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31.05.2019

Lichtblick

Die Liebe GOTTes hebt alles auf

Nun hängen sie nicht mehr oder werden/wurden abgenommen – die Plakate zur Wahl. Vom Klassenkampf stalinistischer Prägung bis zu dumpfen Parolen dunkelbrauner Couleur war alles dabei. Uns wurden damit unsere Augen und Hirne verschmutzt.

Klar, Wahlkampf auf Plakaten muss „plakativ“ (im Sinne von: „auf ein Plakat passen“ und „einprägsam“) sein, auf engstem Raum einer Botschaft Ausdruck geben. Dass muss nicht unbedingt vernünftig sein oder gar auf vernunftbegabte Texter schließen lassen. Es sollte aber nicht so sehr verkürzen, dass die Botschaft und ihr Wahrheitsgehalt kaum erkennbar sind. Schon gar nicht sollte sie die Intelligenz der Wahrnehmenden/Konsumenten dieser Botschaft beleidigen. Das ist aber geschehen und ich finde das außerordentlich beklagenswert.

Ich persönlich bin dankbar, dass wir alle in einer Demokratie leben und sagen dürfen was wir denken. Viele dieser geäußerten plakativen Sätze auf Wahlwerbungen hätten in den Diktaturen der Nationalsozialisten oder der des Proletariats zur sofortigen Inhaftierung der „Plakatierenden“ geführt. Insofern können alle für die Freiheit dankbar sein.

Aber eine der klügsten Kommunistinnen hat gesagt: „Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden“. Das haben z.B. die Herren Hitler, Stalin, Pol Pot, Mao Zedong, Walter Ulbricht und Erich Honecker allzu leicht ausgeblendet. Auch Sie wollten Meinung zu ihren Gunsten gestalten und jedes Mittel war Ihnen dafür recht.

Wenn wir aber das Recht haben, unsere Meinung zu sagen, dann sollten wir dieses Recht nicht mit Füßen treten und uns gegenseitig für dumm verkaufen wollen. Ich möchte das an nur einem Beispiel veranschaulichen.

Eine Partei, die für besonders verkürzten Informationsgehalt und nicht für geistigen Tiefgang bekannt ist, plakatierte „Stoppt die Invasion. Migration tötet!“ Das sind fünf Worte, die es auf Ihren Wahrheitsgehalt hin zu prüfen gilt. In drei Wortgruppen will ich das tun.

Invasion kommt von invadere (dt. eindringen) und bedeutet lexikalisch „feindliches Einrücken von militärischen Einheiten in fremdes Gebiet“ (Duden). Es fand kein militärisches Einrücken von Einheiten nach Deutschland statt. In der Schule hieße es: Thema verfehlt! Sechs. Setzen!

Das Wort „Stoppt“ vermittelt den Eindruck, dass es sich um ein aktuell drängendes Problem handelt, dem augenblicklich Einhalt geboten werden muss, weil sonst Gefahr dräut. Die Aushebung von jungen und wehrfähigen Männern zur Verteidigung wäre logische Konsequenz eines solchen Aufrufs. Doch weit gefehlt. Wir leben sicher vor uns hin.

Migration tötet. Migration bedeutet, dass eine Wanderbewegung von A nach B stattfindet. Das ist ein Phänomen, dass die Menschheitsgeschichte unentwegt durchzieht. Ohne diese ständige Zuwanderung gäbe es keine gesunden Bewohner.

Auch die meisten von uns sind hierzulande ursprünglich Fremde, denn die Sprachfamilie, der die meisten von uns angehören, ist indo-europäisch, was nichts geringeres heißt als: dass sie aus Indien stammt (wie übrigens auch das unselige Zeichen der Nazis, das eigentlich ein Sonnenrad symbolisiert und in Indien „Swastika“ heißt) wie ihre Sprecher. Von den Slawen, den Hunnen, den Langobarden, den Magyaren, den Galliern u.a. ganz zu schweigen, die auch in unserem heutigen Gebiet siedelten und nach und nach zu Deutschen wurden, als das Reich so genannt wurde.

Es gibt Menschen die behaupten, dass jeder von uns mindestens einen sogenannten „Ausländer“ in seinem Stammbaum hat. Vermutlich sind es viel mehr. Bei manch einem verrät es schon der Name, bei anderen nicht (so waren z.B. Elisabeth von Thüringen, Martin von Tours und Franz Liszt eigentlich Ungarn).

Soviel zu den Satzgliedern. Nun zum Inhalt. Vor Ostern hatte ich ernste Zahnprobleme. Es war Gründonnerstagnachmittag. Meine Zahnärztin war schon nicht mehr erreichbar. Was tun?

Ich fand eine Notfallzahnärztin und sie rettete mich in meiner Situation, die in einem Sprechberuf besonders unangenehm ist. Nach der Behandlung, die außerordentlich zuvorkommend, hilfreich, hochprofessionell und freundlich war, fragte ich nach Ihrer Herkunft: sie sagte Libyen. Was hätte ich nur ohne sie gemacht?

Was würden die Eltern des kleinen Jungen tun, die keinen anderen Kinderarzt finden als den hier lebenden bulgarischen, der sich ihres Kindes annimmt und ihm hilft? Was die geplagte Mitsechzigerin, ohne den behandelnden griechischen Proktologen?

„Migration tötet“ beleidigt den Intellekt jedes Menschen, der einen besitzt. Es ist nicht nur in seiner Verkürzung eine Zumutung, sondern auch durch und durch falsch. Leider hat das der Innenminister erst sehr spät gemerkt.

Was wären wir ohne die Ärzte aus Weißrussland, die Erntearbeiter aus Rumänien und die Musiker aus Asien in unseren Orchestern? Viele Zweige des öffentlichen Lebens, der Medizin und der Kultur brächen doch zusammen, weil deutsche Ärzte lieber andernorts Geld verdienen (nicht nur, weil es andernorts z.B. in England oder Skandinavien mehr davon, sondern weil es auch mehr intellektuelle Weite gibt). Weil keine Deutscher gern zehn Stunden am Tag in gebückter Haltung Erdbeeren pflückt oder Hopfen pflanzt und pflegt. Weil Musiker aus Asien (aber auch aus Rumänien u.a. Ländern, siehe Loh-Orchester) hierherkommen, weil sie von unserer Kultur fasziniert sind. Und was erleben Sie? Eine Unkultur, die in fünf Worten alle Achtung vor diesen Werten zu vernichten droht, für die die Deutschen einst berühmt (nicht berüchtigt) waren. Ist das nicht eine Schande? Tötet das nicht Kultur und jeden Respekt vor den Deutschen?

Wir leben in einer Zeit, in der es uns, verglichen mit vielen Epochen der Geschichte Deutschlands, noch nie so gut ging wie jetzt. Die Ältesten von uns kennen noch die Rede vom „Erzfeind Frankreich“. Nun leben wir 70 Jahre friedlich und plötzlich meinen manche, dass sie wieder zuerst und ausschließlich auf ihr Vaterland schauen müssen. Wohin hat das bisher in der Geschichte geführt?

Wir haben vor dreißig Jahren die Mauer eingerissen, nun wollen manche sie wieder aufbauen. Zuerst in den Köpfen, dann in den Herzen, zuletzt aus Stein („Betonköpfe“ überspringen auch die ersten beiden Schritte).

Am Montag dieser Woche hat Frau Anne-Kathrin Neuberg-Vural in der hier am meisten verbreiteten analogen Tageszeitung einen sehr guten Artikel zur Gewalt durch Worte geschrieben. Sie bezog das auf Kinder und ihre (V)Erziehung mittels psychischer Gewalt. Nichts Anderes sind solche Unwahrheiten auf Plakaten. Sie schüren Gewalt, Hass und Angst und bauen nichts auf. Schon gar nichts Gutes. Was für Kinder schlecht ist, ist es auch für Erwachsene. Mir ist absolut unbegreiflich, wie sich Menschen, denen es, verglichen mit dem Großteil der Weltbevölkerung, so gut geht, soviel Angst vor der Zukunft machen lassen! Wie wenig Selbstbewusstsein drückt sich darin aus!

Ganz anders Jesus, der der Gewalt widerstand und sich ihr sogar ergab. Es war menschliche Gewalt, geschürt von Menschen, in der Konsequenz ausgeübt von Menschen. GOTT in Jesus Christus wählte diesen Weg, um die Menschen mit sich zu versöhnen und dem Tod die Macht zu nehmen. Der Tod hat dadurch keine Macht über uns, so bin ich überzeugt. Der Tod ist nicht mehr das Letzte, das Ende, sondern nur eine Zwischenstation auf dem Weg zur vollkommenen Einheit bei GOTT.

In diesem Sinne ist auch das Fest Christi Himmelfahrt zu verstehen, dass wir gestern feierten. 40 Tage nach Ostern, fast am Ende der Osterzeit, gedachten wir daran, dass wieder eins wird was seit Weihnachten personell getrennt war (Vater und Sohn). Menschen trafen sich auf einer Waldlichtung am Sandalsteich bei Allstedt, im Schlosspark Sondershausen, bei der Ölmühle zwischen Otterstedt und Bliederstedt, an der 1000jährigen Eiche in Volkenroda, im Pfarrgarten zu Bendeleben und in/an der St. Matthäi-Kirche zu Jecha. Sie versuchen diese merk-würdige (des Merkens würdig) Botschaft zu verstehen und wissen doch, dass es in letzter Konsequenz ein Mysterium ist, eine Frage des Glaubens. Sich auf ihn einzulassen, ist notwendig, aber das müssen wir bei der Liebe auch. Insofern wünsche ich Ihnen, dass Sie sich auf diese Gedanken einlassen, denn GOTT lässt sich auf uns ein. In dieser Liebe ist kein Platz für tumbe, verkürzte, sich selbst der Menschlichkeit beraubende und menschenverachtende Parolen. Unser Leben ist zu kostbar, um es uns durch Hass vergällen zu lassen. Mit dem Wahlergebnis werden wir leben (müssen). Die Liebe GOTTes kann alles aufheben. Lassen Sie sich darauf ein.

Ihr Superintendent Kristóf Bálint, Bad Frankenhausen

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