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22.08.2019

Lichtblick

Gottes Volk kennt keine Grenzen

Am kommenden Sonntag begeht die Evangelische Kirche den sogenannten „Israelsonntag“. Wir gedenken an diesem Sonntag der spannungsvollen Geschichten zwischen Juden und Christen, die sich auf den gleichen Gott berufen. Wir gedenken der bis heute andauernden Verfolgung und Anfeindungen von Jüdinnen und Juden, die auch von den christlichen Kirchen befeuert wurden. Verfolgungen und Anfeindungen, die in den schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte gipfelten. Und wir stellen uns als Kirche unserer historischen Verantwortung und bekennen, dass die Erwählung des jüdischen Volkes bleibend und nicht hinfällig ist.
Erinnern tut not, sich der Schuld zu stellen ist wichtig, weil menschenverachtendes Gedankengut wieder um sich greift und einen Platz findet mitten in unserer Gesellschaft. Gedenken und erinnern schließt eine Selbstvergewisserung mit ein: Wie hätte ich mich verhalten? Hätte ich widerstanden?  Wie halte ich hasserfüllten Parolen unserer Tage stand?

„Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!“ (Psalm 33,12)

Der Wochenspruch des Israelsonntages spricht vom „Volk Gottes“. Wie schnell ist das gesagt – und wie oft will mir die Rede vom „Volk“ nicht über die Lippen: Zu ausgrenzend, zu abgrenzend kommt mir dieses Wort bis heute vor. Auch Gott ist in solche Rede einbezogen und vereinnahmt worden. „Gott mit uns“ stand auf den Koppelschlössern deutscher Soldaten bis 1945. Mit Gott ist aber kein Krieg zu machen. Denn auf der anderen Seite stehen keine Feinde, sondern Menschenkinder, die er liebt. Wenn der Wochenspruch vom „Volk Gottes“ spricht, dann eröffnet er eine andere Perspektive als die der Aus- und Abgrenzung. Gottes Volk kennt keine Grenzen. Die Zugehörigkeit zu Gott kennt nur einen Maßstab – „die Liebe“. „Gott ist die Liebe“, bezeugt die Bibel. Die Liebe aber ist weltumspannend und universal. Die Liebe (Gottes) lädt jeden Mensch ein – egal woher er kommt, egal zu welcher Nation oder Ethnie er sich zählt. Zu Gottes Volker gehört, wer sich durch seine Liebe einladen, verwandeln, anstecken und leiten lässt. „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen und deinen nächsten wie dich selbst.“ Das ist das wichtigste Gebot der jüdischen und christlichen Bibel. Der Liebe gilt der Gehorsam von Jüdinnen und Christen. Das ist kein blinder gehorsam, sondern ein kreativer und fantasievoller. Er nimmt den anderen Menschen in den Blick, er spürt auf, was ihm fehlt.

Gottes Volk setzt nicht auf die Macht von Waffen, Armeen und Generälen, sondern auf die subversive Kraft der Liebe. Sie unterläuft Hass durch Herzlichkeit. Feindseligkeit durch Freundschaft. Sie öffnet Türen, Herzen und Hände und sieht im anderen Gottes Kind. Krieg, Ausgrenzung und Hass sind mit Gott nicht zu machen. Gottes Wege führen in den Frieden, in die Liebe, ins Leben. Und er lädt uns, alle seine Menschen, ein, diese Liebes-Wege mit ihm zu gehen.

Zum Abschluss ein Gedicht zu diesen Gedanken:

Subversion von Tina Willms

Umarmt die Verhärteten,
berührt die Zynischen zärtlich.
Spielt mit den Verkniffenen,
tanzt mit den Gleichgültigen.

Den Tatsachen lacht
eure Tränen ins Gesicht.

Beschenkt die Geizigen,
singt Lieder den Knorrigen.
Den Realisten trotzt
ein paar Träume ab.

Unterlauft täglich
die Wirklichkeit.

Verdreht den Hassenden
Augen und Herzen.
Öffnet die Fäuste der Zürnenden
und zeichnet hinein: Schalom! (Frieden!)



Ein nachdenkliches Wochenende voller Liebe wünscht,
Pfarrer Karl Weber (Sondershausen)

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