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Andachten

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31.10.2018

Lichtblick

Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.

Er war nicht geistlich arm, denn er war ein intellektueller, ein wortgewandter Titan. Er hatte Leid zu
tragen, vielfach, aber er hat auch Leid über Tausende gebracht Er war nicht besonders sanftmütig,
vielleicht ein wenig in seinen Liedern, aber meistens war er wie ein Bulldozer, ein Berserker, der
gegen seine theologischen Gegner, gegen jüdische Menschen und gegen Araber die furchtbarsten Waffen aus Worten auffuhr, die man sich vorstellen kann. Er dürstete nach nach der Gerechtigkeit Gottes und war selbst gefangen in Selbstzweifel und politischen Ränkespielen. Seine Barmherzigkeit endet oft an seinem Begriff der Wahrheit, wer nicht hineinfiel hatte Pech gehabt. Um ein reines Herz hatte er mit sich selbst gerungen sein Leben lang und musste dann eingestehen:
Ich habe es nicht, ich kann es nicht erreichen.
Er wollte Frieden stiften mit Gott, den Weg zum Frieden aufzeigen und hat doch Familien, Länder
und in seiner Wirkung sogar halb Europa in den Krieg gestürzt.
Er wurde um der Gerechtigkeit willen verfolgt und hat um der Gerechtigkeit andere verfolgt.
Schaue ich auf diesen Mann, dann sehe ich Licht und Schatten. Ich sehe ehrliches Ringen um Jesu Nachfolge und das Gefangensein in sich selbst. Und auch wenn zwischen uns um die 500 Jahre liegen, fühle ich mich diesem Mann nahe und bin abgestoßen zu gleich.
Und doch habe ich mich bewusst auf die lutherischen Bekenntnisschriften ordinieren lassen, als
Warnung und Grundsatz an mich selbst.
Luther war kein Heiliger und kein Teufel. Er war das, wie er selbst den Menschen gesehen hat:
Sünder und Gerechtfertigter, also Gerecht gemachter, zugleich. Gerecht gemacht durch Gott, nicht durch seine eigene Lebensleistung.
Das wir heute die Bibel als Grundlage der Verkündigung der Kirche ansehen, nicht nur als
Evangelische Christen, sondern auch in der katholischen Kirche, in der Orthodoxie und in den
freien Kirchen ist die Errungenschaften der Reformation, der wir heute gedenken. Nicht die
Leistung eines Mannes, sondern die Grundüberzeugung einer ganzen Bewegung, auch dann wenn es weh tut.


Liebe Schwestern und Brüder,
Der Reformationstag ist in der Krise, genauso wie das Christentum in Europa im ganzen. Schon
habe ich diese Woche wieder diejenigen gehört, die sich echauffiert haben, dass viele Halloween
feiern, statt dem altehrwürdigen Feiertag der protestantischen Christen. Eine Konfirmandin sagte im Konfirmationsunterricht zu mir: Ich freue mich auf den Mittwoch, da ist Halloween.
Gemeint hat sie natürlich nicht das Fest, denn das ist ja ein christliches Fest: Der Abend vor
Allerheiligen. Sondern die einfache Freude daran, sich verkleiden zu wollen und einen Abend mit
ihren Freundinnen zu verbringen.
Und sofort war er da: Mein Beissreflex. Ich wollte gerade sagen: Da ist Reformationstag!
Eine Stimme in mir sagte noch schnell genug zu mir selbst: Halt die Klappe! Und hör ihr zu.
Ich bin froh, dass ich diesem Impuls nachgegeben habe. Die christlichen Feiertage bekommen ihre Legitimation nicht dadurch, das ich immer wieder behaupte, dass es wichtig ist sie zu begehen. Das reicht nicht. Das hat niemals gereicht und wird niemals reichen. Der Reformation, einmal im Jahr zu Gedenken, kann ich mir im Grunde genommen sparen, wenn ihre große Wiederentdeckung nicht in meinem Leben Einzug hält: Allein die Beziehung von Jesus zu mir entscheidet über mich, allein die Schrift ist Herausforderung, Leitlinie, Trost und Mahnung in meinem Leben, allein das Vertrauen in Gott, lässt mich gerecht werden, es ist allein aus Gnade, dass Gott mich liebt.


Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.


Die Begegnung mit dem Vertrauen in Christus, das Suchen nach seinem Willen, die lebendige
Beziehung zu Jesus wird Veränderung bringen in meinem Leben und in der Kirche.
Nicht die immer gleichen Behauptungen, der immer gleichen Traditionen oder das ständige
Gejammer, um den Verlust der Relevanz des Christentums in Deutschland und ganz speziell hier im Osten.
Die junge Frau aus dem Konfirmandenunterricht, hat nach diesem Statement über das, worauf sie
sich freut, zusammen mit allen anderen gebetet, wie jedes Mal wenn wir uns treffen, sie hat
gesungen, wie jedes Mal wenn wir uns treffen. Sie hat sich gefreut auf das Konfirmandentreffen, hat sie eine Woche zuvor gesagt.


Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Ecclesia semper reformanda. Auf deutsch in etwa „Die Kirche muss immer reformiert werden“. Ein
besonderes Wort von Karl Barth, dass angeblich auf Augustinus zurückgeht. Nicht das macht es
besonders, sondern die Erkenntnis, dass die Kirche immer wieder beschauen muss wie es das Wort des lebendigen Gottes zu den Menschen bringt, wie die Beziehung zu Jesus durch die Zeit immer wieder neu entdeckt werden muss.
Wo wir neu entdeckt werden muss, wie lebendiger Glaube an Christus gelebt werden kann.
Vergebung unserer Schuld.
Mahnung unserer Verantwortung.
Liebesbeweis von Gott höchstselbst.
Die Reformation muss weiter gehen, zu aller erst in uns selbst.


Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.

Pfarrer Martin Weber, Allstedt

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