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19.10.2018

Lichtblick

Sich erinnern tut gut

Haben Sie Ihre Urlaubsfotos aus dem Sommer schon alle sortiert, als Fotobuch oder Album fertig gestaltet?  Ich für meinen Teil nehme mir das jedes Jahr wieder vor. Wenn es erst einmal abends früher dunkel wird, dann ist doch Zeit dafür. – Wie gesagt, ich nehme mir das immer wieder vor.

Jedes Mal, wenn ich damit anfange, geschieht das Gleiche: Ich schwelge in Erinnerungen. Bei älteren oder gar alten Fotos überlege ich, wer die Personen darauf sind und wo genau das war. Wie lange ist das her? Zum Glück ist oft genug auch noch die Erinnerung da: „Weißt du noch, damals …!?! So eine Frage kann zu einem langen und durchaus angenehmen Gespräch führen. So werden vergangene Zeiten wieder ein Stückchen lebendig. Ich denke, man braucht das von Zeit zu Zeit, schon um sich zu vergewissern: Es ist nicht alles weg, was früher war. Ein Stück vom Vergangenen habe ich  mir – in meinem Herzens-Gedächtnis -  bewahrt.

Erinnern tut gut. Je älter man wird, desto mehr Vergangenheit hat man und umso wichtiger wird, was einmal gewesen war. Manchmal zuckt man aber zusammen, wenn man sich die Zeiträume bewusst macht. „Ach, das ist schon so lange her??? Das ist kaum zu glauben! Es fühlt sich an, als wäre es letzte Woche, vielleicht letztes Jahr gewesen, aber doch nicht schon 8 Jahre her! Das hätte ich nicht gedacht!“

Nun gibt es aber durchaus auch Zeiten, an die man sich nicht gern erinnert, die man lieber vergessen möchte. In Gesprächen höre ich dann manchmal: „Frau Pfarrer, das sagen sie aber nicht bei der Beerdigung. Das vergessen wir lieber!“ Ich kann das verstehen und halte mich daran. Aber sind die Dinge vergessen, nur weil sie nicht erwähnt werden?

Es gibt einige wenige Menschen, die haben ein absolutes Gedächtnis. Sie erinnern sich an wirklich alles. Jill Price aus Kalifornien ist so eine Person. Seit  ihrem 8. Lebensjahr erinnert sie sich an jeden Tag, jede Begebenheit zu jeder Stunde. Im ersten Augenblick mag das wunderbar klingen. Nie mehr vergessen, was auf dem Einkaufszettel steht, Geburtstagswünsche  müssen nicht mehr nachträglich überbracht werden, … Aber sie selbst sieht darin ihre größte Belastung. „Stell dir vor, du erinnerst dich an jeden Streit, an jede Enttäuschung, an alle deine Fehler, … -  und du kannst es nicht vergessen!“  Da bekommt man schnell eine Ahnung davon, dass Vergessen durchaus auch gnädig sein kann.  Wie gut tut es wenn einer sagt: „Das ist vergeben und vergessen!“ Nur so wird ein Neuanfang möglich.

Erinnern und Vergessen sind auch für den Glauben interessante Dinge. Kann Gott vergessen? Wenn ich den Psalm 25,6 lese, dann scheint es nötig zu sein, ihn gelegentlich daran zu erinnern. „Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind.“  Wenn Gott uns sagt: „Das ist vergeben und vergessen!“, dann hießt das, dass seine schlechten Erinnerungen an uns gelöscht sind. Es erinnert mich aber auch daran, mir seine Barmherzigkeit ins Gedächtnis zu rufen, mich an all das, was ich schon Gutes erfahren habe, zu erinnern.  Vielleicht hilft da auch manchmal, schlechte Erinnerungen zu relativieren und sie doch im Gedächtnis weit nach hinten schieben zu können. Denn Erinnern tut gut, gerade wenn ich die Zusage habe: Gott erinnert sich an mich und meine Geschichte. Ich bin bei ihm nicht vergessen! An solch ein Erlebnis erinnert man sich gern: Weißt du noch, damals …? Und man kommt ins Gespräch über ‚Gott und die Welt‘.

Fürs Wochenende wünsche ich Ihnen viel Zeit für Erinnerungen und liebe Menschen mit denen sie diese teilen können.

Pastorin Steffi Wiegleb, Ev. Pfarramt Kyffhäuserland

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