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12.11.2022

Wort zum Wochenende

Ende der sechziger Jahre wurde in der DDR - Fernsehen der Film „Vier Panzersoldaten und ein Hund“ ausgestrahlt. Ich war damals zehn Jahre alt. Meine Freude und ich haben diese Serie gerne angeschaut. Waren doch diese fünf Helden auch unsere Helden im Kampf gegen die Nazis. Dass es ein Propagandafilm war, ist mir erst später klargeworden. Schließlich lernte ich in einer sozialistischen Schule. Ganz klar also, wer auf der richtigen und wer auf der falschen Seite war. Diese klare Sicht der Dinge wurde erschüttert, als mein Vater, meine Oma und ich einmal eine Folge zusammengesehen haben. Einer der deutschen Soldaten kam im Kampf ums Leben. Da sagte mein Vater: „Und wieder ist der Sohn einer deutschen Mutter ums Leben gekommen…“ Ich dachte zuerst: „Das kann er doch so nicht stehen lassen… Wir haben doch in der Schule gelernt, wer auf der richtigen Seite war…“ Aber dieser Satz hat gesessen. Denn mein Vater war im zweiten Weltkrieg, wurde verwundet und im letzten Moment gerettet. Seine Mutter hat um ihn und ihren Mann gebangt in dieser Zeit. Sie sind beide nach Hause gekommen.

In diesen Tagen sehe ich keine Kriegsfilme, sondern Berichte vor Ort in der Ukraine. Dabei bin ich hin- und hergerissen. Klar verurteile ich einen Angriffskrieg. Und es scheint auch klar zu sein, wer „angefangen“ hat. Aber ich weiß aus Gesprächen mit älteren Menschen, wie sehr der zweite Weltkrieg noch in den Seelen der ehemaligen Soldaten nachgewirkt hat. Ich habe – noch Jahrzehnte nach 1945 – in Gesprächen mit Frauen ihre Trauer um einen Sohn, den Bruder oder den Ehemann diese Trauer gefühlt. So wird es auch den Müttern in der Ukraine und in Russland gehen. Wenn Sie mich fragen, auf welche Seite wir uns „schlagen sollen“, dann antworte ich: „Auf die Seite der Mütter, die um ihre Söhne und Töchter ihre Männer bangen. Und viele, zu viele müssen schon trauern.“ Ansonsten bin ich wirklich ratlos. Aber dafür hat meine Seele eine gute Adresse. Vor allem bewegen mich zwei Gebete: „O Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens.“ Und Luthers Lied: Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten. Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine.“ Meine Seele hat eine Adresse: JESUS Christus. Er trägt auch den Titel: „Fürst des Friedens“. Der Prophet Sacharja sagt büer ihn: „Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.“ Das macht mir Hoffnung.

Versuchen wir es doch wieder: Dass wir uns mit dieser Hoffnung auf die Seite der Mütter schlagen.

Pfarrer Reinhard Süpke, Pfarrer im Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen

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