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15.07.2022

Lichtblick

Wenn mir jemand sagen würde: „Lauf los, verlasse den Ort an dem du lebst. Pack alles zusammen was du hast! Wohin? Das werde ich dir zeigen.“, dann würde ich ihm wahrscheinlich nen Vogel zeigen. Zu unsicher. Zu aufwändig. Und allein auf ein Versprechen hin, dass eine große Geschichte daraus wird? Das ist mir so fremd und soweit weg von meiner Realität. Abraham macht das. Abraham, der große Stammvater des Judentums, des Islams und auch im Christentum eine mythische  und viel erwähnte Figur. Abraham. Er ist für mich eine fremde und archaische Figur. Ich stelle ihn mir als einen rauen und bärtigen Mann vor. Ein Nomade aus einer vergangenen Zeit, der alles mit sich führte, was er hatte: Zelt, Gegenstände, seine Tiere und natürlich seine Familie. Deswegen konnte Abraham sicher leichter einfach in ein Gebiet ziehen und die bekannten Weideflächen verlassen. Trotzdem ein Risiko. Die Reise in das Unbekannte, das Gewöhnliche und Vertraute zu verlassen. Abraham tut es. Die Reise wird hart werden, Gefahren, Unsicherheit, Zweifel an Gottes Versprechen. Und da fühle mich Abraham auf einmal ganz nahe. Auch wenn mir seine Kultur und sein konkretes Leben fremd bleiben. Ich fühle mich nahe, weil ich natürlich das Gefühl kenne eingerichtet zu sein, im Vertrauten und Bekannten zu leben. Ich bin jetzt 6,5 Jahre Pfarrer in Allstedt. Ich kenne die meisten Menschen, die meisten Straßen, die Dörfer ringsherum. Ich werde gegrüßt und grüße zurück. Heimat. Meine Frau arbeitet hier, meine Töchter haben Freunde und wir als Familie und Einzelpersonen haben viele soziale Kontakte. Heimat und Beständigkeit. Vielleicht können Sie dieses Gefühl nachvollziehen, ich hoffe, dass sie an dem Ort an dem sie gerade sind, angekommen sind, sich heimisch fühlen.

Und gleichzeitig wird gerade das Vertraute und Beständige erschüttert. Es gibt Risse. Corona, die weltpolitische Situation, Klimawandel, Umbrüche in der Gesellschaft. Manche von Ihnen erwarten diese Umbrüche vielleicht sehnsüchtig, andere fürchten sie. Wenn ich in mich hinein horche, dann merke ich, dass sich das bei mir ungefähr die Waage hält. Aber irgendwie macht sich Unsicherheit in mir breit und das Gefühl, dass wir auf den allzu vertrauten Wegen nicht mehr lange bleiben werden können. Ob das gut ist? Ich kann es nicht sagen, denn ich kann nicht in die Zukunft sehen. Aber ich spüre, dass sich Veränderungen anbahnen. Und dann denke ich an Abraham. Wie er der Zukunft entgegen gegangen ist. Mutig, risikobereit, vertrauensvoll. Ohne die rosarote Brille, in dem Wissen, dass es Schwierigkeiten geben wird. Aber auch Chancen.

Denn Abraham erlebt nicht nur schwierige Zeiten, sondern auch Zeiten wunderbarer Bewahrung und Aufbruch zu neuen Momenten des Vertrauens, der Liebe und des Entdeckens.

Auch wenn mir Abraham fremd bleibt und rau und teilweise auch verschlossen: Ich wünschte mir ein bisschen so wie er werden zu können. Nicht weil er eine mythische Stammvaterfigur oder ein überhöhtes Vorbild sein soll. Sondern weil er einfach ein Mensch war, der mit dem Vertrauen auf Gott die Herausforderungen seines Lebens angegangen ist und Gott in diesen Herausforderungen erlebt hat. Ich wünsche mir das für die nächste Zeit. Das Sie und ich die Herausforderungen unserer Zeit angehen. Nicht mit Angst oder gar Hass, sondern mit dem Vertrauen auf Gottes Kraft, mit Aufmerksamkeit für die Menschen, die uns so umgeben. Mit Mut Unrecht zu bekämpfen und gleichzeitig den Respekt und die Achtung nicht zu verlieren.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Sommerzeit und zum Schluss gibt es noch einmal den Beginn von Abrahams Reise aus dem 1. Buch Mose im 12. Kapitel in dem er noch „Abram“ heißt:

Und der Herr sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.

Und ich will dich zum großen Volk machen und

will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst

ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und

in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.

Da zog Abram aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. Abram aber war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog.So nahm Abram Sarai, seine Frau, und Lot, seines Bruders Sohn, mit aller ihrer Habe, die sie gewonnen hatten, und die Leute, die sie erworben hatten in Haran, und zogen aus, um ins Land Kanaan zu gehen. Und sie kamen in das Land, und Abram durchzog das Land bis an die Stätte bei Sichem, bis zur Eiche More.

Martin Weber

Pfarrer im Pfarrbereich Allstedt/Wolferstedt

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