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13.06.2019

Lichtblick

Gottes Sein blüht gesellig – Über Gottes Vielfalt  
Am kommenden Sonntag feiern die christlichen Kirchen das Dreieinigkeitsfest, in der evangelischen Kirche besser als Trinitatisfest bekannt. „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ – mit dieser Formel beginnt jeder Gottesdienst, mit dieser Formel werden Kinder und Erwachsene getauft und damit in die Gemeinschaft mit Gott aufgenommen. Der eine Gott, an den Christinnen und Christen glauben, begegnet uns in dreifacher Gestalt:
Da ist Gott, der Vater – der Schöpfer des Himmels und der Erde, die Quelle allen Lebens
Da ist Gott, der Sohn – der Mensch wird, uns gleich, für uns leidet und uns erlöst
Da ist Gott, der Heilige Geist – der Lebensatem der Welt, der uns beschwingt und verbindet, der uns tröstet und stärkt.
So würde es die klassische Glaubenslehre formulieren. Der eine Gott in drei Personen, in drei Gestalten. Das ist eine Vorstellung, die seit je her Probleme und Widerspruch hervorruft. Juden und Muslime würde solches nie bekennen, zu sehr bekennen diese beiden Religionen die Einheit und Einzigartigkeit Gottes. Die christliche Glaubenslehre betont aber von Anfang Gottes Einheit einerseits und gleichzeitig Gottes Vielfalt. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes – der eine Gott, der sich in dreifacher Weise uns Menschen zuwendet.

Während ich diese Zeilen schreibe, merke ich wie schwer es mir fällt, die Vorstellung von der Trinität Gottes in griffige Formulierungen zu pressen. Jede Vorstellung, jede Rede von Gott bleibt ein Versuch, bleibt ein Fragment. Wer meint Gott auf eine griffige Formel zu bringen, wer meint Gott in einem Bild fassen zu können, der irrt. Gott ist Vielfalt. Vielfältig in den Bildern und Vorstellungen, die wir ihn von ihm machen. Ein Blick in die Bibel genügt: Da gibt es tausende Bilder und Vorstellungen über Gott. Gott ist Vielfalt. Gott begegnet uns auf vielfältige Weise.
Und deshalb glaube ich, dass die Rede von der Trinität, auch heute noch aktuell und wichtig ist. Denn der Glaube an den einen Gott, der sich auf verschiedene Weise den Menschen offenbart, schützt uns vor einer fundamentalistischen Eindeutigkeit. Die Rede vom drei-einen Gott bringt die Vielfalt in unseren Glauben: Denn jeder und jede glaubt anders. Gott sei Dank!

Gott ist die Vielfalt:
„Gott ist der Liebende, der Sohn der Geliebte, der Heilige Geist die Liebe.“ (Augustinus)
„Gott ist der Erkennende, der Erkannte und die Erkenntnis“ (Chassidische Weiheit)
„Gott ist der Offenbarer, die Offenbarung und das Offenbarsein.“ (Karl Barth)

Oder weniger komplex:
Gott Vater als Betriebsleiter, Jesus Christus als der Vorarbeiter, der Heilige Geist das Betriebsklima.
Oder: Der Musiker, das Instrument, die Musik.

Gott ist die Vielfalt und ist deshalb der Garant für die Vielfältigkeit des menschlichen Seins. Er ermöglicht das bunte Mosaik unserer Welt, liebt alle Teile gleich, steht zu allen Teilen gleichermaßen in Beziehung. Gott ist Vielfalt und tritt so mit der vielfältigen Welt in Beziehung.
Der Schweizer Dichter und Pfarrer Kurt Marti hat ein wunderbares Gedicht über die Trinität geschrieben. „Gottes Sein blüht gesellig“ ist es überschrieben und schließt mit den Worten:

Dreieinigkeit?
Entwurf ohne Endgültigkeit.
Gott ist Liebe, will er sagen,
Gottes Sein blüht gesellig,
»Seine Liebe wandelt
in immer frischem Trieb
durch die Welt.«

Ein Wochenende voller Beziehung und Vielfalt wünscht Ihnen
Pfarrer Karl Weber (Sondershausen)


 

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