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16.05.2020

Wort zum Wochenende: Die Kraft der Choräle (Dirk Sterzik)

Die Kraft der Choräle

Mit dem Verbot öffentliche Gottesdienste zu feiern, kam mir die Idee, während der geplanten Gottesdienstzeiten in den Orten Trompete zu spielen. So zog und ziehe ich Sonntag für Sonntag, Gründonnerstag bis Ostermontag durch die Städte und Dörfer. Menschen öffnen Türen und Fenster, winken über den Gartenzaun, Motoradfahrer liken analog und Autofahrer halten an und lauschen. Diese Überraschung trifft die Menschen. Allen rufe ich einen „gesegneten Sonntag“ zu und erkläre mein Spiel als „Ersatz“ für den nicht stattfindenden Gottesdienst.

Mit den Chorälen für den jeweiligen Sonntag gestaltet sich das einstimmige Musikprogramm nach dem Rhythmus des Kirchenjahres. Zum Gründonnerstag „Bleibet hier und wachet mit mir“ und „Das sollt ihr Jesu Jünger nie vergessen“, zum Karfreitag „O Haupt voll Blut und Wunden“   und „O Traurigkeit, o Herzeleid“ währenddessen an den Osterfeiertagen der Sieg über den Tod mit „Christ ist erstanden“ und „Wir wollen alle fröhlich sein“ gepriesen wurde. Auch am Sonntag nach unserem Osterfest grüßte ich noch einmal mit „Frohe Ostern“ und „Der Herr ist auferstanden“, denn dieser Gruß galt orthodoxen Christen denen ich begegnete. Sie feierten an diesem Sonntag das Osterfest.

Oft höre ich Applaus, sehe aber niemanden. Menschen hinter Toren und Mauern hören zu, melden sich mit Dankesrufen zurück, können oder wollen nicht gesehen werden. Vor allem, wenn ich in Altersheime hineinspiele, sehe ich weit weniger Menschen als mich hören.

Aufgefallen ist mir, dass ich nicht darauf angesprochen werde, mit der Musik eine schöne Abwechslung zu bringen. Aussagen wie „Danke, ihre Musik hat mich tief berührt!“ oder „Vielen Dank für die musikalische Gabe.“ bezeugen die Stimmung auf den Straßen und Plätzen. Und es stimmt! Ich fahre nicht von Ort zu Ort, damit für einen Moment Zerstreuung herrscht, wo sonst Langeweile waltet. Ich gehe durch die Straßen, weil ich in der Zeit dieser Krise trotzdem oder eben gerade deswegen mit Zusagen und Trostworten den Menschen etwas zuspielen will. Und es funktioniert: mit unseren Chorälen. Sobald ich das Kirchenlied „Befiel du deine Wege“ spiele, versteht mich mein Gegenüber, wenn er oder sie dieses Lied kennt. Während der Kirchenferne eine musikalische Pause vom Coranaalltag wahrnimmt, findet mit dem Kenner des geistlichen Liedgutes eine Konversation statt. „Von guten Mächten treu und still umgeben“ versteht der sonstige Gottesdienstbesucher als meinen Wunsch von Segen und Behütung in dieser Zeit. Genauso steht unmissverständlich: „Gott ist mit uns am Morgen und am Abend, und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Mir selbst ging in den Tagen dieser schwierigen Situation ein Lied besonders nahe. Mit allen Fragen, wie sich in allen Ungewissheiten für uns Zukunft abzeichnen soll, nahm ich die Worte „Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt“ anders wahr als bisher. Schon in der nächsten Textzeile wird dem Tiefpunkt Karfreitag die Worte „Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt…“ gegenübergestellt. Beeindruckend, diese Kraft der Choräle!

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