zum Inhalt

Sie sind hier: Glaube und Leben > Andachten > Lichtblick

Andachten

« zur Übersicht

27.09.2018

Lichtblick

Von der Liebe: Wann ist die Nacht zu Ende?

Vor langer Zeit lebte ein alter und weiser Rabbi, der für seine schwierigen Fragen bekannt war. Eines Tages war es mal wieder soweit: Der Rabbi saß mit seinen Schülern zusammen in der Mittagssonne und sprach mit ihnen über Gott und die Welt. Das Gespräch nahm seinen Lauf und plötzlich stellte er wieder einer dieser schwierigen Fragen: „Kinder, wie bestimmt man denn den Moment, in dem die Nacht endet und der Tag beginnt?“ Einer der Schüler antwortete: „Vielleicht ist es der Moment, in dem man einen Hund von einem Schaf unterscheiden kann?“ Der Rabbi schüttelte den Kopf. „Oder vielleicht dann wenn man einen Dattel- von einem Feigenbaum unterscheiden kann?“ Der Rabbi schüttelte wieder den Kopf. „Aber wann ist es denn dann?“ Der Rabbi schaute lange in die Runde und antwortete schließlich: „Das Licht des Tages bricht dann an, wenn ihr in das Gesicht eines Menschen schaut und dort Eure Schwester oder Euren Bruder erkennt. Bis dahin ist die Nacht noch bei uns.“

Wie die Schüler des alten Rabbis auf seine Antwort reagiert haben, berichtet diese alte jüdische Geschichte nicht. Ihre Botschaft ist schlicht und deshalb so bezaubernd schön:

Liebe beginnt mit dem wertschätzenden Blick auf meinen Mitmenschen. Er macht aus Fremden Brüder und Schwester. Er verwandelt Gleichgültigkeit in Empathie. Ein liebender Blick zwischen zwei Menschen kann die Nacht in den Tag verwandeln.

Wenn die Bibel von der Liebe spricht, dann denkt sie immer auch an Gott. Gott ist die Liebe. Wer liebt, der lebt mit Gott und Gott lebt mit ihm. Liebe ist mehr als eine moralische Haltung, oder ein sozialethisches Programm. Sie ist ein Gefühl, dass von Gott erzählt und mich zum Handeln treibt. Liebe verlangt Hingabe. Sie lässt sich hinreißen von der Gegenwart Gottes in dieser Welt. Liebe braucht Leidenschaft: Leidenschaft für Gott, für das Leben, für den Nächsten. Liebe wächst, wo ich beginne leidenschaftlich und wertschätzend auf meine Mitmenschen zu schauen.

„Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.“ (1. Johannesbrief 4,21)


Ein gesegnetes Wochenende wünscht,
Pfarrer Karl Weber (Sondershausen)

« zur Übersicht

 
Impressum Datenschutz
Volltextsuche
Gemeindesuche
Veranstaltungen Oktober 2018
So Mo Di Mi Do Fr Sa
  01 02 1 03 2 04 05 3 06 4
07 27 08 09 1 10 11 12 2 13 4
14 20 15 16 1 17 1 18 19 4 20 1
21 17 22 23 1 24 2 25 2 26 4 27 6
28 19 29 30 1 31 4      

Hinweis auf ...



Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Datenschutzerklärung
Ok, verstanden