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Andachten

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22.06.2019

Wort zum Wochenende

Loslassen – Das ist gar nicht so einfach. Vor allem dann nicht, wenn man Zeit seines Lebens so viele Erfahrungen gemacht hat und jetzt eben weiß, wie die Dinge dieser Welt laufen. Auch nicht, wenn man so lange Zeit der Lehrer war; gegenüber den eigenen Kindern, den denen der Nachbarn oder den Auszubildenden im Beruf.

Und da ist sie nun: die neue Generation, erwachsen genug, um auf eigenen Füßen zu stehen, stark genug eigene Wege zu beschreiten, entschlossen genug, eigene Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen.

„Ich muss abnehmen, er aber muss wachsen.“ – Das sind die Worte Johannes des Täufers als ihm berichtet wurde, dass Jesus von Nazareth – sein ehemaliger Schüler – jetzt mehr Menschen taufe als er selbst (Joh 3,30). Da ist er nun, der Täufer, der der sein Leben lang predigte, dass derjenige, der nach ihm kommt, stärker wäre als er selbst. Und plötzlich ist da einer, der aus dem Schatten des Täufers tritt und ihm den Rang abläuft. Nicht leicht, so was wegzustecken.

Die Worte des Johannes haben es geschafft, sich ihren Platz in unserem Jahreslauf zu sichern: „Ich muss abnehmen, er aber muss wachsen.“ Am 24. Juni ist Johannestag. Die Tageslänge hat ihren Höchststand erreicht. Die Tage werden wieder kürzer und wir treten ins zweite Halbjahr ein, bis sie zu Weihnachten wieder länger werden. Und damit können wir es ja auch belassen: Termin markieren, verstreichen lassen, abhaken…

Doch vielleicht sind diese Worte aber mehr als ein netter Wissensgimmick im Jahreslauf oder eine Allerweltsweisheit zum Leben. Die Friday-for-Futur-Bewegung hat gezeigt, welche Kraft und Entschlossenheit jene entwickeln, die nach uns kommen. Ihren Gestaltungswillen, ihre Energie und die Leidenschaft, sehe ich in vielen jungen Menschen. Und ich erlebe auch, wie sie versickert, weil sie an die Leine angelegt werden, mit Besserwisserei, Herablassung, Hilflosigkeit und der Unfähigkeit, anderen das Feld zu überlassen. Diese Leinen sagen freilich viel mehr über uns aus, als über die, denen sie angelegt werden.

„Ich muss wachsen, er aber muss abnehmen.“ – Das ist eine Haltung. Das ist Selbstgewissheit im ruhigen Wissen darum, dass die eigene Zeit sich dem Ende neigt, und andere dran sind, ihre Welt, ihre Zukunft zu gestalten.

Pfarrer Sebastian Kropp, Körner-Menteroda

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