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Andachten

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08.09.2018

Wort zum Wochenende

Angst essen Seele auf
…diesen merkwürdigen Titel trägt ein Film von Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1974. Er erzählt von der Liebesgeschichte zwischen der 60-jährigen Putzfrau Emmi und dem etwa 40 Jahre jüngeren marokkanischen Gastarbeiter Ali. Emmi und Ali heiraten, aller gesellschaftlicher Etikette zum Trotz, glücklich wird ihre Ehe allerdings nicht. Im Gegenteil: Die Liebe zwischen der älteren Inländerin und dem deutlich jüngeren Ausländer vergiftet Emmis andere Beziehungen. Ihre Kinder reagieren verständnislos. Kolleginnen und Nachbarn schneiden sie. Und in Kneipen und Geschäften werden die beiden nicht bedient. Fassbinder zeigt meisterhaft, wie die Liebe in einem Klima von Ausgrenzung und sozialer Unterdrückung unter die Räder kommt. Die Liebe zwischen zwei Menschen stirbt nach und nach in einem Klima von Angst, Ausgrenzung und Unterdrückung. 
Angst essen Seele auf – das beschreibt auch die gegenwärtige Stimmung in unserer Gesellschaft. Werte wie Gleichheit, Freiheit und Menschenwürde – Seelenbausteine unserer Demokratie geraten unter die Räder. Berufsmäßige Schreihälse und Angstmacher zündeln mit ihren Parolen und setzen die Grundwerte unserer Gesellschaft bewusst aufs Spiel. Was passiert, wenn die Angst die Seele unseres Gemeinwesens aufgefressen hat? Ich kann und will mir das nicht ausmalen…
Die Angst frisst unsere Seele auf und zerstört nach und nach alles, was uns heilig ist. Das gilt für das Miteinander im Kleinen und das gilt für die großen Zusammenhänge in unserem Land/unserer Welt. Der christliche Glaube weiß darum, wie anfällig unsere Seelen für die Angst sind. Wie schnell wir uns lähmen lassen, wenn uns die Angst ergreift. Wie schnell wir zum Gegenschlag ausholen wollen, wenn wir uns bedroht fühlen. Der Wochenspruch für die kommende Woche weißt uns auf Gott, der alle unsere Ängste kennt. Dem wir uns anvertrauen können um neue Kraft für unser Leben zu gewinnen. „All eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch“ (1. Petrus 5,7). In der Begegnung mit Gott liegt ein mögliches Gegengift gegen die großen und kleinen Ängste meines Lebens. Im Gebet werde ich los, was mich lähmt. Im Gebet rücke ich mein eigenes Leben in einen größeren Zusammenhang, der mein Verstehen übersteigt. Angst essen Seele auf – der Glaube aber, besiegt die Angst.

Pfarrer Karl Weber, Sondershausen 

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