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Andachten

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17.08.2018

Lichtblick

Eine Frage der Schuld?

Es ist wohl eine der Urängste des Menschen, dass unter ihm die Erde aufgeht und er von ihr verschlungen wird. Schon wenn wir Bilder von Erdbeben, von wackelnden Wänden und herabstürzenden Gebäudeteilen im Fernsehen sehen, wird uns bang, wie viel bänger erst, wenn plötzlich eine Brücke unter uns einstürzte und uns 45 Meter in die Tiefe risse, Brückenteile auf uns fielen… ich mag es nicht weiter beschreiben. Schrecklich.

Dies wiederfuhr diese Woche Menschen auf einer Brücke mitten in Europa, genauer in Genua. Die Opfer sind noch nicht alle gefunden geschweige denn identifiziert.

Im Mittelalter wurde für diese Situation, die es damals noch nicht geben konnte, weil es solche Brücken und solche Verkehrsmittel noch nicht gab, die Vorstellung vom Höllenschlund in Bilder gesetzt, wie beispielsweise von Joos van Craesbeeck (Antoniusbild) oder auf dem Bild über dem Altar der St. Spiritus-Kirche zu Badra, freilich dort auf das Ende des Lebens und das Gericht am Jüngsten Tage bezogen.

Sogleich wird heute nach den Schuldigen gesucht: die Erbauer der Brücke - war der Beton korrekt gemischt? Die Genehmigungs- und Abnahmebehörden? Die private Betreiberfirma der Autobahn Autostrade per l‘Italia, so der Verkehrsminister Danilo Toninelli? Die Firma, die die Brücke in jährlichen Intervallen untersuchen muss? Die Politik, die nicht genügend in die Infrastruktur steckt? Der Steuerzahler, der sich um Steuern drückt und dem Staat durch geschicktes Nutzen von Schlupflöchern entzieht oder ihn sogar betrügt? Schlussendlich die EU, wie Innenminister Matteo Salvini auch noch zu sagen wusste? Fehlt nur noch einer, der ein Warum?-Schild in die Kamera schiebt und GOTT anklagt. So viel Schuldige und so viele, die nun wirklich nichts dafürkönnen.

Wir sind Meister der Anklage und des schnellen Urteils. Dabei vergessen wir, dass wer mit einem Finger auf andere zeigt, zugleich drei Finger auf sich selbst richtet. Dessen eingedenk, sollten wir schnell unsere Hand wieder senken.

Ich glaube, dass dahinter ein grundlegendes Problem steht, dem ich heute nachdenken möchte. Es gibt keine Sicherheit, die von und aus uns Menschen rührt. Die einzige Sicherheit die es gibt ist, dass nichts sicher ist.

Zwar leben Versicherungsunternehmen hervorragend von den Policen, die die Menschen zahlen um sich gegen/für alles Mögliche zu versichern um im Eintrittsfall oft zu erleben, dass gerade dieser Fall „leider“ nicht abgedeckt ist.

Zwar versprechen sich Menschen die ewige Treue und erleben, dass das Versprechen nur wenige Jahre hält.

Zwar können wir uns inzwischen die Clubkarte von Herta BSC als lebenslange Dauerkarte tätowieren lassen und damit ewige Treue schwören und dennoch erleben, dass diese mit dem Abstieg hinfällig ist, wenngleich auch nicht das Tattoo.

Wirklich frei ist der, der nicht glaubt an Dinge gebunden zu sein, der sich in Freiheit bindet und nicht, um sich eines Ehepartners zu versichern, einen Lebensluxus zu erschaffen, ein Treueversprechen (eines Fußballclubs) zu erkaufen.

Jede Bindung die wir eingehen kann morgen schon vorbei sein. Ein Erdbeben, eine Schlammlawine o. a. kann mit einem Mal alles vernichten, was wir uns in dutzenden Jahren aufgebaut haben. Die Unachtsamkeit einer Sekunde, kann im Autoverkehr das ganze Leben oder die Gesundheit kosten. Eine Feuersbrunst wie an der A9, an der Algarve oder in Kalifornien kann in wenigen Minuten das Leben und die Geschichte ganzer Familien auslöschen. Nichts ist sicher.

Wer dies begriffen hat, kann wirklich frei sein. Das klingt paradox, ist aber wahr. Wenn nichts auf der Welt uns letztgültige Sicherheit gibt, dann muss sie andernorts zu finden sein. Doch zuerst noch ein gedanklicher Zwischenschritt: muss uns das fatalistisch machen? Nein, wir können die schönen Seiten des Lebens durchaus genießen, die Fahrt mit dem Fahrrad, das planschen mit den Kindern im Kinderpool und vieles mehr. Aber wir werden es mit anderen Augen sehen, wenn wir es nicht für selbstverständlich und (abge)sicher(t) halten. Wir werden dankbarer und lernen es neu zu schätzen als unseren „wahren Schatz“. Wir werden uns auch gern und freiwillig an Dinge binden im Wissen um ihre Vorläufig-, Unverfügbar- und Kostbarkeit und Unsicherheit.

Im Johannes-Evangelium steht im 8. Kapitel folgender Vers: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. (31f)“

Wahre Sicherheit ist also von Menschen nicht herstellbar, aber sie kommt Menschen zu, die sich auf GOTT einlassen. Die von ihm mehr erwarten als von Menschen. Nicht die Erfüllung ihrer (selbstbezogenen) Wünsche, sondern dass ER sie begleitet, bewahrt, führt.

Das sieht nicht immer so aus, dass wir es gleich erkennen. Manches Mal meinen wir „von GOTT und allen guten Geistern verlassen zu sein“. Doch wer sich GOTT anvertraut gewinnt große Freiheit. Selbst dann, wenn sie nicht gleich offenbar ist.

Das gilt selbst dann, wenn wir schier zu (ver)zweifeln drohen, weil Dinge passieren, die wir kaum aushalten. Unsere Einstellung wird eine andere: wer sich nicht allein fühlt, geht auf andere zu und auf Situationen, vor denen Dritte womöglich zurückschrecken. Der ist sicher in der Wahrheit, die er in dem Wort GOTTes erkennt. Er braucht auch nicht immer recht haben, weil er weiß, die absolute Wahrheit hat keiner von uns aus uns selbst.

Ich wünsche Ihnen an diesem Wochenende Zeit darüber nachzudenken, was Ihnen Sicherheit gibt und an welchen Stellen Sie merken, dass es Dinge des „Habens“ nicht sind. Vielleicht gelingt Ihnen eine Neujustierung im Leben, vielleicht ein gutes Gespräch mit einem Menschen Ihres Vertrauens, vielleicht ein Gebet und die Bitte an GOTT, „lass mich auf Dich bauen und schenke Du mir Sicherheit. Lass mich Deine Wahrheit erkennen.“ Sie werden merken, diese Wahrheit wird Sie frei machen.

Ein gesegnetes und nachdenkliches Wochenende wünsche ich Ihnen,

Superintendent Kristóf Bálint

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