zum Inhalt

Sie sind hier: Glaube und Leben > Andachten > Lichtblick

Andachten

« zur Übersicht

15.11.2018

Lichtblick

Schicksalstag der Deutschen

Heuer wurde das Gedenken an den 9. November im Bundestag unter der Überschrift „Schicksalstag der Deutschen“ begangen. Wohl wenige Tage in unserer Deutschen Geschichte vereinen so viele Höhen und Tiefen wie dieser Tag und insofern ist die Überschrift sehr gerechtfertigt. Heute, wenn Sie dies lesen, ist er genau eine Woche her. Was macht diesen Tag so schicksalhaft?

Wenn wir in einschlägigen Lexika nach der Bedeutung von Schicksal recherchieren, so lesen wir „von einer höheren Macht über jemanden Verhängtes, was sich menschlicher Berechnung und menschlichem Einfluss entzieht und das Leben des einzelnen Menschen entscheidend bestimmt“ (Quelle: https://www.google.com/search?q=schicksal&ie=utf-8&oe=utf-8&client=firefox-b-ab) oder bei meinem wichtigsten Nachschlagewerk (weil am tiefgründigsten), dem Wörterbuch der Gebrüder Grimm „Das was dem Menschen durch Fügung bestimmt ist, ihm begegnet: schweres, trübes, grausiges Schicksal.“

Wer von Schicksal spricht, geht von einer höheren Macht aus, auch wenn er sich gern Atheist nennt. Doch wer schickt das Sal? Wenn nicht GOTT, wer dann?

Bestimmte Zeitgenossen, die gern die guten alten germanischen Bräuche revitalisierten, sprächen jetzt von Odin oder Thor.

Manch anderer von Sternkonstellationen, die das bewirken oder vom „großen Führer“, der die Geschicke des Volkes lenkt – nein, nicht der, den Sie denken, sondern Mao Tse Tung (eigentlich Mao Zedong).

Oder von der Partei, die immer recht hat und sogar für Sonne und Wind sorgt, wie in einem ihrer Lieder zu hören war und zuweilen noch ist: „Sie hat uns alles gegeben. Sonne und Wind und sie geizte nie. Wo sie war, war das Leben. Was wir sind, sind wir durch sie. Sie hat uns niemals verlassen. Fror auch die Welt, uns war warm. Uns schützt die Mutter der Massen. Uns trägt ihr mächtiger Arm.

Refrain: Die Partei, die Partei, die hat immer Recht! Und, Genossen, es bleibe dabei; Denn wer kämpft für das Recht, Der hat immer recht. Gegen Lüge und Ausbeuterei. Wer das Leben beleidigt, ist dumm oder schlecht. Wer die Menschheit verteidigt, Hat immer recht. So, aus Leninschem Geist, wächst, von Stalin geschweißt, Die Partei - die Partei - die Partei.“

Ich habe es in Kinder- und Jugendtagen oft gehört und mich dem Singen in der Schule verweigert, weil mir nie einleuchtete, dass selbst der Sonnenlauf durch die Partei gelenkt wird. Schon als Kind und Jugendlicher!

Also jemand schickt ein Sal, wer auch immer dafür verantwortlich gemacht wird. Was aber hat dieser Tag, den andere nicht haben? Zäsuren der Geschichte. Wende- und Werdepunkte deutscher Geschichte, freudetrunkene und bittere, unser Volk in den Abgrund stürzende.

Am 9. November 1918 wurde durch Phillip Scheidemann in Berlin die Republik in Deutschland ausgerufen. Der erste Demokratieversuch, der nicht lange währte.

Am 9. November 1923 fand der Hitler-Ludendorff-Putsch statt, das Vorspiel zur Machtübernahme zehn Jahre später. Hitler, der Prototyp des Deutschen (groß, blond, von mächtiger Gestalt), vermochte sich als Märtyrer seiner Politik zu inszenieren und wurde von den Etablierten nicht ernst genommen. Das schuf einen Raum, den er weidlich nutzte, wie wir wissen und deshalb nun argwöhnen sollten bei vergleichbaren Tendenzen in unserem Land.

Am 9. November 1938 fand die Reichspogromnacht statt, bei der viele tausend vorgebliche Zivilisten jüdische Geschäfte und Privatwohnungen verwüsteten, aus ihnen viele Wertgegenstände raubten und deren rechtmäßigen Besitzern das Leben nahmen. Dies war der Anfang eines ungehemmten Mordes an den Juden, der sechs Millionen von ihnen bis 1945 das Leben kostete. Viele von ihnen haben im 1. Weltkrieg selbstverständlich für ihr Vaterland den Kopf hingehalten und konnten nicht glauben, dass sie nun für Deutschland Fremde und nicht dazugehörig, ja Volksfeinde sein sollten.

Am 9. November 1989 fiel die unsägliche Mauer, die Deutschland von 1961 an in zwei Teile trennte. Seit 1990 sind wir wieder ein geeintes Deutschland, dank der friedlichen Revolution großer, oft christlich sozialisierter Teile der kritischen DDR-Bevölkerung. Die DDR-Oberen versuchten es euphemistisch eine „Wende“ (Egon Krenz) zu nennen, doch es war eine „friedliche Revolution“, ein radikaler Bruch und Neuanfang.

Seither ist beileibe nicht alles Gold was glänzt, aber wir können uns frei bewegen, frei unsere Meinung sagen (auch wenn das manchmal schwer auszuhalten ist und zuweilen ausgenutzt wird) und werden nicht mehr repressiv überwacht, gegängelt und schikaniert.

Der 9. November ist ein wirklicher Schicksalstag, weil Freud und Leid so nahe beieinanderliegen, wie im richtigen Leben – im kleinen der Familien wie im großen der Staaten.

Umso besorgter muss uns machen, dass die trivialisierende, dämagogisierende Politik einzelner Parteien wieder auf ein Feindschema abzielt, dass den Boden für eine kriegerische Stimmung bereitet. Da wird davon gesprochen, die anderen „vor sich her zu jagen“, obwohl man die Politik dieser anderen 30 Jahre lang mitverantwortet hat und keinen scheint das zu interessieren. Da wird von „Umvolkung“ gesprochen und der intellektuell zart Besaitete schreit mit, obwohl schon die Vorstellung abstrus ist und jeder Grundlage entbehrt. Da wird davon gesprochen, dass es das Land BRD gar nicht gibt und fleißig alle Rechte und finanziellen Vorteile „mitgenommen“ die irgendwie gehen (, ist womöglich im Staatsdienst, um „den Feind“ von innen zu bekämpfen). Die Pflichten überlassen wir den anderen, den Deppen …

Wenn aus politischen Gegnern Feinde werden, müssen wir aufhorchen. Patriotismus und Verbundenheit mit seiner Heimat sind gut und wünschenswert und werden von mir hoch geschätzt. Nationalismus ist die Geringschätzung der anderen Nationen und ist schlecht und feindselig und schafft nichts Gutes. Er führt ins Verderben, darauf hat der französische Präsident am 11.11. zurecht hingewiesen. Wir haben nur deshalb sieben Jahrzehnte Frieden, weil es immer um Ausgleich der Interessen ging, nie jemand alles und die anderen nichts bekamen.

Am 11.11. hat Polen seinen 100. Gründungstag. Ein Volk, dass es schon so lange gibt und schon immer von Russen und Deutschen bevormundet wurde und wohl auch deshalb („als gebranntes Kind“) oft so sperrig ist, hat erst seit 100 Jahren seine Souveränität. Trotzdem wurde es angegriffen, weil die Deutschen ALLES wollten. Heute wollen andere alles für sich, kündigen schon mal an, wer verfolgt werden wird, wenn der „Systemwechsel“ geschafft ist und dabei wird, gerade bei der Spendenaffäre Weidel (https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.drohende-spendenaffaere-in-der-afd-spd-landeschefin-fordert-ruecktritt-von-alice-weidel.cbe0db16-7919-4de4-b202-96b80e57f4e4.html) deutlich, dass auch diese Partei nicht anders ist als alle.

Sie muss ja nicht besser sein, fehlbar sind wir alle, aber sie soll nicht so tun, als wäre sie besser und hätte die „Lizenz zum Jagen“ der anderen. Solche Ankündigungen erweisen sich oft als Bumerang und dann könnte ganz schnell in den Geschichtsbüchern stehen, dass sie selbst ein „Vogelschiss“ der Geschichte waren. Ronald Barnabas Schill grüßt herzlich aus Hamburg.

Wir Christen sind gebeten, der Stadt Bestes zu suchen. Pfarrer Weber hat es in seinem Lichtblick vom letzten Freitag (08.11.) ja aus dem Buch Jeremia zitiert. Dort steht nicht, dass jeder sein Bestes suchen soll oder das Beste für seine Partei (Wahlergebnis, Spendenergebnis, Aufmerksamkeitsergebnis…), sondern dort steht das Beste der Stadt – also für alle. Auch für die, die ich nicht leiden kann, die meine Positionen nicht vertreten, die politisch anders denken usw. …

Wir Christen sind an alle gewiesen, weil wir sagen, dass jeder Mensch ein Ebenbild GOTTes und gleich wertvoll ist. Es gibt kein dahinter zurück, selbst wenn ich es schwer aushalte dies für Menschen zu behaupten, die die Rechte anderer In- und Ausländer mit Füßen treten und von Dingen faseln, die sie nicht bis zum Ende durchdacht haben (können).

Wenn wir in die Geschichte schauen, dann gibt es keine Rassen (ich empfehle die aktuelle Ausstellung im Hygienemuseum Dresden), sondern nur Menschen, die differenziert und überlegt und klug argumentieren oder eben nicht.

Die Erde ist keine Scheibe, es gibt keine guten und keine schlechten, keine richtigen und falschen Menschen. Es gilt für alle, was das Grundgesetz uns deutlich ins Stammbuch schreibt: die Würde des Menschen ist unantastbar! Weil wir GOTTes Ebenbild sind! Aus keinem anderen Grund. Wer das infrage stellt, stellt nur sich selbst in Frage. Ob das jedem der „Lautsprecher“ klar ist?

Ein gesegnetes und nachdenkliches Wochenende wünsche ich Ihnen,

Superintendent Kristóf Bálint

« zur Übersicht

 
Impressum Datenschutz
Volltextsuche
Gemeindesuche
Veranstaltungen Dezember 2018
So Mo Di Mi Do Fr Sa
            01 6
02 26 03 04 1 05 2 06 2 07 5 08 5
09 20 10 11 1 12 1 13 14 2 15 2
16 17 17 18 1 19 20 21 2 22 3
23 9 24 76 25 12 26 12 27 28 29
30 4 31 21          

Hinweis auf ...



Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Datenschutzerklärung
Ok, verstanden