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Andachten

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26.04.2019

Lichtblick

Nicht sehen und doch glauben

„Ich glaube nur, was ich sehe“, sagen viele Menschen. Und damit ist dann die Frage nach Gott vom Tisch. „Beweisen Sie mir erstmal, dass es Gott gibt, dann können wir weiter diskutieren, Herr Pfarrer“. Die Frage nach Gott ist vom Tisch und das Leben ist auf das Hier und Jetzt beschränkt.

„Ich glaube nur, was ich sehe“, und die Frage nach Gott ist vom Tisch. So weit so gut.
Aber glauben Sie an den Wind? Oder sehen Sie (nur) seine Auswirkungen?
Glauben Sie an die Liebe? Oder spüren sie (nur) das gute Gefühl in Ihrem Herz?
Glauben Sie an das „Gute“ im Menschen? Oder kennen sie (lediglich) Menschen, die diesem Ideal nahekommen? … Vieles in meinem Leben und dieser Welt kann ich wissenschaftlich erklären und mit meinem Verstand erfassen und das ist gut. Denn was ich mit meinem Verstand fassen kann, das kann ich be-greifen und das Bestand. Aber es gibt gleichzeitig mindestens genau so vieles, was ich nicht auflösen kann in Gleichungen und Naturgesetzen. Es gibt so vieles in meinem Leben was ich nicht be-greifen und verstehen kann. Und dann sind wir meistens bei den großen Fragen des Lebens.
Bei der Frage nach Sinn oder Unsinn unserer Existenz. Bei der Frage nach Liebe und Gemeinschaft. Auch bei der Frage nach Gott und meinem Glauben.

Und diese Fragen die passen oft nicht in das Schema von wahr und falsch. Passen nicht in das Schema von Gleichungen und Naturgesetzen. Liebe zum Beispiel, ist für den Naturwissenschaftler nicht mehr als Zusammenspiel von Neuronen in unserm Gehirn. Das mag stimmen, aber jeder der schon mal geliebt hat oder liebt, der weiß dass Liebe viel mehr ist. Das Leben ist für die Naturwissenschaft eine Abfolge von gewissen biologischen Prozessen. Tod und Krankheit lassen sich medizinisch erklären. Aber wir alle wissen, dass unser Leben mit seinem Glück und seinen Unglücken die Erkenntnis der Naturwissenschaftler übersteigt.

Es gibt neben der Sphäre des „Wissens“ und des „Erklärens“ eine weitere wichtige Sphäre. Es ist die Sphäre des „Erlebens“, des „Verstehens“, des „Glaubens“. Glauben und Wissen sind zwei Seiten einer Medaille, die beide dazu beitragen unser Leben und diese Welt zu ergründen. Das heißt natürlich nicht, dass alle Menschen automatisch religiös sind oder die Frage nach Gott sofort mit „Ja“ beantwortet werden muss. Es heißt aber sehr wohl, dass wir Menschen in unserem Leben mit Fragen und Problemen konfrontiert werden, deren Antworten sich eben nicht „wahr“ und „falsch“ auflösen lassen. Fragen, die eine Beschäftigung provozieren. Fragen, die uns zu Antworten drängen, die durchdacht sind. Es gibt Dinge mit denen wir leben und von denen wir leben, die sich nicht logisch erklären oder gar beweisen lassen. Denken Sie an die Liebe…

Der erste Sonntag nach Ostern (lateinisch: „Quasimodogeniti“ – „Wie die neugeborenen Kinder“) erzählt davon, wie Jesus den Zweiflern und Skeptikern entgegenkommt. Er lässt sich anfassen, damit sein Jünger Thomas be-greifen kann, was passiert. Er teilt mit den anderen Jüngern Brot und Wein, damit sie schmecken können, dass er wirklich da ist. Und so konnten die Jünger glauben, was sie nicht sahen: eine unsichtbare Gemeinschaft mit Christus. So kann ich glauben, dass wir schon jetzt Anteil haben an seinem, dem neuen Leben.

Wie oft wünsche ich mir, dass sich mein Glauben verstehen ließe, wie eine mathematische Gleichung. Und das betrifft vor allem den Glauben an die Auferstehung. Daran, dass der Tod besiegt ist. Daran, dass das Leben siegt. Daran, dass meine Hoffnung nicht vergebens ist.

Wie oft wünsche ich mir meinen Glauben beweisen zu können wie eine mathematische Gleichung. Wahr und nicht falsch. Der Glaube (an die Auferstehung) aber richtet sich nicht auf beweisbare Tatsachen. Er ist ein Vertrauensakt.

„Darf man das glauben? Lässt sich das beweisen?“

„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“, antwortet Jesus. 

Ein Wochenende voller großer Fragen, wünscht…
Pfarrer Karl Weber aus Sondershausen

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