders. Die Kelten glaubten, dass an diesem Abend die Tore des Totenreiches in beide Richtungen offenstanden und Kontaktaufnahme mit ihnen möglich war. Weil die ausgewanderten Iren in Amerika keine Rüben vorfanden, nahmen Sie mit Kürbissen vorlieb, um der Schauergeschichte von Jack Oldfield einen Ausdruck zu geben, der weder in den Himmel noch in die Hölle kommen konnte und mittels dieser erleuchteten Kopflaterne, ruhelos durch die Welt zieht.

Reformationstag ist ebenfalls am 31.Oktober. An ihm wird der Reformation durch Martin Luther u.a. Reformatoren gedacht, die sich im Symbol des Thesenanschlages manifestiert, die im Assisi-Panorama zu Wittenberg noch zwei Jahre eindrucksvoll zu betrachten ist. Die Thesen gaben der Kritik Luthers an der verfassten Kirche einen eindrucksvollen Ausdruck. Leider hatte die damalige Kirche nicht die Größe, sich dieser Anfrage zu stellen, sondern wich ihnen aus und bekämpfte die berechtigten Fragen, statt sie zu beantworten. So kam es zur Trennung von katholischer und evangelischer Kirche, einer Trennung die Luther nie wollte.

Beide Feste sind also (z.T.) christlichen Ursprungs und führen Menschen zueinander. Die einen, um andere zu erschrecken und um Süßes zu erbetteln oder mit Saurem zu „drohen“ (leider ist die Tradition, das Martinslieder gesungen und diese dann mit Pfannkuchen bedankt wurden, fast überall verloren gegangen. Ich fand das allemal gemeinschaftsstiftender als diese drei Worte der kindlichen Drohung“).

Die anderen feiern das Reformationsfest und erinnern daran, dass sich Kirche und Gesellschaft immer wieder fragen und herausfordern lassen müssen: ist das, was wir jetzt haben schon gut und erstrebenswert? Wäre nicht noch etwas zu verbessern?

„Ecclesia semper reformanda“ hieß der reformatorische Spruch des 16. Jahrhunderts: „Die Kirche muss sich immerfort erneuern.“ Das stimmte damals und das stimmt auch heute. Nicht nur für die Kirche, sondern für die Gesellschaft und für jeden einzelnen von uns. Denn nur wer sich ändert, bleibt sich treu. Wer darauf beharrt, weil etwas immer schon so war, ist „lebendig tot“. Altbewährtes kann nach einer Prüfung als gut und lebendig befunden werden. Aber es ist kein ausreichendes Argument, dass, nur weil etwas Jahrhunderte funktionierte, es auch die nächsten Jahr(hundert)e noch richtig ist.

Insofern ist es gut, wenn wir am 31.10. etwas Zeit zum Nachdenken geschenkt bekommen haben: Was muss sich bei mir ändern? Worauf muss ich (mehr) achten? Ein solchermaßen mit Nachdenken und Umsetzen verbrachter Tag ist geschenkte Zeit und reformiert manches Leben.

Ihnen ein gesegnetes Wochenende,

Kristóf Bálint, Superintendent

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