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Andachten

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27.07.2019

Lichtblick

Pauschal oder Privat …

… das ist für manchen eine entscheidende Frage, wenn es um die Urlaubsreise geht. Vor 158 Jahren gab es die erste Pauschalreise für englische Arbeiter nach Paris. Fahrt, Unterkunft und Verpflegung waren im Preis inbegriffen. Es hat eine Weile – fast 100 Jahre! - gedauert, bis sich diese Reiseform in Deutschland durchgesetzt hat. Jetzt ist es kaum mehr wegzudenken. Sehr deutlich brachte aber auch erst diese Reiseform die Möglichkeit mit sich, dass Millionen von Menschen verreisen und die Fremde kennenlernen konnte. Organisation und Auswahl der besten Ausflugsziele wurde so abgenommen. Hotels, Bahn-, Bus- und Fluggesellschaften konnten große Rabatte gewähren, was den Preis senkte. Man hatte einen Festpreis, auf den man hin sparen konnte.

Wenn das Reisen bis dahin Forschern, Kaufleuten und Seefahrern vorbehalten blieb – und ganz sicher keine Urlaubsreise war – konnte sich nun auch Otto Normalverbraucher auf den Weg in die Ferne begeben. Bis dahin konnte der ‘kleine Mann‘ fremde Länder oft leider nur als Soldat erreichen und sah sich Feinden gegenüber. Jetzt kam er mit Familie als Tourist und fand vielleicht sogar Freunde.

Na klar ist nicht alles nur toll an Pauschalreisen. Manche Urlaubsziele sind so begehrt, dass es eine regelrechte Invasion von Touristen gibt, das individuelle Entdecken der Fremde eingeschränkt ist. Und oft möchte man selbst nicht dort zu Hause sein, wo der Tourismus boomt. Dennoch, die Tatsache, das Gewohnte und Vertraute verlassen zu können, die Schönheit fremder Landschaften und fremder Städte und Kulturen entdecken zu können, wiegt mehr als die Pauschalität. Schon allein weil man entdeckt, dass es nicht nur andere Sitten und Bräuche gibt, sondern auch anderer Arten das tägliche Leben zu gestalten. Ich finde, das ist eine Entdeckung, die nicht nur den Horizont weitet, sondern auch zu mehr Toleranz führt. Es kann dazu führen, einen anderen Blick auf das Gewohnte und Alltägliche zu bekommen und vielleicht das eine oder andere auch infrage zu stellen oder zu ändern.

Wie viele besuchen in der Fremde Kirchen wie Museen und staunen über die Architektur, die Ausgestaltung und die reine Leistung der Menschen, die diese Kirche erbaut und gestaltet haben. Mancher stellt auch fest: Der Prunk wäre mir zu viel, das brauche ich nicht. Ganz ohne jeden Prunk kam Gottes Versprechen an die Menschen in die Welt. Aber selbst da sagen viel: Das brauche ich nicht. Oder liegt es nur daran, dass es fremd (geworden) ist, wie das eigene Land wenn man nur in die Ferne reist? Ganz nach dem Motto: Weihnachten ist es ganz schön, aber dann ist es auch genug.

Gerade wenn man reist, kann die abgegriffene Rede von der „Lebensreise“ neu mit Inhalt gefüllt werden. Niemand bleibt unbegrenzt an den schönsten Orten. Die begrenzte Zeit versucht man so gut wie möglich zu nutzen. An allen Orten sollte man sich die Zeit lassen, selbst auch anzukommen, um etwas davon zu haben. Es geht nicht nur darum, Fotos zu machen, sondern Erlebnisse zu schaffen, an die man sich erinnern kann. Bilder im Herzen sind wichtiger und bedeutungsvoller als die auf dem Handy. Solche Bilder können sogar helfen, den persönlichen Akku wieder aufzuladen. Versuchen Sie das mal mit den Bildern auf dem Handy, wenn der Akku leer ist?! Wenn dann noch dazu aufblitzt, dass all die Schönheit dieser Erde pauschal von Gott angeboten wird, ohne nach Stand oder Leistung zu fragen, dass er seine Liebe pauschal für alle anbietet, dann ist eine entscheidende Einsicht erreicht.

Kann Glaube dann noch reine Privat-Sache sein?

Steffi Wiegleb, Pastorin im Kyffhäuserland

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