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Andachten

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15.02.2019

Lichtblick

„…und ich, ‘ne Maid, am Fensterschlag, will sein eur‘ Valentin…“

Gestern war er also, der von Vielen geschmähte, von manch einem mit Vorurteilen belegte Valentinstag. „Eine Erfindung der Geschenkeindustrie“, „ein Feiertag für die Blumenhändler“, „ein Alibitag für die Männer“ und vieles mehr können wir dazu hören.

Dabei ist er nach einem Heiligen genannt, einem italienischen Bischof von Terni in Umbrien, der weder dem Kommerz noch den Blumenhändlern sonderlich nahestand. Wie kam es also zu diesem Tag, zumal er doch Priester und unverheiratet war?

Fest steht, dass es keine historischen Belege gibt, die wir gemeinhin für das Maß der Wahrheit halten. Ist deshalb nur wahr was schriftlich bezeugt ist? Auch da gibt es Fälschungen, Ausschmückungen, bewusst Verdrehtes… Vieles ist in Legenden überliefert, die sicher manches ausschmücken, aber die Wahrheit als Kern bewahren.

So soll Valentin von Terni den Sohn eines Athener Redners von einer gekrümmten Wirbelsäule geheilt haben. Zudem gilt der 14. Februar 268 nach Christus als der Tag, an dem Valentin in Rom den Märtyrertod fand. Hier kann es sich aber auch um einen anderen Valentin handeln, der als Priester zu dieser Zeit in Rom lebte und am 14.02.269 den Märtyrertod starb. Auch er tat Wunder, so soll er ein blindes Mädchen geheilt haben. Hilfe und Trostsuchenden soll er eine Blume (Rose) geschenkt und Liebespaare nach christlichem Zeremoniell getraut - trotz eines Verbotes von Kaiser Claudius II.- haben.

Ein schrecklicher Anlass wie seine Enthauptung für einen solch fröhlichen Tag? Wie passt das zusammen?

Eine weitere, durchaus plausible Erklärung bietet die Geschichte, dass Bischof Julius I. Mitte des vierten Jahrhunderts eine Basilika mit Geld eines Valentin am 2. Meilenstein der Via Flaminia bauen ließ, die deshalb Valentini hieß und später als Grablege des Valentin umgedeutet wurde.

Die Verehrung des Valentin ist schon im Altertum bezeugt. Wie Nikolaus und Martin wurde er volkstümlich verehrt. Junge Paare wurden durch das Los füreinander bestimmt und verlobt. Nach einem Jahr durften sie dann heiraten.

Wohl deshalb wird Valentin bis heute in vielen (vorwiegend katholischen) Ländern verehrt. Seine Kopfreliquie wurde 1651 von Rom nach Monselice bei Padua verbracht, wo sie bis heute im Santuario delle Sette Chiese verehrt wird.

Aber auch in England ist er bekannt, selbst Shakespeare hat ihn mit Ophelia im „Hamlet“ verewigt (siehe Überschrift). Er gilt als Patron der Liebenden und als Heiliger der Zärtlichkeit. Seine Zeichen sind Rosen und Herzen.

Das um den Tag herum entstandene Brauchtum verdankt sich vermutlich der ursprünglich an diesem Tag gefeierten römischen Göttin Juno, die als Schutzgöttin der Ehe und Familie verehrt wurde. Schon damals wurden den Frauen Blumen geschenkt, es ist also keine Marketingidee der Blumenhändler, die aber sicher nicht böse über dieses Brauchtum sind und uns die Rosen an diesem Tag lieb und vor allem teuer machen.

Was macht diesen Tag so besonders? Als evangelischer Christ ist mir der Heilige nicht näher als andere. Eine bekannte Persönlichkeit der Jetztzeit in Sondershausen hat an ihm Geburtstag (GOTTes Segen Willi), Valentin ist mein Namenstag (die finno-ugrische Form von Valentin ist mein Familienname) aber mehr bedeutet er auf den ersten Blick nicht.

Dennoch: für Menschen denen Anlässe und Jahrestage helfen inne zu halten, kann er ein Segen sein. Wofür kann ich meiner Frau/meinem Mann/meinen Eltern… danken und wofür sie mir? Bin ich liebevoll genug und danke ihnen ihre Liebe? Es kann auch Anlass sein, sich auf den Weg in eine Kirche zu machen und sich ganz bewusst unter den Segen GOTTes zu stellen. Gestern war das in der ehemals evangelischen Crucis-Kirche in Sondershausen möglich. Pfarrer Weber und ordinierte Gemeindepädagogin Rode boten an, Paare, die dies wünschten, zu segnen und sie sind gekommen. In einigen Kirchen unserer EKM gibt es das jetzt alljährlich und mit wachsender Beliebtheit. Auch gestern war es beim anschließenden Sektempfang einhellige Meinung, „nächstes Jahr wieder“.

Sich neu in die Augen zu sehen und liebevoll zu sagen: „Ja, ich meine Dich noch immer. Du bist mein Augenstern, meine Sonne“

Dafür lohnt es sich auf jeden Fall, dem Valentin zu danken, auch wenn sein 14. Februar kein schöner Tag war. Der gestrige war es in jedem Fall, mit schönen Liedern, einfühlsamen Texten, einem stärkenden Segen und dem immer wieder wahren Wort Erich Frieds auf den Lippen – selbst auf dem Nachhauseweg:

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Den Abend gestern haben Sie womöglich verpasst. Verpassen Sie aber nicht das Leben und die Liebe. Sie ist oft näher als wir denken. Und nächstes Jahr ist wieder eine Gelegenheit, dann endlich dabei zu sein. Am besten jetzt schon in den Kalender eintragen: 14. Februar, 19.30 Uhr Cruciskirche. Bis dahin. Spätestens. Gern auch schon früher, in einem der nächsten Gottesdienste, in denen wir auch die Liebe und das Leben feiern. Miteinander. Am liebsten gemeinsam.

Ein liebevolles und nachdenklich-dankbares Wochenende wünsche ich uns,

Superintendent Kristóf Bálint, Bad Frankenhausen

(Überschrift aus Hamlet 5. Szene, Ophelia)

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