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Andachten

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03.08.2019

Wort zum Wochenende

Ein freier Tag

Die letzten Wochen waren sehr intensiv. Er hatte die Energie erstaunliche Dinge zu leisten - die weder er, noch andere sich erklären konnte. Wo er auftauchte, zog er die Menschen in seinen Bann. Wer ihn bei der Arbeit erlebte - wurde auf wundersame Weise verwandelt. Er arbeitete täglich hart daran, die Welt in seinem Sinne ein wenig schöner zu machen. Ob er all das dauerhaft leisten konnte, fragte ihn keiner. Er sah immer ausgeglichen und zufrieden aus, wenn man ihm begegnete. Eines Morgens jedoch wachte er völlig erschöpft auf. Seine Arbeit, die er so liebte, wollte ihm an diesem Tag nicht von der Hand gehen. Als dieser Zustand sich auch am nächsten Tag nicht änderte, ging er zum Arzt. Nach umfassenden Untersuchungen stand die Diagnose schnell fest: „Du bist überarbeitet. Nimm dir einen Tag frei. Ruh dich aus.“

Überarbeitet mit Anfang 30? Wie konnte das sein? Aber vielleicht hatte der Arzt ja recht. Ein freier Tag konnte nicht schaden. Seinen Freunden erzählte er, was der Arzt ihm verordnet hatte und meldet sich für die nächsten 24h ab. Es war ein herrlicher Tag. Kaum war er unterwegs begann er die verrücktesten Dinge auszuprobieren. Was sollten denn die Leute von ihm denken?

Alles worauf er Lust hatte, probierte er aus: Er picknickte im Schatten eines großen Baumes. Ging im See schwimmen. Bei allem was er an diesem Tag tat, hatte er unglaublich Freude. Einmal das tun, worauf er Lust hatte. Einmal nicht tun müssen, was andere von ihm erwarten. Ein wunderbarer Tag. Aber als die Sonne aber am Abend unterging, wurde er traurig. Er ließ den Tag noch einmal an sich vorbeiziehen und dachte: Eigentlich war es ein verlorener Tag, denn ich habe nur an mich gedacht.

An dieser Stelle des Buches unterbreche ich das Lesen: Wie gut kenne ich doch das Gefühl, am Morgen in meinen vollen Kalender zu blicken. Täglich mit all den Erwartungen konfrontiert zu werden, die andere an mich haben. Meinen eigenen Anspruch zu erfüllen, immer wieder kleine oder mittelgroße Wunder vollbringen zu wollen. Den Wünschen der anderen gerecht zu werden. Am besten täglich. Sieben Tage in der Woche. Und 365 Tage im Jahr. Manchmal verliere ich mich und meine Bedürfnisse dabei aus dem Blick. Wenn ich mich dann doch entscheide einen Tag lang nur was für mich zu tun – Freunde zu treffen, mit dem Rad unterwegs zu sein oder einfach mal auszuschlafen - kommt am Abend beim Anblick all der unbeantworteten Emails, Nachrichten und Anrufe auch in mir das schlechte Gewissen hoch. All das was ich da sehe, hätte ich doch tun müssen. Stattdessen, habe ich nur an mich gedacht. Hab das getan, worauf ich wirklich Lust hatte. Ich denke alle kennen diese Situationen?! Aber sind diese Tage, an denen wir uns Freiräume schaffen wirklich verloren?

Er hat ein ebenso schlechtes Gewissen, wie ich es kenne und beschließt sich am Abend seines freien Tages an seinen Vater zu wenden und ihm alles zu erzählen. Er liebt seinen Vater sehr, denn er weiß alles und hat auf jede Frage die richtige Antwort. Als Jesus ihm nun von seinem freien Tag erzählte, sagte Gott zu ihm: „Schau kurz auf die Erde herunter, mein Sohn.“ „Dort wo du gepicknickt hast, tragen die Bäume die herrlichsten Früchte. Während du geschwommen bist, hatten die Fischer einen großen Fang im Netz.“ Du siehst: nur, wenn du selbst froh bist, kannst du auch andere froh machen. Jesus wusste: sein Vater hatte wie immer Recht. Als er nach Hause kam, freuten sich seine Freunde sehr, weil er so erholt aussah.

Nicolas Allan gesteht Jesus in seinem Buch einen freien Tag zu. Auf witzige Weise erzählt er auf wenigen Seiten, dass auch Jesus mal eine Auszeit braucht. Ich lerne eine Seite von ihm kennen, die mir die Bibel in dieser Bildhaftigkeit verschweigt. Die doch aber so menschlich ist. Nur wenn wir ausgeglichen und entspannt sind, können wir den Menschen, denen wir in unserem Alltag begegnen, fröhlich begegnen. Nur wenn unser Energieakku voll ist, können wir die Aufgaben des Tages in all ihrer Fülle meistern. Nicht zuletzt Gott selbst hat sich am Ende der Schöpfung einen Tag Ruhe gegönnt. So möchte ich Sie ermutigen es in den nächsten Wochen mal an sich zu denken. Tut in diesen Sommerwochen neben all der Arbeit - regelmäßig das, worauf ihr Lust habt, damit sich euer Energieakku aufladen kann.

Gönnt euch, euch selbst. Seid wie für alle anderen auch für Euch selbst da, oder jedenfalls seid es nach allen anderen! Und vor allem haben Sie kein schlechtes Gewissen dabei, denn ER hat es auch getan.

Viktoria Rode

Ordinierte Gemeindepädagogin für Religionsunterricht & Familienarbeit

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