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Andachten

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20.12.2019

Lichtblick

Immer wieder neu…

Wir telefonieren oft in den letzten Tagen.

Vielleicht um den Rummel von Weihnachten zu teilen und zu wissen am anderen Ende verstanden zu werden.

Und dann stellen wir fest, dass uns die Geschichte von Weihnachten immer noch anrührt und wir sie erzählen.

Immer wieder.

Gern.

Immer wieder.

Neu.

Als wäre es erst gestern passiert.

 

Er erzählte sie an diesem Abend so:

Es war wie immer.

Nach dem Gesummse des Abendbrotes und den Zahnputzorgien.

Nach dem Hin und Her zwischen Alltagskleidung und Schlafanzug liegen sie alle im Bett.

Er mit seinen Kindern.

Seine Frau ist zur Flötenprobe.

Und dann ist die heilige Zeit.

Im Advent ist diese Zeit noch ein bisschen heiliger.

Das liegt wahrscheinlich an den tausend Sternen in der Wohnung.

Oder auch an dem Weihnachtsbaum vor dem Abendfenster.

Oder überhaupt an diesen ganzen kleinen Geheimnissen.

Und an den großen Geheimnissen, von denen keiner eine Ahnung hat.


Und Konrad sagt: „Papa, erzähl!“

Eigentlich hat er keine Lust.

Es war den ganzen Tag wieder Weihnachten ohne Ende.

Und die Predigt muss auch was werden.

Aber jetzt will er nicht sagen, dass er keine Lust hat.

Er fängt an, die eine Geschichte zu erzählen.

Eine so vertraute.

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot …

 

Und er erzählt und erzählt.

Heute quakt keiner dazwischen.

Wer sie von außen gesehen hätte, könnte sagen: ‚Wow, was für eine fromme Familie!’ Das denke er jedenfalls.

Aber spätestens bei der Geschichte von der Geburt merke er, dass ihn die Geschichte gepackt hat.

Er hat das mindestens schon sechsundvierzigmal gehört.

Und sein Sohn auch schon ein paar Mal.

Aber jetzt ist es so, als wäre das ganz richtig.

Er erzähle ihnen weiter.

Alles hat seinen ganz eigenen Klang.

Sie liegen vor der Nachtischlampe wie vor einem Lagerfeuer.

Und während er erzählt, denkt er daran, dass die Geschichte irgendwann auch mir zum ersten Mal erzählt worden ist:

Die Engel erzählten es den Hirten, damit sie sich auf den Weg machen.

In einem Kinderbuch, das er als Kind besaß, hat er sich immer darüber geärgert, was der eine Hirte für eine blöde Mütze aufhatte.

Und während er das denkt, krabbelt er seinem Sohn den Rücken.

Er spürt die Gänsehaut, und weiß genau, wie Konrad diesen Moment genießt.

Vaters tiefe Stimme mit der längst bekannten Geschichte.

 

Dann kehren die Hirten wieder um, preisen und loben Gott.

Und Konrad sagt: „Kannst Du’s nochmal erzählen? Genau so?“

Und er fängt wieder von vorne an.

Erzählt sie so – als würde er es das erste Mal tun.

 

Und bald erzähle ich sie euch.

Die Geschichte vom ersten Weihnachten im Stall.

Damit ihr sie weitertragt in die Welt.

Damit sie bleibt.

Einmalig.

Besonders.

 

Viktoria Bärwinkel, Pfarrerin in & um Sondershausen

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